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Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

Full text: Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

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Ordnung, das Verachten, das Vescitigen der rechten Obrigkeit^, sie lebt und athmet ihren Todeshauch so lange Unten,
oben u. Gben, unten ist. �
So lange also im Centrum zu Frankfurt die teuren (Dbrigfeiten feine St�tte haben, nicht obenan in dem
Rathe sitzen, welcher der Zukunft Deutschlands eine Gestalt 3 zu geben berufen ist, so lange steht oies Centrum unter
dem Spiegel des R�volutions u. treibt mit ihm, so lange hat es nichts zu bieten, was reine H�nde ber�hren
d�rfen. Als teutscher Mann u. F�rst �dessen 3a / ein 3<* vollkr�ftig, dessen Nein, ein Hein bed�chtig", geh' ich in
Nichts ein, was mein herrlich Vaterland verkleinert u. dasselbe den, gerechten Spott seiner Nachbarn,
dem Gericht der Weltgeschichte preisgiebt, nehm' ich Nichts an, was meinen angebotenen Pflichten
nicht ebenb�rtig ist, oder ihnen hindernd entgegentritt. Dixi et salvavi animam meam!
Dies Vlatt, mein lieber alter Freund ist f�r Hie allein Zic m�ssen die Notwendigkeit der Geheim-
haltung einsehen. Ich mache sie Ihnen zur Pflicht. Dringen Ihnen aber meine Worte in Aovf u. Herz, verstehen 5ie
es, da� ich, ohne mich selbst zu verl�ugnen, nicht anders kann, dann ermannen �e sich, reden �e mitIhren Freunden,
mit den Vesonnenen und k�nnenden, erheben Hie Ihre stimme imParlament; fordern �e endlich das Eine was dort
Noth thut und dort fehlt: die rechte Grdnung.
Gft unterbrochen, schlie�' ich diese Zeilen am Jahrestage des verh�ngni�vollen ;3ten. Tr�gen die neusten
Nachrichten nicht, so gewinnt in Frankfurt die Besonnenheit u. Einsicht schon wieder kand. Vas walte Gott! Und
wolle <3r Hein kr�ftig-m�chtiges sprechen, wenn ich jetzt mit dem Namen dieses Cages schlie�e: I^ewre!
Ihnen, dem Dichter des begeisternden Tiedes^, das von dem A?�rz-Aaiser so wenig erklingen d�rfte als
die IVIarse�Iaise vor dem Iuli-A�nig, Ihnen theuerster Arndt, dr�ck'' ich die Hand aus Herzensgrund
als Ihr
wohlgeneigter K�nig u. guter Freund
Friedrich Wilhelm.
Arndt lie� sich durch die Antwort des K�nigs nicht alle Hoffnung rauben. Am 29. M�rz, dein Tage der
Aaiserwahl selbst hat er sich noch einmal mit folgendem schreiben an den A�nig gewandt:
III. Arndts Antwort. 26. 2N�rz
Erhabenster A�nig,
Allerfreundlichster A�nig und Herr!
Euer A�niglichen Majest�t haben auf meine Bitten und Winke mit wahrhaft A�mglicher Huld zu antworten
geruht. Ich wage wieder ein paar Worte an Ihr ed'les Herz zu richten, wissend, da� Hie, was Ihnen darin irrth�mlich
d�nken m�ate, mit dem Herzen messen und verzeihen werden.
Es wird nach dem Untergang der Dynastie der Hohenstaufen, der in wenigen Jahren sechs Jahrhunderte z�hlt,
die deutsche Arone endlich einem rein deutschen Hause, den Hohenzollern, gezeigt werden, deren Stammhaus nicht fern
von der wiege der letzten m�chtigsten edelsten Aaiserfamilie lag, eine Rrone, ein preis hoher Ehren und vielleicht auch
1 Bisherige tesart: Ordnung. � 8 Bisherige Lesart: Zukunft (oder: Ordnung).
� '
Der erste streng konservativ und altpreu�isch
gesinnte Abschreiber dieser Briefe (Archiv in (Brofj-Kreiitj, Nachla� des Herrn 0. Arnstedt) hat hinzugef�gt: Wegen des mit dem Stern
und NB. bezeichneten Passus mu� man wohl bei der Verbreitung biffer Korrespondenz die h�chste Vorsicht beobachten, obwohl es allerdings
gegenw�rtig (c. etwas anders steht, als zu der Zeit, wo der Vrief geschrieben wurde, und obwohl diese Corresponde�) offenbar dem
K�nige nur Ehre, dem alten Professor aber Me h�chste Zchande macht, welcher nach Empfang dieses Briefes noch die Stirn gehabt hat,
sich der Frankfurter Deputation anzuschlie�en. Hier hei�t es doch wirklich mit Recht: �Alter sch�tzt vor Chorheit nicht/' � * Bisherige
Lesart: erinnern. � � Nisherige Lesart: wolle. -� � �was ist des Deutschen Vaterland?" vgl. hierzu den Brief Friedrich-Wilhelms IV.
an Dahlmann vom 55. I�Tai 18^8 bei Springer, Dahlmann II, 2^8.
� ' Visherige lesart: biete. � 8 Ranke (Fr. XO.IV.und Vunsen 5. 267)
gibt irrt�mlich den 27. M�rz als den ?ag der Raiserwahl an. Am 2?. wurde von der Versammlung die erbliche Raiserwiirde im Prinzip
beschloffen, am 28. Friedrich �Wilhelm IV. gew�hlt.
        
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