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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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ich befinde mich wohl. Durch die �ffentlichen Nachrichten wirst Du erfahren, da� die Angelegenheiten des Staates
gut gehen, kebe wohl! Hab' mich ein wenig lieb und werde, wenn m�glich, gesund mir zum Croste." Gerade
einen NIonat nach seinem letzten Briefe an Friedrich, am 2H. Mai 4?H5, erlag Jordan seinen, Brustleiden.
Schwer traf den A�nig sein Tod, und als er binnen wenigen Monaten auch Aeyserlmgk verlor, da klagte
er: ��ie machten meine Familie aus, und ich f�hle mich jetzt wie verwitwet und verwaist." Waren sie doch, wie er
sagte, seine beiden tremsten Freunde gewesen, mit denen er stets zusammen gelebt, deren angenehmer Umgang, deren
Ehrenhaftigkeit und aufrichtige Freundschaft ihm oft geholfen h�tten, Kummer zu besiegen und Arankheit zu ertragen.'
Friedrich selbst entwarf f�r den Freund den �Ao^e", der, nach kurzem tebensabri�, in einer gl�nzenden Charakteristik
Charles -EtienneK gipfelte; er gelangte am 2H. Januar 1?H6 m der Akademie zur Verlesung.
vergegenw�rtigen wir uns Jordans Schicksal und Pers�nlichkeit. <3s entbehrt nicht der Tragik, da� diesem
hochbegabten, feinsinnigen und charaktervollen Manne ein gr��erer Wirkungskreis versagt blieb. Ver Roma berief
ihn 5?HH zum Vizepr�sidenten der neuen Akademie, damit er, wie treffend hervorgehoben worden ist�, durch seinen
religi�sen Ann und seine ernste UAssenschaftlichkeit ein Gegengewicht gegen�ber den Einfl�ssen Voltaires bilde. Aber
die Ernennung kam zu sp�t; Jordan war schon ein schwerkranker Mann. 2 Seine Schriften haben ihn nicht viel
�berlebt; wenigstens ist ihnen h�here Bedeutung nicht beizumessen. Und ist dennoch sein Name auf die Nachwelt
gekommen, so hat er es seiner Freundschaft mit dem A�nig zu danken, gleichwie er selbst in einem Schreiben an
Friedrich sagt: ihm scheine, als ob er an seinem Ruhm teil habe wegen der Ehre, einem Herrn zu dienen, der so
r�hmlich sich auszeichne: �zwar ist's in Wahrheit nur ein kleiner Schimmer von Ruhm, aber er reicht hin und ent-
spricht meinen F�higkeiten, und mehr kommt mir nicht zu." 2
Das bleibende Venkmal der Freundschaft dieser M�nner bildet ihre Aorrespondenz. Ihr Schwergewicht liegt
zweifelsohne in den Vriefen des A�nigs, nicht nur ihrer Zahl", sondern auch ihrem inneren Gehalt nach, lebendig
tritt in ihnen das strahlende Vild der Pers�nlichkeit Friedrichs uns entgegen. Nicht eben das gleiche l��t sich von
Jordans Vriefen behaupten; der A�mg machte ihn, wie wir sahen, w�hrend der Ariegsjahre zu seinem Korrespondenten,
und so enthalten sie vielerlei Nachrichten, die im Augenblicke des Interesses nicht entbehrten, uns aber heute nicht
viel mehr sagen k�nnen. Immerhin bleibt eine ganze Zahl �brig, die uns durchaus erkl�rlich macht, warum Friedrich,
wenn er auch zeitweilig wegen Ueberf�lle der Gesch�fte alle sonstigen Korrespondenzen sich verbat, doch auf Jordans
Vriefe �mit ihren dicken Buchstaben" nicht verzichten wollte.
Die Schreiben, die sie miteinander tauschten, tragen den Charakter einer Plauderei. Zierliche Verslein sind
mit leichter, spielender Hand unter die Prosa gemischt, das eine in das andere �bergehend. Vald gestaltet sich der
ganze Brief zu einem einzigen Gedicht, bald beginnt der Korrespondent als Poet, um in reimloser Form zu enden.
Ein und derselbe Gedanke zieht �fters durch mehrere Schreiben hindurch, unter immer wechselnden Gesichtspunkten,
mit stetig neuen Pointen, gleichwie ein Federball, den die eine Partei mit leichtem Wurfe der anderen kunstvoll
zuschnellt. Unersch�pflich erscheint die F�lle von Geist und Witz, vergeblich aber auch jedes Bestreben, auch nur
ann�hernd ein solches Wortgefecht zu schildern. Und dennoch geben diese Briefe vielleicht nur einen schwachen wieder-
schein von der Plauderkunst Jordans im m�ndlichen Gespr�che, wenn die Behauptung Vielfelds zutrifft: �Er hat
�
* Vq,U btc Schreiben an die Gr�fin damas vom 30. August und Duhan be Iandun vom 24* September 5?H5: ?uvres *7, 288
und vgl. ferner ?uvres 5?, 286. 2Y2; �politise Korrespondenz Friedrichs des Gro�en", Vd. 4/ S. 2�3 und �Briefwechsel
Friedrichs des Gro�en mit Grumbkow un& Mauvertms" (herausg. von Koser, Leipzig *698), 5- 190, � * Vgl.Harnack, �Geschichte der
K�niglich Preu�ischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin", Vd.I,H�lfte I,S. 25* Anm. l (Berlin *9GO).
� �
wenn ihn auch der
K�nig sofort nach fein� Thronbesteigung zum Geheimen Rat, Kurator der Universit�ten und Mitglied des franz�sischen �berbire�toriums
in Berlin erhob und ihm die Oberaufsicht �ber die dortigen Hospit�ler und Waisenh�user anvertraute, so war bas doch eine T�tigkeit, die
leben und Geist eines Manne? wie Jordan nicht aufzuf�llen vermochte. � * Neben der �Voyage litt�raire" �st besonders eine Monographie
�ber seinen Serrer la Croze (Amsterdam H7^t) zu nennen, � B Schreiben �ont 2?. M�rz n?^2: �Ce n'est ? la v�rit� qu'une nuance de
gloire, mais elle est suffisante et proportionn�e ? ma capacit�, et il ne m'en faut pas davantage." (CEjarlottenburg, Hausarchiv). �
a Die ?uvres enthalten U3 schreiben vom K�nig und 85 von Jordan.
� 'Vgl. ?uvres {7, \^b (3. Februar 17^2).
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