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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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Auf g�nzlich andere Tonart ist der letzte Teil des Briefwechsels gestimmt, der der Zeit des Zweiten Schleichen
Krieges angeh�rt. Auf ihn f�llen schon die dunkeln Schatten der Krankheit Jordans, bU in nicht zu ferner Zeit
seinem ?eben das Ziel setzte. Immer niehr tritt in Friedrichs Briefen die Sorge um den kranken Freund an die
erste Stelle. �Du schreibst mir zwei Seiten voll �ber pr�g und kein wort �ber Jordan", ruft er ihm zu^; �f�llst Du
in den gleichen Fehler zur�ck, verzeihe ich es Dir nicht." Und seinerseits ermahnt er Charles -Sienne, um ihn nicht
in Unruhe zu sein. So hei�t es in einem Schreiben von 2: �Veunruhige Dich nicht um meinetwillen! Unsere
Angelegenheiten gehen, dem Himmel sei Dank, gut; uno was meine Person betrifft, so bedeutet fie so wenig im
Weltall, da� man kaum bas Vorhandensein � der Atome, die mich zusammensetzen, bemerkt." 3 seiner Replik
antwortete darauf Jordan : �Was macht doch dieses Atom, von dem Eure Majest�t so bescheiden spricht, f�r ein
Aufsehen in der Welt! (Es ist eine Monade, die gro�e plane schmiedet, die alle sich darbietenden Schwierigkeilen zu
�berwinden wei�, und die stets auf Gro�es zielt." 3 (Einen �armen kranken Philosophen" nannte er sich hingegen
selbst. 3 3m September [7^ berichtete er, da� es mit fetner Gesundheit dauernd schlecht ginge und er nicht s�he, da�
es besser w�rde. (Er schlo�: �Man mu� sich dem IDi�en der Vorsehung unterwerfen. (Sott wolle allein Eure
Majest�t erhalten!'"
Im Dezember kam Friedrich nach Nerlin zur�ck, widersprechende Meldungen veranla�ten ihn, an Jordan
zu schreiben, er m�ge Sorge tragen, da� jemand, der ihn gesehen habe, sofort bei seiner Ankunft ihm positive
Nachricht �ber sein Vefinden geben k�nnet wenige Tage nach seiner Abreise ins Feld, am 20. M�rz berichtete
ihm Charles-Etienne, die Heilung mache nur sehr langsame Fortschritte; die Aerzte w�nschten, er solle Ende April
oder Anfang Mai Montpellier aufsuchen. In v�terlichem Tone erwiderte ihm der A�mg: �Du wirst tun, mein
Aind, was Du f�r Deine Gesundheit f�r gut befinden wirst, und Du wirst in die Gegend der Erde gehen, die f�r
Ihre Wiederherstellung am besten sein wird."^ Doch eine Genesung war nicht mehr zu erhoffen. Jordan f�hlte es
selbst. In seinem letzten Schreiben vom 2H. April, das zugleich eines der sch�nsten der von ihm an den A�nig
gerichteten ist, l��t er uns noch einen tiefen Vlick in sein innerstes Wesen tun, indem er Anla� nimmt, sich �ber
sein Verh�ltnis zur Religion und zur Aufkl�rung auszusprechen': �Mein teiden nimmt derart zu, da� ich glaube,
keine Hoffnung auf Gesundung mehr zu haben. In meiner gegenw�rtigen tage empfinde ich die Notwendigkeit einer
aufgekl�rten und vernunftm��igen Religion s; daohne sind wir die am meisten zu beklagenden Wesen im Weltall. Eure
Majest�t wird mir nach meinem Tode die Gerechtigkeit widerfahren lassen, da�, wenn ich den Aberglauben mit
Erbitterung bek�mpfte, ich doch stets die Interessen der christlichen Religion unterst�tzt habe, allerdings weit entfernt
von den Ideen der Theologen, wie man die Notwendigkeit der Tapferkeit erst in der Stunde der Gefahr erkennt,
so kann man auch den Trost, den man aus der Religion sch�pft, erst in leidendem Zustand erkennen. Die Heiden
haben davon Vorteil zu ziehen gewu�t, und auch ich mache diese Erfahrung; Eure Majest�t kann es mir glauben."
Er sei kein Sektierer gewesen, wie der A�nig geargw�hnt habe. �Ich glaube," f�hrt er fort, �jeder Ehrenmann hat
seine Religion, nach dem Matze der Erleuchtung seines Geistes und entsprechend seinen Bed�rfnissen." Jordan schlie�t
mit den Abschiedsworten: �Mag ich nun sterben oder leben, ich werde sterben, ich werde leben in dem Gef�hle
innigster Dankbarkeit, die ich Eurer Majest�t f�r alle mir bezeugte Gnadenbeweise schulde." Eine Antwort des A�nigs
auf dieses ergreifende Glaubensbekenntnis ist, wenn ergangen, so doch uns nicht erhalten. Die letzten, von seiner Hand
uns vorliegenden Zeilen an den sterbenden Freund v lauten: �tieber Jordan, bek�mmere mich nicht durch Dein� Arankheit.
Du stimmst mich melancholisch; denn ich liebe Dich von ganzem Herzen. Schone Dich und sorge Dich nicht um mich;
1?uvres (7, 257 (August (74$}. � * ?uvres (7* 258. � � 3. September ;?44 (?uvres (?, 259). � 4 ;6. September \7W
(?uvres I?, 260). � � ?uvres (7, 26^ (das Schreiben, undatiert, ist �on dem Herausgeber irrt�mlich in das Fr�hjahr [7 gefetzt). �
� ?uvres \7, 2i2f. �
'?uvres \7 r 26^. Auf diesen Brief geht wahrscheinlich bit apokryphe und v�llig unbewiesene Angabe fc� V�schmg
(�Vertr�ge zu der tebensgefchichte denkwilrdigrr Personen". Teil V, S. u?; Hallen��) 3ur�tf: �Man saaet, Jordan habe auf feinem
Sterbebette viel Gewissensangst dar�ber empfunden, da� er im Umg�nge mit dem K�nig die Religion so oft hlnwegge witzelt, der K�nig
aber habe diese Heue f�r Phantasie eines dem Tode nahen Kranken erkl�ret." Vgl. dazu auch oben 5. 222 2lnm. 2.
� 9 Vorlage: �la
n�cessit� d'une religion �clair�e et r�fl�chie." � 8 ?uvres \7, 2�5 (undatiert).
        
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