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Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

Full text: Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

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H�ren wir nun Arndts hinrei�enden Vrief vom 9. 21��r$, der dem K�nig durch seinen Vruder, den Prinzen
von Preu�en, �bergeben wurdet �Der Brief", demerkt Ranke, �ist auch in seiner Fassung sehr au�erordentlich.
Es ist barin eine Mischung von kindlichem Dr�ngen und dem Respekt des getreuen Untertans. Man sieht, wenn ich
so sagen darf, in dein silbernen Haar die blonden tocken der fugend." a
I. Arndt an Friedrich-Wilhelm IV,
Erhabenster K�nig,
Allerfreundlichster A�nig und HerrI �
Zu Gott und zu dem A�nige darf man frei sprechen, bitten und beten. � 3o trete ich hier vor meinen A�nig,
aus treuestem Herzen betend hoffend bittend, und auch weisend was dieses alte Herz weisen zu m�ssen glaubt.
N)ir stehen w Europa und vorz�glich in Deutschland, unserm vaterlande, auf einen� scharfen, schneidenden
f�unkt des Augenblicks, vielleicht fast auf dem Punkte des schneidenden Schwerdtes. Es steht in demselben Augenblicke
die gro�e Frage um Einheit und st�rke Drinnen und um Macht nach au�en. Gefahr ist eben an allen Enden, die
gr��te Gefahr gewi� in der Unentschiedenheit und Unentschlossenheit oder in der Ansicht, man k�nne die Gefahr durch
Z�gern ablenken, durch langsame Zettelung und Zuckelung die wilden Ar�fte der Zeit ermatten. V nein! nein! Alan
mu� hell drein schauen, und vor Allen mu� Preu�en, dessen sieglock'ende Tonne die Gefahr so oft gewesen ist, seinen
Adler frischesten Muthes stiegen und den Sonnenraub greifen und halten lassen. Ja, erhabenster Herr, die Zeit dr�ngt,
die Gefahr dr�ngt � und beide und die w�nsche, Gebete und Hoffnungen der Vesten dr�ngen auf den leuchtenden
Glanzpunkt des Vaterlandes, auf Preu�en und auf seinen Herrscher ein, und werden noch mehr dr�ngen.
Doch halt! Der Gedanke an den Flug des alten preu�ischen Adlers rei�t den Warmen fort. Ich willsuchen
k�hl mit k�hlsten Gedanken zu sprechen.
Euer Majest�t haben Sich aus der F�lle der Macht und aus der �berzeugung einer unvermeidlichen Noch-
wendigkeit f�r einen ehrlichen starken deutschen Bundesstaat statt des unehrlichen und schw�chlichen fr�heren Staaten-
bundes erkl�rt, Sie haben gelobt all Ihre Macht und alle St�rke Ihres Volkes der St�rke und Macht Deutschlands
hinzugeben/' Deutschland hat diesem Worte geglaubt. � Sie werden es nimmer brechen.
Dieses A�nigliche wort, die starke Vindung" dieses Vundes, welche Preu�en und Deutschland in Eins ver-
wandelt, ist die einzige M�glichkeit, die Ehren und Herrlichkeiten des Vaterlandes und das Dasein der deutschen A�nige
F�rsten und Freistaaten f�r die Zukunft zu retten.
Die Festhaltung dieses gro�en Wortes, die wirkliche Gr�ndung und St�rkung ? dieses Bundesstaates, die
Erk�hnung und �bernehmung jeglicher Gefahr f�r denselben wird vor allen andern dem A�mge von Preu�en, dem
Herrlichsten und Gewaltigsten im Vaterlande, zugemuthet, und Alle, die von Gott nicht mit Blindheit geschlagen sind,
k�nnen in dem A�nig von Preu�en nur den Halter und Retter Deutschlands und seinen k�nftigen Herrn sehen.
Nun kommt, wie eben der Tag steht, �sterreich, das halbbarbarische �sterreichs, welches Deutschlands Ehre
und Macht drei Jahrhunderte verzettelt und verschleppt hat, mit seinen alten Listen heran, und will uns wieder ins
Schlepptau nehmen; es schleicht und windet sich unter uns, und auch hier in unsrer Reichsversammlung, wie ein Blind-
schleich, und sammelt eine Menge kleiner Schlangen um sich, ja selbst � zum Zeichen, was es will,n�mlich schw�chen
Und verwirren � alles radikale und sozialistische und kommunistische Ungeziefer, die nur eine schwache und elende
1 Arndt hatte den Vrief versiegelt an einen h�heren Hofbeamten geschickt, der ihn am 53. M�rz mit einem Anschreiben dem Prinzen
vonPreu�en �bersandte.
�
2 Ranke. Briefwechsel Friedrich. Wilhelms IV. mit Vunsen S. 2kH (Werke 5. 554). Sehr treffend bemerken
Meisner 11. 
    
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