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Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

Full text: Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

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Der Gingang Ihres Vriefes ist sch�n wie der ganze Vrief. Nur um des Gewissens' willen sag' ich Ihnen,
da� ich denselben �getheilt" verstehe d. h. da� auch Sie wie ich selbst meinen und wissen, da� man zu Gott allein
betet, den A�nig aber nur bitten darf.
Nun �e bitten ihn, er soll eine ihm �Zebothene" �Arone" annehmen. Hier verlangt es jedes Alter,
das mehr denn Jahre z�hlt, zu fragen, zu pr�fen, zu w�gen, 5. wer biethet; 2. was wird gebothen?
Zuv�rderst das Vekenntni�, da� der scheu�lich ekle Schlamm des Jahres H8 mir die Caufgnade
nicht abgewaschen, wohl aber, da� ich mir den Schlamm abgewaschen habe u. wo es n�tig, noch abwasche.
Doch zur Sache.
�
Die gro�e Versammlung die sich teutsche Reichs- oder National-Vsrsammlung nennt, von der ein erfreulich
gro�er l^heil zu den besten Al�nnern des gro�en Vaterlandes geh�rt, hat weder eine Arone zu geben noch zu biethen.
Sie hat eine Verfassung zu entwerfen um dieselbe demn�chst mit Allen, von ganz Europa anerkannten regierenden
Herren u. St�dten Teutschlands zu vertragen. � N?o ist der Auftrag der diese 2,N�nner berechtigt �ber die recht-
m��igen Obrigkeiten denen sie geschworen, einen A�nig oder Aaiser zu setzen? N)o ist der Rath der A�nige u< F�rsten
Teutschlands der nach Herkommen dem heiligen Reich seinen A�nig k�rt u. die Wahl dem Volke zur
Vest�ttigung vorlegt? �!
Ihre Versammlung hat sich der Bildung dieses Raths, der Darstellung der teutschen Obrigkeiten im neuen
Centrum der Nation stets widersetzt. Das ist ein ungeheurer Fehler, man darf es: eine S�nde nennen. Jetzt zeigen
sich die Folgen dieser S�nde, jetzt f�hlt Jedermann zu Frankfurt auch die, denen Ursach und Wirkung nicht klar ist,
da� man daselbst, bei so viel Verdienst, so gro�en 2N�hen u. (theilweig) so reiner Absicht, an einer gewissen Unm�glich-
keit laborirt. Glauben Sie, da� Herz u. Vein durchsch�ttelnde Szenen, Worte, Beschl�sse des Parlamentes das Unm�g-
liche m�glich machen k�nnen? Doch gesetzt, mein theurer Arndt, die S�nde w�re nicht begangen oder sie w�rde noch
gut gemacht u. der acht und recht vereinte Rath der F�rsten und des Volks k�rte in der alten Wahlstadt und b�the
mir die alte, wahre, rechtm��ige, Aione teutscher Nation: nun � von Weigern u. Nehmen hier zu
handeln w�re heut th�rlich^ � aber antworten w�rd' ich, wie ein Mann antworten mu�, wenn ihm die h�chste
Ehre dieser Welt gebothen wird. �
Doch Ach! so steht es nicht! � Auf eine Botschaft, wie Sie mir aus Frankfurt droht, den Zeitungen und
Ihrem Vnefe zu Folge, geziemt mir das Schweigen. � Ich darf und werde nicht antworten um M�nner die ich
ehre u. liebe, auf die ich, wie Sie selbst mein alter Freund mit Stolz, ja mit Dankbarkeit blicke nicht zu beleidigen.
Denn was w�rde mir gebothen?
Ist diese Geburt des gr��lich kreisenden Jahres eine Arone? � Das Ding von dem wir reden tr�gt
nicht das Zeichen des h. Areuzes, dr�ckt nicht den Stempel �von Gottes Gnaden" auf's Haupt, ist keine Arone. Es
ist das eiserne Halsband der Knechtschaft durch welches der Sohn von mehr als 2H Regenten, Aurf�rsten u. A�nigen,
das Haupt von Millionen, der Herr de? treusten u. tapfersten Heeres der Welt, der Revolution zum leibeignen
gemacht werden w�rde. Und das fei ferne! � Der f?reis des �Aleinods" m��te obenein das Brechen meines, dem
Landtag am 26. Februar gegebnen Wortes sein, �die Verst�ndigung mit der teutschen National-Versammlung �ber die
zuk�nftige Verfassung des gro�en Vaterlandes, im verein mit allen teutschen F�rsten zu versuchen." � Ich aber
breche weder dieses noch irgend ein gegebenes wort.
Es will mich fast bed�nken, mein theurer Arndt, als walte in Ihnen ein Irrthum den Sie dann leider mit
vielen wackern u. lieben Menschen theilen: als s�hen Sie die zu bek�mpfende Revolution nur in den sogen, wthen
Demokraten und Kommunisten? Der Irrthum w�re schlimm. Jene Menschen der H�lle und des Todes k�nnen ja
nur allein auf dem Boden der lebendigen Revolution wirken. Die Revolution ist das Aufheben der g�ttlichen
1 Bisherige lesart: lim des Gewissens.
�
8 Alle bisherigen Drude haben, v�llig sinnlos: �nun: verweigern und nehmen, hier
zu handeln w�re heut thunlich
�
*.
� 3 in der Thronrede, am Tage des Zusammentrittes der beiden Rammern. � * ViZherige
lesart: freilich mit vielen andern Menschen.
        
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