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Kunst und Kunstgewerbe in den königlichen Schlössern : I Aus der mecklenburgischen Wohnung im Berliner Schlosse; II Bildnis des Prinzen Heinrich von Preußen von Anton Graff; III Entwürfe zu Grabdenkmälern des Prinzen Louis von Preußen; IV Potsdamer und Berliner Standuhren in den königlichen Schlössern

Full text: Kunst und Kunstgewerbe in den königlichen Schlössern : I Aus der mecklenburgischen Wohnung im Berliner Schlosse; II Bildnis des Prinzen Heinrich von Preußen von Anton Graff; III Entwürfe zu Grabdenkmälern des Prinzen Louis von Preußen; IV Potsdamer und Berliner Standuhren in den königlichen Schlössern

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waren nun die w�nde der beiden Salons der Mecklenburgischen Wohnung mit k�stlichen Wandteppichen und
die �brigen Zimmer mit seidenen Tapeten oder Vert�felungen geschm�ckt, so galt es bas Mobiliar f�r die R�ume zu
schaffen. Manche St�cke wurden aus den Depots wieder hervorgeholt und zu neuem teben erweckt, andere Erg�nzung^-
st�cke wurden aus dem Aunsthandel erworben, ein gro�er Teil aber sollte auf Befehl des Kaifers der heimischen
Industrie Gelegenheit geben zu zeigen, was sie leisten tonnte, hierbei kam es an erster Stelle darauf an, an die
unter Friedrich dem Gro�en in Potsdam und Berlin zu gro�er keistunasf�higkeit gelangte Aunst, sch�n ausgef�hrte
und mit Einlagen versehene M�bel mit k�nstlerisch modellierten und durchgef�hrten Bronzen zu leiben, wieder
anzukn�pfen. Ich kann meine fr�heren Ausf�hrungen �ber diesen Gegenstand hier nur wiederholen ]: �von besonderer
Bedeutung ist auch f�r weitere Arcise die F�rderung geworden, die der Aaiser der Metalltechnik in ihren Anwendungs-
formen bei der Herstellung von M�beln hat angedeihen lassen, und wenn sich in den letzten Jahren in Berlin eine
rege T�tigkeit auf deni Gebiete guter, mit geschmackvollen, fein ziselierten und im Feuer vergoldeten Bronzen verzierter
M�bel gezeigt hat, so ist es nur der F�rderung zu danken, die der Aaiser dieser hier erst ganz neu zu entwickelnden
Technik durch bedeutende Auftr�ge gew�hrt hat. Hat diese Industrie bei der Aostspieligkeit ihrer Erzeugnisse auch noch
feinen gro�en Umfang angenommen, so beginnen doch nach dem Vorgang und auf Anregung des Kaifers immer
weitere Areise, derselben ihr Interesse zuzuwenden und sie durch Auftr�ge zu f�rdern, da es sich bei n�herer pr�fung
herausgestellt hat, da� sie sich in bezug auf Dualit�t und Preis ohne Scheu neben die ber�hmten Pariser keistungen
auf diesem Gebiete stellen kann."
Bei diesen Bestrebungen konnte der Aaiser an die Erfolge ankn�pfen, die sein Ahnherr Friedrich der Gro�e
auf diesem Gebiete in seinen Potsdamer Schl�ssern erreicht hat, wo es ihm gelungen war, durch seine Auftr�ge einen
Stamm hervorragender U�nstler fast durchweg deutscher Abstammung se�haft zu machen und mit ihren zum Teil ganz
hervorragenden Arbeiten seine Schlosser zu schm�cken. Ich erinnere hier nur an den Vronzesaal imPotsdamer Stadt-
schlosse und an die Bibliothek inSanssouci, Leistungen, die nirgends in der Welt, auch in Frankreich nicht, �bertreffen
worden sind, sowie an die zahlreichen in Potsdam hergestellten kostbaren M�bel in s�mtlichen Schl�ssern Friedrichs.
Die Erinnerung selber an diese reich entwickelte Industrie ist derartig verloren gegangen, da� man noch heute in weiten
Areisen glaubt, die erw�hnten Arbeiten seien in Paris oder doch von franz�sischen K�nstlern in Potsdam hergestellt
worden. Erst Kronprinz Friedrich-Wilhelm, der sp�tere Aaiser Friedrich, mit seiner Gemahlin bem�hte sich, f�r das
in Deutschland ganz heruntergekommene Kunstgewerbe durch Veredelung des Geschmackes und Anleitung der Fabrikanten
eine Vesserung herbeizuf�hren, und ihm ist ein gro�er Teil des Aufschwunges zuzuschreiben, den das Aunstaewerbe bei
uns in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Treffend hat unser Aaiser das anerkannt, als er bei der Besichtigung
der in seinem Auftrage und nach seinen Bestimmungen angefertigten, ietzt in den Mecklenburgischen Aammern unter-
gebrachten reichen M�bel in die Worte ausbrach: �Wie w�rde sich mein Vater gefreut haben, wenn er das h�tte
erleben k�nnen."
Die beiden Tafeln geben einen Einblick in zwei R�ume der Mecklenburgischen Aammern. In dem Salon
sieht man niit den Wandteppichen nach Voucher eine Anzahl der reich eingelegten, mit ziselierten und feuervergoldeten
Bronzen verzierten M�beln von Zwiener, wie die beiden Aommoden, den Teetisch und die Bibliothek, w�hrend der
Schreibtisch und eine Aommode Seite 2^2 und 2H5 noch besonders abgebildet sind. Die zweite Tafel zeigt das Schlaf-
zimmer mit dem reich geschm�ckten Bett und dem gro�en Garderobenschranke, ebenfalls von Zwiener in au�erordentlich
gro�en, den Raumverh�ltnissen des Schlosses entsprechenden Ma�en ausgef�hrt. Von dem Schmucke eines in einem
zweiten Salon aufgestellten Aamins mit Spiegelaufbau von Zwiener sind ein Aaminvorsetzer und die Uhr, beide von
Professor Rohloff modelliert und in vergoldeter Bronze ausgef�hrt, Seite 2HH und 2H5 abgebildet.
'Seidel: Ver �aiser und die Kunst. 3. 25<5ss. Verlitt, A.Schall,
        
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