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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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lande, auf den G�tern mit eigenen Augen kennen gelernt hattet Dielleicht auch kam er sich selber, feit Jahr und
Tag in die A�striner Einsamkeit verbannt, als ein kandedelmann vor, der nun mit allen Attributen eines solchen
in die Stadt zur�ckkehrt.
Aus den Gefilden luftiger Phantasie steigt er zum Schlu� des Vriefes in die Wirklichkeit hernieder, um noch
einige pers�nliche Erlebnisse zu erz�hlen. Wir erfahren, wie er auf der Heimkehr von einem Ausflug nach kebus
einen Herrn von Vurgsdorff aufgesucht, dann aber unter schicklichem Vorwand vor einer �ber ihn hereinbrechenden
�L�ndflut �bel angebrachter H�flichkeiten" schleunigst die Flucht ergriffen, wie er darauf am 59. September mit seinem
Vetter Markgraf Aarl, der zum Grdensfest der Iohanmter nach Sonnenburg reiste, ein st�rmisches wiedersehen gefeiert hat.
3n starkem Kontraste zu diesem �berm�tigen Schreiben steht der n�chste uns vorliegende Brief vom 5. (Dftober. 2
Auch er ist, allerdings um eine Nuance feierlicher als jener erste, �berschrieben: �hochverehrte Frau Cousine". Er
enth�lt schwere Selbstbezichtigung und die Bitte um Verzeihung. Aehnlich, wie er einen Monat fr�her dem Markgrafen
Karl gegen�ber die stumme Rolle und �t�richte Figur", die er bei einem Tags zuvor ihm gegebenen Festmahl spielte,
zu entschuldigen gesucht und ein heftiges Fieber als Ursache angef�hrt Haltes erkl�rt Friedrich jetzt der jungen Schlo�-
herrin, er verdiene �die h�rteste Strafe" daf�r, da� er �ihre Gegenwart durch seine Torheit (b?tise) blasphemicrt"
habe. Und auch ihr gegen�ber beruft er sich im folgenden auf eine �ziemlich triftige Entschuldigung": �Der Herr
Graf", so schreibt er, �sagte mir vielerlei, was mir keineswegs Vergn�gen machte, und was ich nicht so schnell
verdauen konnte." Diese dunkle Andeutung erf�hrt willkommene Aufhellung durch einen ausf�hrlichen Bericht, den
wir aus der Feder eben dieser von Friedrich zitierten Pers�nlichkeit besitzen. (Es war der Generalmajor Graf Adolf-
Friedrich von der Schulsnburg, der Chef des Regiments Grenadiere zu Pferde in dem benachbarten tandsberg, der
von einer Reise aus Wien �ber Berlin zur�ckkehrend, auf die Nachricht, da� Friedrich am H. in Camin zu Mittag
speisen w�rde, sich gleichfalls dorthin begeben hattet Der Prinz war eben angelangt, als Schulenburg eintraf.
Friedrichs gesundes und heiteres Aufsehen f�llt ihm sofort auf. �Er sprach lange", f�hrt unser Berichterstatter fort,
�mit Frau von N)reech, die ihm nicht gleichg�ltig zu sein scheint, aber sie strahlt auch in ihrer Sch�nheit, mit ihrem
Ceint von Cilten und Rosen." Man ging M Tisch, der Prinz bat Schulenburg, an feiner Seite Platz zu nehmen.
Das Gespr�ch kam unter anderem auf f�rstliche Maitressen. �Ich suchte stets", so berichtet der Graf, �moralische
Nutzanwendungen anzukn�pfen. (Er sagte unter anderem, da� er die vornehme Welt liebe und da� es ihm
gro�en Spa� mache, l�cherliche Seiten an den einzelnen zu entdecken. Ich erwiderte, da� das ausgezeichnet sei, wenn
man daraus Nutzen ziehe; wolle man aber sich nur lustig inachen, so tauge bas nicht viel; man muffe das L�cherliche
aufsuchen, bas in uns selbst liege." Und weiter hei�t es in dein Bericht: �Als wir von Tisch aufstanden, sagte
IVolden zu mir: Sie haben recht daran getan, ihm Moral zu predigen." Doch nicht genug: Sofort nach Aufhebung
der Tafel ging Friedrich in eine Fensternische und rief Schulenburg, und von neuem begann das Gespr�ch, das der
Prinz mit den Worten er�ffnete: �Haben Sie nichts dar�ber geh�rt, was aus mir werden soll?" Damit rollte er
alle die Fragen abermals auf, die ihn innerlich auf bas st�rkste besch�ftigten: Die Frage der R�ckkehr nach Berlin,
der Verleihung eines Regimentes, die Frage seines eigenen Verhaltens und der Stellung zum Vater, sowie endlich die
13n der Instruktion f�r wolden vom 21.. August ;?3; war angeordnet worden, da� stets ein Mitglied der Kammer den Prinzen
auf seinen l�ndlichen Ausfl�gen begleiten sollte, um ihm 311 sagen, �wie die Wirtschaft gef�hrt wird, wie gepfi�get, gemistet, ges�et und
der Acker zubereitet und bestellt werden mu�, dabei zugleich der Unterschied von der guten und schlechten Wirtschaft und Vestellung gezeiget
werden mu�, und da� er solches selbst kennen uni� beurteilen lerne; wie ihm denn auch Don der Viehzucht und Vrauwesen aller n�tige
Unterricht zu geben." vgl.3. D,E. Preu�, �Friedrich der Gro�e", Urkundenband II,3. !62f. (Berlin (833).
� * Abgedruckt mit dem
irrigen iNonatsdatum �September": ?uvres, Vd. l6, S. 45. F�r die Datierung ist entscheidend ein Bericht des Grafen Schulenburg an(SrumbfotP vom <*. Gktober (vgl. F�rster, Bb, 3, 5. 65), demzufolge der Prinz am 2. auf dem Amte f^immelft�bt, am mit ihm in
Camin bei Frau von Sch�ning war. Ver Aufenthalt inHimmelst�dt am 3. wird best�tigt durch Friedrichs Beriet an seinen Vater vom 6.
(vgl. ?uvres, Vd. 27, Ch. 3, S. 29: �Vergangenen Mittwoch bin ich in dem Amte Himmelst�dt gewesen"), bas Zusammensein mit
Schulenburg am 4. in Camin durch die Erw�hnung des �Grafen" in dem obigen Briefe Friedrichs an Frau von wreech. Ueberdies warja der Prinz am 4. September bei Markgraf Karl inSoldin gewesen. � 3 Vgl.Berner, Deutsche Revue, 2. 3�f. � * Bericht Schulenburgs
vom 4. Oktober ;72i, an Grumbkow: vgl. F�rster, Vd. 3, 3. b5ff.
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