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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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so wenig erwartete und so angenehme Nachricht Ihnen nur viel Freude bereiten kann. Indessen darf diese Freude
Hie nicht indiskret machen." Uni� so verbietet er, bis auf weiteres �ffentlich davon zu sprechen.
Zu gleicher Zeit machte sich der U�nig darauf gefa�t, da� man an seinem vorgehen scharfe, ja b�swillige
Antik �ben w�rde. �Zch habe getan," erklarte er ebenfalls in dem Briefe vom �was ich dem Ruhm meiner
Nation schuldig zu sein glaubte; ich tue jetzt, was ich seinem Gl�cke schulde." Und dann, zwei Tage spater^: �Ich
k�mmere mich wenig uni das t�richte Geschw�tz der Masse, und ich appelliere an alle Gelehrten der Jurisprudenz
und der politischen 5Noral, und sragc: nachdem ich alles Menschenm�gliche getan habe, um meine Verbindlichkeiten
gegen meine Alliierten zu erf�llen, bin ich da verpflichtet, mich von ihnen nicht zu trennen, wenn ich sehe, der eine
r�hrt sich �berhaupt nicht, der andere halt sich schlecht, und .wenn ich zum Ueberflu� noch die Besorgnis habe, beim
ersten Mi�erfolg von meinem st�rksten und machtigsten Verb�ndeten in einem Scheinfrieden preisgegeben zu werden?"
Und er fragt weiter: ob der Herrscher, der den sicheren Schiffbruch oder eine offenbare Gefahr vor Augen sieht, nicht
berechtigt sei, sich durch einen klugen R�ckzug zu sichern. Seine Truppen h�tten gen�gend Ruhm geerntet, er habe
Erwerbungen davongetragen. Aber, wirft Friedrich ein, man werde ihn moralisch verurteilen. Demgegen�ber beruft
er sich auf die Staatsr�son: bei einem f)rivatmanne handle es sich nur um das Wohl eines einzigen Individuums;
er mu� sein Wohl dem der Gesamtheit opfern. Ver Herrscher, so f�hrt er weiter aus, befindet sich hingegen in
anderer tage; f�r ihn steht das Wohl eines ganzen Volkes aus dem Spiel, und so mu� er sich selbst und auch die
Verpflichtungen, die er eingegangen ist, zum Gpfer bringen, sobald sie anfangen, dein Wohl seiner Untertanen
sch�dlich zu werden. Friedrich schlie�t diese Ausf�hrungen an Jordan: �Das hatte ich Ihnen zu sagen, und Sie
k�nnen davon seinerzeit inGesellschaften und im Gespr�ch Gebrauch machen, aber lassen Sie sich nichts davon merken,
da� der Friede geschlossen ist." In seiner Antwort vom 23. Juni stellte sich Charles -Etienne ganz aus den
Standpunkt des K�nigs : �Ver Schritt Eurer Majest�t tr�gt in sich selbst seine Rechtfertigung; es steht mit Allianzen
wie mit Vertr�gen: nur so lange besitzen sie G�ltigkeit, als beide Teile gegenseitig die darin ausgemachten Vedmgungen
erf�llen." Und nochmals wiederholte er am 3. Juli �Ich zweifle, da� Frankreich sich �ber das Vetragen, das
rnan ihm gegen�ber gezeigt hat, offen beklagen wird. Will es das dennoch wagen, so wird es zahllose Menschen
finden, die ihm Antwort geben werden. Es ist sehr leicht, die Haltung Eurer Majest�t zu rechtfertigen, da man zu
dem Zwecke nur die Vernunft und die gesunde Moral zu befragen hat."
Endlich kann Friedrich dem Freunde verk�nden, am 22. Juni sei bei dem Schalle von Hauken und Trompeten
der Friede bekannt gemacht worden. Sofort auch sendet er fein Programm f�r die Heimkehr und befiehlt, da� Jordan
mit Aeyserlingk und p�llnitz sich am Nachmittag des 2.Juli nach Charlottenburg begeben solle, wo er selber mittags
eintreffen werde. Er verhei�t ihm einen �ganzen Gallimathias von z�rtlichsten Freundschaftsversicherungen, wie man
sie seinen Freunden gibt, die man lange nicht gesehen."
Mit dem Zeitpunkt der R�ckkehr des A�mgs h�rte die regelm��ige Korrespondenz mit Jordan auf. An die
Stelle des schriftlichen Gedankenaustausches trat der pers�nliche Verkehr, der freilich dadurch eine gewisse Beschr�nkung
erfuhr, da� Charles-Etienne seinen dauernden Wohnsitz in Berlin hatte, van dem er sich nur ungern trennte,
wenigstens klagte Friedrich: �Solange Veine Bibliothek besteht, wird es keine M�glichkeit geben. Dich von Verlin
loszurei�en." 5 Diesen Sto�seufzer kleidete er auch gelegentlich in Verse, indem er einem seiner Briefe" die poetische
Widmung voranstellte:
' ?uvres i?, 22� f, vgl. 311 bett folgenden Ausf�hrungen auch Roser, San!� l, Seite l?Sjf., nebst dem von Proyfert ver-
�ffentlichten �Avant-propos" Zu der Niederschrift der �Histoire de mon temps" Don ;7^2 (Programm des. A�nigst�dtischen Gymnasiums
zu Verlin, 1905, S. 2?ff.).
� '
?uvres 57, 233. �
'Charlottenburg, Hausarchiv.
� * 23. Juni und U3"lt 17^2 (?uvres \7, 235. 2^0).
�
8 vgl. ?uvres |�, 154. Das undatierle Schreiben, von dem Herausgeber irrt�mlich dem M�rz \7<*2 eingereiht, geh�rt, wie aus
der oben angef�hrten Stelle hervorgeht, der Zeit nach dem Vreslauer Friedensschlu� an, wahrscheinlich dem Mai 17^3, scheinen doch
die im Text des Briefes erw�hnten Verse sich auf das Gedicht �la Jordanomanie" vom (2.Mai ;?^2 (?uvres ;?, 255) zu beziehen.
�
6 ?uvres (7, 242.
        
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