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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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werde man fie ihm mit R�cksicht auf seine Jugend verzeihen. Es sei auch nicht die erste Satire, die er verfasse,
sondern schon Me sechste oder siebente.
Das Schwergewicht ruht f�r uns in der Erkl�rung an den Vetter �ber den Zweck, den er bei Abfassung
der Epistel verfolgt habe: �Meine Absicht war, Dir ohne eigene Zutat ein getreues Portr�t pou einigen Personen
der Btabi zu liefern."
wir geben dein jungen Dichter das Wort, indem wir die �Epistel", wenigstens in ihren Hauptteilen, in
deutscher �bertragung
' folgen lassen:
Mein lieber Damis, sieh, ich halt', was ich verhei�en:
Ich schmiede Verse Dir, wie k�hn ich, 311 beweisen.
Unter dem Schuh Apolls Hab' ich fie j�ngst gedichtet,
Im heil'gen Hain �on den neun Schwestern unterrichtet,
Doch mit der K�hnheit, meinst Vu, fei es nicht weit her;
Den� alles reime sich nur so von ungef�hr.
Ich wei�, da� Boile?u viel besser es gemacht;
Indessen �3oilcau kommt hier nicht in Betracht.
Nach Versen hungert's Vich, den Hunger still' geschwind
An diesen, schlechtgen�hrt und mager, wie fie sind.
MitHerzblut friste ich mein leben Tag f�r Cag;
Das Vcispiel, bas ich geb', die Verse ahmend nach.
Denn fehlt's an Nahrung, fehlt es auch an Geistesblitzen.
Dazu macht Friedrich eine erkl�rende Randnote, wonach seine Verse auf seine frugale Lebensweise in A�strin
anspielen, habe er mit seinen drei Kavalieren monatlich doch von nur drei�ig Talern sich erhalten m�ssend Und mit
der letzten Zeile bezieht er sich auf die allgemeine Wahrheit, da� Armut niederdr�ckend wirke und alle kust und
Freude am Dichten nehme. Dann f�hrt er fort:
Wenn wirisch aftsforgen Dich verfolgen und liedr�ngen,
verlierst Du alle Lust an himmlischen Ges�ngen;
Allm�hlich sp�rest Du, wie dann Dein Geist Dir schwindet,
wenn Sorge Dir die T?bcn5ader unterbindet.
Die inn're Freiheit flieht, der Ichulbegriff und bas System
Mit seinem Stil verscheucht, was leicht und angenehm.
Du knauserst, und Du wirst einsilbig Worte sparen,
wie manche Leute, die ihr bi�chen wein bewahren.
vor gleichem Ungl�ck m�g' der Himmel Dich besch�tzen!
Am eignen leib erf�hrst Du, lieber Dennis, dann,
Ivas Rummer, 5orge, Not und Furcht vor junger kann.
Ein abgezehrter und armsel'ger Mnsensohn.
Vist Du f�r alle Welt dann nur noch Spott und Hohn,
Uni) ganz vergeblich auch wird Dein Sem�tjen bleiben,
F�r Hantton ein Sonett, ein neues kied 311 schreiben.
Nach der beigef�gten Erkl�rung zielen diese Worte auf die Tatsache, da� der Gouverneur von A�strin,
Generalmajor von ?epell, ihm w�hrend feiner Haft einmal die Bitte um einige Flaschen A?ein � oder �Rebb�ndel"
(fagots de sarment), wie er sich poetisch ausdr�ckt � abgeschlagen habe. Es hei�t dann weiter:
Und sparsam gehst Du um mit Tinte und Papier,
Knappest �berall; zuletzt wird's zur Gewohnheit Dir.
Dein reizender Humor und auch Dein heit'rer Sinn
Vergehen zweifellos und stechen langsam hin.
Die heit're Aunst, die Dir bis dahin wohlgefiel,
Verla�t Du, und Du weihst Dich ganz dem Trauerspiel,
wie dem auch immer fei, bei allem Deinem Tun,
Auch beim geringsten nicht, wird die Kritik ruh'n.
Nunmehr geht der Vichter zur Selbstkritik an seinem ll)erke �ber:
Die Verse sind an sich noch h�ckng obendrein.
Allein, mein Nantis, sag', f�r Dich ist es doch gleich,
Va� ich den Reim, der schlecht mir scheint, auch wieder streich'?
Der Reimschmied, der bin ich � da ist'Z doch meine 3ache,
Da� ich oerbess're auch und so den Zensor mache.
Find'st Deine Rechnung Du, nimmst Du das ?ieb zur Hand
�
Was k�mmert's Dich, ob schnell, ob langsam es entstand?
Das ist nun just mein Fall. Vei meinem Verseschmieden
ver�ndr' ich Vers um Vers und bin doch nicht zufrieden.
Glaub' ich, es sei ein Vers vortrefflich ausgekl�gelt,
Schlecht ist er dennoch, und fein Schicksal ist besiegelt,
was mir vom schlechten noch am besten vorgekommen.
Das wird behobelt und gefeilt und aufgenommen.
Cin l��se5 Flickwerk ist'5, das sehe ich mit Pein,
Von dem Werke kommt Friedrich auf seine eigene f)erson, und er bemerkt dazu in einer Randnotc: �Alan hat
mich hier beschuldigt, da� ich allzu satirisch fei; aus diesem Grund schreibe ich hier meine Apologie." Sie beginnt:
Doch nun gesteh', da� man 311 unrecht mich verklagt,
Da man mich Sp�tter hei�t, dem stets nur Spott besagt,
Vehauptet, da� sehr viel Satire ich bes��e.
Da� ich erpicht nur fei auf lachen und auf 3p��e.
warum bas? weil ich stets das Ding beim Hamen nannte,
Die teilte Schurken hie�, die ich als Schurken kannte;
Weil von den kastern all' in ihrer H��lichkeit
Mit keckem Striche ich so manchc5 konterfeit';
weil ich de� Geizigen mit feiner Leidenschaft
Gescholten argen Filz, genannt ihn lasterhaft.
1 Den franz�sischen Urtext vgl. unten im �Anhang", 5. 20*f.� a Diese Angabe ist �bertrieben niedrig. Angewiesen waren f�r
den Kronprinzen H? Caler 8 Groschen, die allerdings so gut wie v�llig f�r den Hofhalt draufgingen (vgl. lavisse, S. 52^). Seit dem
f. September \?3\ war die Summe auf 22( Taler 6 Groschen erh�ht (vgl. F�rster, Bb. 3, 5. 61).
        
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