Path:
Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

Full text: Ernst Moritz Arndt und Friedrich Wilhelm IV. über die Kaiserfrage

233
Dahlmann halte in jenem Briefe, mit dem er die Sendung seines Verfassungsentwurfs begleitete, seine Ueberzeugung
ausgesprochen, Me preu�ische Dynastie sei durch eine h�here waltung berufen, mit erblichem Recht an die Spitze
Deutschlands zu treten. Nur von dem Prinzip der Erblichkeit gelang es ihm, den K�nig 511 �berzeugen; im �brigen
hielt dieser an seinem gro�deutsch-mittelalterlichen Ideale damals noch fest.' Als dann die Verfassung wenigstens in
einigen Hauptz�gen festgestellt war, suchte der Pr�sident der Versammlung, Heinrich von Gagern, den K�nig f�r die
Frankfurter Krone 511 gewinnen. (Er eilte gegen Ende November nach Berlin und trug ihm vor, da� feine U)ahl
zum Deutschen Katfer durch das Parlament als fast gewi� zu betrachten fei, wenn der K�nig schon jetzt die Annahme
der Krone und Verfassung zusichere. 2 Fnedrich-N>ilhelm aber wollte sich nicht binden; das Parlament habe fein
Recht, eine Krone zu verschenken; das sei, ohne die voraufgehende Zustimmung der F�rsten, ein Akt der Revolution.
Drei Monate sp�ter stand die Wahl des Reichsoberhaupts unmittelbar vor der Da haben mehrere
F�hrer der Nationalversammlung sich nochmals bem�ht, den A�nig zur Annahme der Arone zu bewegen, an ihrer
spitze der greise Ernst-Moritz Arndt, dessen Briefwechsel mit Friedrich-Wilhelm IV. �ber die Aaiserfrage hier
zum erstenmal in authentischer Form zum Abdruck gelangt. Vassermann, Saucken, Veckerath schl�ssen sich ihm in
�hnlichen Schreiben an. Der A�nig selbst war von dem heiligen Ernst, der diese M�nner erf�llte, tief durchdrungen.
�Allediese Vriefe", so schreibt er am 20. M�rz an Veckerath^, �sind, wie der Ihrige, in gl�hender Vaterlands-
liebe, mit brennendein Herzen, �berwallend in der Ahnung eines schweren Geschickes geschrieben. Meinem alten
Freund Arndt habe ich geantwortet, was ich ihm gesagt habe, quillt aus einer -^ zum Allermindesten eben so
hei�gl�henden deutschen Vaterlandsliebe und brennendem Herzen, was darin anders als die w�nsche so vieler edler
treuer M�nner lautet, stammt aber zugleich aus einem k�hlen Haupt, das, vor Jahresfrist mitten im Strome des
Verderbens durch den A�nig der A�nige gn�dig gehalten, in aufrechter Stellung blieb diese Stellung im November
nicht zu ver�ndern brauchte und dieselbe im M�rz HH nicht �ndern wird, willArndt es gestatten, so habe ich nichts
dagegen, wenn er Ihnen, theuerster Veckerath, meine Antwort zeigt."
wenn Sie dann meine Zeilen, was Gott gebe, mit ungeblendeten Augen lesen, so m�ssen Sie darin die Sprache
des A�nigssohnes, des A�nigs �von Gottes Gnaden", die Sprache der festen des tandesherrn, der unersch�tter-
lichen Ehre des Heeresf�rsten erkennen und ehren. Ich stehe hoch genug �ber der Revolution, um sie zu �berblicken,
und die reinen wie die gr�uelhaften Vestandtheile ihres Stromes zu unterscheiden ..... Die Gefahr des Augenblicks
ist ungeheuer, wenn welckers, des Preu�enfeindes, Antrag durchgeht. Ich aber kann nicht anders. Drum, lieber
Veckerath, thun Sie, was Sie irgend verm�gen, um so gro�es Unheil zu verh�ten. Das ist Ihre und Ihres Gleichen
erste und heiligste Pflicht m diesem schicksalsschwangeren Augenblick." Welcker aber hatte am M�rz den Antrag
gestellt, die Verfassung, wie sie f�r die zweite Lesung vorbereitet war, en dluc anzunehmen und die erbliche Aaiserw�rde
dem A�nig von Preu�en zu �bertragen.
Man sieht, die Aluft, welche Friedrich-Wilhelm IV. und die M�nner der Paulskirche trennte, war un�ber-
br�ckbar. Es war eine Selbstt�uschung, wenn diese meinten, eine pl�tzliche Einwirkung geheimer Ratgeber habe ihr
Werk vereitelt. �Der Versuch, Friedrich-Wilhelm IV.die Frankfurter Kaiserkrone zu bieten, war immer innerlich aus-
sichtslos, und da� er gescheitert ist, ist nicht die Folge zufalliger Einfl�sterung." �
1 Vgl, sein Programm bei Springer II,2
    
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.