Path:
Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

222
ergriffenen Ma�nahmen, nach reiflichen Uoberlcgungen, nach schnellen und n�tigen Entschl�ssen mu� man sein Urteil
�ber Unternehmungen und �ber ihren (Erfolg bilden." Und indem er am 23. nochmals auf den Kometen zur�ck-
kam, bemerkte er: jeder lege ihn verschieden aus, die einen zugunsten des Friedens, die anderen 311 dessen Ungunstcn,
und er fuhr fort, die Frage auf bas metaphysische Gebiet hin�berspielend: �Ich f�r meinen Teil halte den Himmel
f�r fl�ger; er fragt nicht nach unfern Leidenschaften noch nach unfern kleinen H�ndeln/" Indessen sehr bezeichnender
Weise wollte Jordan diese Ansicht nicht ohne Einschr�nkung gelten lassen, und er hielt dem "K�nige entgegen: Der
reine verstand sage uns zwar, da� der Himmel an unserem Tun und Treiben feinen Anteil habe; �aber die geheimen
Triebfedern manches Begebnisses bestimmen mein Herz, ganz das Gegenteil zu behaupten." 2
Unter den vielerlei politischen Nachrichten, die Charles =Etienne, feines Amtes als Korrespondent waltend,
dem "K�nig sandte, befand sich auch eine Mitteilung �ber ein damals erschienenes Flugblatt, das, wie er schriebt
�recht sinnreich" die politische Tage Europas in Gestalt eines Balles schilderte, den Friedrich mit Maria-Theresia
er�ffnete. (Es war die, laut Unterschrift, in Holland erschienene Satire �Ouverture du bal solennel que les puissances
de l'Europe ont tenu ? la grande salle germanique." Die beiderseitigen partner sind die Parteien, die im
�sterreichischen Erbfolgekrieg sich gegen�berstanden. Der franz�sische Premierminister Aardinal Fleury erscheint als
Gberzercmonienmeister, als Seele der Koalition gegen (Defterrcicr/ und damit als Urheber des Balles; ihm ist Marschall
Velle-^sle, das Haupt der Ariegspartci am Oersailler Hofe, der als Unterh�ndler von tand zu Tand reisend, die
Bundesgenossen f�r Frankreich warb, als Zeremonienmeister beigegeben. Den Veranstalter des Vall?s macht hingegen
als k�nftiger Aaiser Aurf�rst Aarl^ Albert von Bayern; er stellt auch die Musik, die voll den drei geistlichen Aurf�rsten
geleitet wird. �Obgleich jeder wu�te," so hei�t es darauf in der Satire, �da� die K�nigin von Ungarn die Ball-'
k�nigin war, so war doch manchem unbekannt, wer ihr partner fein sollte, bis Seine preu�ische Majest�t erschien,
der als erster ihr die Hand reichte und so mit ihr den Ball er�ffnete." w�hrend fie eine Ruhepause machten, bot �
eine Anspielung auf den \7$\ neu entbrannten russisch-schwedischen Krieg � der K�nig von Schweden einer russischen
Dame die Hand; aber statt einer erschienen deren zwei, n�mlich Aaisenn Elisabeth und Herzogin Anna von Mecklenburg,
die Mutter des im Dezember \7t\\ entthronten unm�ndigen Iwan IV., die dann auch den Ballsaal besch�mt verl��t.
Nunmehr � den Kampf der Alliierten gegen Vesterreich versinnbildlichend
�
traten ?ubtoig XV., die Kurf�rsten
von Sachsen, Bayern und der sifalz der Reihe nach mit Maria Theresia zum Tanze an, aber da sie nicht so kr�ftig
waren wie K�nig Friedrich, erm�deten fie zeitiger, zumal der Bayer, �der ganz in Schwei� geriet" � besetzten doch
die �sterreichischen Truppen fein ?anb. Und weiter hei�t es: �Goldpulver, das sie aus England bezog, so wollte
man behaupten, st�rkte bi� K�nigin von Ungarn so sehr, da� fie die �brigen zu Tode tanzte, um so mehr, da sie
im Anfang sich schonte und nicht so gewaltige Spr�nge inachte wie diese Herren;" mit anderen Worten: Gesterreich
gewann mit Englands Unterst�tzung bas Uebergewicht �ber die anbeten M�chte, lvas ihren Gemahl, Gro�herzog
Franz-Stephan von Toskana, betraf, so tonnte er freilich nicht tanzen ; denn ihn dr�ckten die neuen, kurz vor Beginn
des Balles von Frankreich erhaltenen Schuhs � er hatte auf Verlangen des VcrfaiUer Hofes sein Erbe tothringen
gegen Toskana an den aus polen vertriebenen Stanislaus teszczynski, den Schwiegervater Ludwigs XV abtreten
m�ssen, � und da er sich vor H�hneraugen f�rchtete, begn�gte er sich, seine Gattin beim Tanzen im Gleichgewicht
zu halten. Eben der Augenblick nun, da Maria-Theresia mit K�nig Friedrich tanzt, ist auf dem Flugblatt im
Bilde dargestellt. 3n der Beschreibung, die er von dieser Satire dem K�nige gibt, irrt Jordan allerdings, wenn er
der K�nigin von Ungarn die Klage in den Mund legt, da� Friedrich sie �zu Tode tanze"; denn, wie wir sahen,
hatte der Verfasser des Flugblatts diesen Ausdruck gerade im Hinblick auf die Ueberlegenheit Maria-Theresias �ber
1?uvres \7, (55. \60.
� * Pie Antwort vom 3. April (?uvres \?, (67) lautet w�rtlich:
Le ciel n'a point de part k ce qu'il noua voit faire,
C'est l? ce que nous dit le pur raisonnement;
Mais les ressorts secrets de maint �v�nement
Font �jue mon c?ur me dit tout le contraire.
3 {o,Mai \742 (?uvres \ 7, 203).
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.