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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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und schmeichle mir, da� meine r�unie mich stets so wiederfinden werden, wie ich gewesen, bisweilen mehr besch�ftigt,
sorgenvoll, unruhig, mit Arbeit �berladen, aber stets zu ihrem Dienste bereit und", damit sich direkt art Jordan
wendend, �stets bereit, Ihnen zumal 511 beweisen, da� ich Sic achte und Sie von ganzem Herzen lieb habe." Und
�hnlich schreibt der A�nig etwas sp�ter: �Denke ein wenig an Deinen armen Ixion, der wie ein Str�fling an dem
gro�en Habe Europas sich m�ht, und sei �berzeugt, da� niemals weder Gl�ck noch Ungl�ck, weder Gesundheit noch
Arankheit, weder F�rstenrang noch K�nigtum etwas an meiner Freundschaft f�r Dich �ndern kann."^
wie das Jahr zuvor, so bekam Charles
-
Etienne auch jetzt wieder den Austrag, den A�nig mit Nachrichten
aller Art zu versorgen, �Schreibe mir Vriefe, sechs Hefte stark," so fordert Friedrich am 5.Februar; �schwatze viel uud
melde mir alles, was Dir durch den Aopf gehen wird." lind dann: �Sprich nur von ganz Verliu in Deinen Versen,
von Aleinigkeiten, Nichtigkeilen; denn meine Neugier ist ein uners�ttlicher Schluud; zumal verlaugt es mich nach
politischen Verachtungen und Urteilen, die meistenteils sehr n�rrisch sind."" Es ist, als ob der K�nig mit Jordan
die Rolle tauscht; gleichwie dieser das Jahr zuvor, spricht jetzt Friedrich von seiuem �Exil". Er nennt sich den
�pwloZOpke Tuci-i-ier, der nach Rheinsberg und seinen Freunden seufzt"^ und je l�nger der Feldzug dauert, desto
mehr beklagt er sich, da� er so wenig Nachrichten �ber Verlin erhalte. �Sie berichten mir nichts von Ihren Aorre-
spondenzen mit Gelehrten, von meinen Vautcn, von meinen G�rten, von meinen Freunden, mit einen: Wart, van
alledem, was mich interessiert;" denn, wie er nach n�herer Erl�uterung seiner w�nsche hinzuf�gt, �alle Nachrichten
aus der Heimat sind f�r die Abwesenden reizvoll." Dann hei�t es unter den, 5.Mai: �Ihre Verse sind charmant,
aber ich will Nachrichten. Melden Sie mir also, wie ist das Wetter in Verlin, was treibt man dort, was spricht
man dort, und find alle Quellen ersch�pft, so erz�hlen Sie mir wenigstens von dem Vronzepferde und dem Heros auf
ihm, dessen Monument man mit Sklaven geschm�ckt hat, weil er die Schweden in Fesseln schlug." Und als er sich
wieder nach den Fortschritten erkundigt, die der Unibau des Charlottenburger Schlosses und die Errichtung des
Berliner Opernhauses mache, und nach dein Zustand seiner G�rten forscht, da begr�ndet er diese Fragen mit der
Erkl�rung: �Ich bin darin ein Kind; das sind meine puppen, mit denen ich mich unterhalte."
Es war gleichsam wie Heimweh, das den A�nig packte und ihn mit dem Wunsche nach Frieden erf�llte.
Und dieser sehns�chtigen Fricdensstimmung verdankte auch eine an Jordan gerichtete Ode aus dem Juni ihr
Entstehen, die mit den seltsamen Worten beginnt: �F�r die A�nste war ich geboren", und in der er, wieder wie in
der Epistel von das Schicksal anklagt, das gegen seinen Wunsch ihn gezwungen habe, die Weltb�hne zu betreten
und voller Verblendung dem Ault des Ruhmes sich zu weihen.
Neben diesen halb pathetischen, halb philosophisch angehauchten Betrachtungen fehlte es in dem Briefwechsel
dieses Jahres auch nicht au heiteren Zwischenspielen, so, wenn Jordan in k�stlicher Nachahmung der Anpreisungen
eines Marktschreiers berichtet: �Ich habe Eurer Majest�t eine gro�e Nachricht zu melden, eine interessante Nachricht,
eine Nachricht, dergleichen es auf Erden nicht gibt, uud die auch die Sterblichen nicht verursacht haben, eine Nachricht,
die uns aus erster Hand kommt, und die die Aufmerksamkeit aller derer reizt, die sich f�r Neuigkeiten interessieren.
Seit drei Tagen zeigt sich n�mlich am Himmel ein gro�er Aomet mit einem Schweife, der denen, die feinen stolzen
weg betrachten wollten, fchon drei oder vier Erk�ltungen eingetragen hat. Die Ansichten �ber die Wirkungen, die
er hervorbringt, oder �ber die Zuf�lle, die er ank�ndigt, sind geteilt. Die einen halten ihn f�r ein b�ses Vorzeichen
und glauben, er sei nur gekommen, um das Rriegsfeuer in ganz Europa zu entz�nden; andere hingegen sind so
h�flich, ihn als gl�ckverhei�end zu deuten. Das einzige, was ich f�rchte, ist, da� er mit einem Schlage seines Schweifes
die ganze Herrlichkeit unseres armen Erdballs �ber den Haufen wirft." Der gleiche Aomet zeigte sich auch in Wien.
Er werde dort, so erzahlte Friedrich in einem Schreiben vom M�rz, als gl�ckliches Zeichen angesehen. Jedoch,
setzte er hinzu, nicht im Himmel, sondern auf Erden m�sse man die Horoskops stellen: �Nach guten, zur rechten Zeit
1 2. April 5742 (vgl. ?uvres 57, ,56 und auch 22!). � 2 �gl. ?uvres (7, ,5y. 551. � 3 Vgl. ?uvres ;?, ;qq.
�
4 Vgl. ?uvres ;?, 58?. 194. ?!6. � � l?gl- ?uvres \7, 222f.
�
a Undatiert, doch dem Jahre (7^2 angeh�ng, wie aus den weiteren,
in dem Schreiben enthaltenen Nachrichten sich ergibt (?uvres \if f.).
        
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