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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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griechische kekt�re gest�rzt und Amor damit zum Teufel gejagt; aber auch nur eine Woche habe diese Episode gew�hrt^
Vei anderer Gelegenheit sprach er geradezu aus, da� die Zeiten der ti?de f�r ihn vor�ber seien.
Die liebe war eines der Mittel, die der A�nig dem Freunde empfahl, um seine tr�ben Stimmungen zu
bannen. Gleichwie in den Gedichten der Aronprinzenzeit ermahnte er ihn auch sp�ter zum kebensgenu�; er solle eine
heitere tebensanschauung sich zu eigen machen, wie er einmal sagt 2, in den heiteren T�nen Watteaus, aber nicht in
den dunkelfarbigen Rembrandts. Allein nicht immer nimmt Jordan es schweigend hin, wird ihm schlechte kaune und
Mi�stimmung vorgeworfen. Da vergleicht er wohl scherzend den A�nig mit dem Arzt, der seinem Aranken Fieber
w�nscht, um das Vergn�gen zu haben, ihn davon zu befreiend
Und gleichwie sich Friedrich des �fteren in derbem Humor und drastischen Wendungen ergeht, so steht ihm
Charles-Etienne darin keineswegs nach. Jordan l��t ihn �die Rolle einer Aoketten" spielen, nach deren Eroberung
alle M�chte trachteten. Ein andermal preist er das Haus des A�nigs als k�stlichen Aufenthaltsort, �zumal wenn der
Donnerkeil unterm Vette ruht und die Grazien auf den Kesseln sich wiegen". Dann wieder sagt er in einem Verslein:
er strebe nicht nach Ruhm und wolle auch keine Lorbeeren noch lohn, und er schlie�t mit der drastischen Frage: sei
denn der ganze sch�ne Ruhmestempel �die korbeeren eines Schinkens" wert?" Wir h�rten schon seine lustige An-
k�ndigung des Aometen von In demselben Jahre ereignete sich ein kleiner Vorfall, der ihm Anla� zu k�stlichen,
Scherze bot. Der A�nig hatte ihm mitgeteilt, da� �sterreichische Husaren einen an ihn gerichteten Vrief aufgefangen
hatten, und er hatte daran die launige Bemerkung gekn�pft : Jordan werde nun die Zeit sparen, die ihm die Lekt�re
des Briefes gekostet h�tte, das Publikum werde vielleicht ewige Wochen fr�her ein Werk aus seiner Feder erhalten,
�und ich, ich werde den Aerger haben, einen Aosttag ohne Nachrichten von Ihnen zu bleiben. Das alles sind die
Folgen eines verlorengegangenen Briefes." ? In seiner Antwort stellte Charles-Etienne es zun�chst schalkhaft so hin,
als sei einer semer eigenen Vriefe in Feindes Hand geraten, und er beklagt nun den Verlust, den der A�nig damit
erlitten, habe er doch allen seinen Geist in sein Schreiben hineingelegt; der Offizier, dein der Soldat, weil selber des
lesens unkundig, das Bneflein gebracht, werde voll Bewunderung ob des sch�nen Inhalts ausgerufen haben:
Vivat, wer solche Briefe schreiben kann!
Und gl�cklich auch der Herr, der solchen Mann
Sein eigen nennt, der so durch Kunst un& Geist,
was er auch schreibt, den ?efer mit sich rei�t.
Nnd weiter erkl�rt Jordan: �Ich gestehe Eurer Majest�t meine schwache, ich weine, wenn ich an diesen Verlust
denke; er mu� f�r mich empfindlicher sein als f�r Eure Majest�t, weil er mich so sehr nahe angeht: es war ein
Aind, das ich mit Freuden gezeugt, mit M�he aufgezogen habe, und das ich nun sterben sehe, in dem Augenblick,
wo es sich vorstellen und damit hohe Ehre f�r mich einlegen sollte." Darauf zu dem abhanden gekommenen Vriefe
Friedrichs �bergehend, f�hrt er fort, indem er scherzhaft dessen Worten beipflichtet: �Es ist wahr, ich w�rde meine
Zeit verloren haben, wenn ich den Vrief Eurer Majest�t gelesen h�tte;er war sicherlich nicht gut stilisiert, ermangelte
des Malzes und der Einbildungskraft, ein Fehler, der den Vriefen Eurer Majest�t gew�hnlich anhaftet." s Die lustigen
Einf�lle Charles -Etiennes spitzten sich dann auch zu pers�nlicher Pointe zu, so wenn er von der Aunst der Satire,
die nur f�r einen gro�en Herrn sich zieme, spricht und wenn er sagt, die Worte in ein kleines verslein kleidend:
�Ich kenne A�nig Friedrich: er liebt bisweilen auf Aosten des N�chsten zu lachen; er hatte stets ein wenig die
Neigung zur vornehmen und feinen Satire."
1?uvres (7, (18. (�ftober ;?5,). Ans diese Episode scheint sich auch die Darstellung bei Nielfeld (yd. II, S. I3ff.)
zu beziehen.
� * ?uvres 5?, ;??f. (^. April (742). � 3 ?uvres 17, (2.Februar (7^2).
� *
?uvres (7, 52?.
� �?uvres (7,
(28. (26f. I�3. � e Vgl. oben S. 220.
� '?uvres 5?, ,5uf. (28. Februar (7^2). Nach Mitteilung der wiener Archive findet sich auch
dort nicht dieses aufgefangene Schieiben.
�
8 In dem Vriefe vom in.M�rz \?<^2 schreibt Jordan w�rtlich: �J'aurais, i! est vrai, perdu
mon temps en lisant la lettre de Votre Majest�, qui s?rement n'�tait pas bien �crite, qui manquait de sel et d'imagination, d�faut ordinaire
aux lettres que compose Votre Majest�." (Charlottenburg, HauZarchio.) � 9 vgl. ?uvres \7, \27, \e$ t
        
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