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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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ankommen sehen." War sich Jordan auch des Unterschiedes zwischen einen� Philosophen und dem �Philosophe-
guerrier", wie der K�ms selbst sich gelegentlich nannte i, wohl bewu�t, so f�hlte er sich dennoch durch seinen Spott
verletzt und trug kein Bedenken, es offen auszusprechen. �Sirc," so erwiderte er 2, �ich habe den Brief erhalten, mit
dem es (Eurer Majest�t gefallen hat, mich Zu beehren; es ist der erste, der mir schmerz bereitet hat. Ich danke ihn
meinem schlechten Stern. y/ Zu feiner Rechtfertigung f�hrte er an; �Ich habe das ?ager erst verlassen, als
Eure Majest�t es mir befahl; habe ich irgend ein Gef�hl der Furcht gezeigt, so ist das ein Beweis, da� ich mehr
nat�rlich als klug gewesen bin." H�tte er auch seine Schw�che verbergen wollen, sie w�rde gleichwohl den scharfen
Augen des ll�ntgs nicht entgangen sein. Seine Antwort 8 datierte Friedrich:
Ail5 dein verschanzten tager Don Mollwitz,
Dem Orte, wo der M�rser, die Haubitz',
JOo das Gewehr und die Kanone kracht,
�Po Jordan aus dein staube sich gemacht.
In Versen fortfahrend rief er erstaunt aus: Vie, Jordan habe den leichten Scherz ernst genommen? er h�tte
geglaubt, ihn anders Zu kennen, und bedaurc, sich get�uscht zu haben. Dann aber bemerkte er ausdr�cklich, s�ndige
auch der Geist, das Herz habe keinen Teil daran: �was mein Herz angeht, es ist unschuldig."
Wir d�rfen sagen, da� in gleicher Weise es beiden zur Ehre gereicht, Jordan, da� er offen bekannte, da�
ihn Friedrichs Scherz verletzte, und dem N�nig, da� er ohne Z�gern erkl�rte, da� es nicht in feiner Absicht gelegen
habe, dem Freunde wehe zu tun. Freilich, so leichten Aaufes lie� dieser Charles Etienne nicht ziehen: immer wieder
erscheint der �Hasenfu�" in den Briefen an den Freund, und noch in einem Gedichte des Sp�therbstes das in
launiger Weise Jordans Seelenwanderung schildert, wird als k�nftiger Sitz seiner Seele ausdr�cklich der L�we, wie der
Adler ausgeschlossen.
Aber nicht nur im Feldlager f�hlte sich Jordan unbehaglich, sondern auch in Schlesiens Hauptstadt, die er
bald sein �Exil" taufte 2; mit Sehnsucht verlangte es ihn Heini nach Berlin. Und so m�nden alle seine Briefe der
n�chsten Wochen in dem Refrain, der auch in einem kleinen Gedichtchen von mehreren Strophen jedesmal wiederkehrt:
Der A�nig m�ge ihn nach Berlin ziehen lassen. Aem Mittel bleibt unversucht, jeder Beweggrund wird vorgebracht,
um diese Erlaubnis zu erwirken. Seine zarte Gesundheit, Gesch�fte, nahe Friedensaussichten, sogar sein reformiertes
Bekenntnis, das in Breslau verp�nt sei, f�hrt er ins Feld, und freim�tig erkl�rt er dann geradezu: nie sei er ein
H�fling gewesen; warum solle er die Wahrheit verhehlen? �Ich langweile mich in Breslau, da ich Surer Majest�t
nicht aufwarten darf, und da ich meine Bibliothek entbehre." Allein der A�nig war nicht gewillt, sogleich seinem
Wunsche stattzugeben. Und Charles -Etienne mu� sich nun gefallen lassen, da� Friedrich ihm entgegenh�lt: Jordan
spr�che so viel von Philosophie � angesichts der Gefahr solle sich sein gepriesener Stoizismus bew�hren. Sein Wunsch
nach R�ckkehr wird ihm als taune ausgelegt. Die Unbest�ndigkeit, die den Franzosen charakterisiere, sei auch sein
Erbteil; selbst im Paradies w�rde er der Abwechselung halber nach der H�lle verlangen. Auch der alte Vorwurf
der �Hasenf��igkeit" taucht in diesem Zusammenhange wieder auf; denn keine andere Arankheit als eben diese plage
ihn. Ja, Friedrich spricht endlich sogar von �kindischer Ungeduld".^
In dem ber�hmten Uebungslager von Strehlen, wo der A�nig seit der Einnahme von Vrieg stand und wo
er seine Aavallerie exerzierte, besuchte ihn Jordan ein zweites Mal. Auch hier versuchte Friedrich vergeblich, den
Widerstrebenden an sich zu fesseln. Am August, dem kaurentiustage, bem�chtigten sich die preu�ischen Truppen
mit keckem Handstreich der Stadt Breslau. Als Charles -Etienne am dort wieder anlangte, schrieb er an
Friedrich, man erwarte ihn seit mehreren Tagen, und man w�rde ihn empfangen, wie die Juden den Messias,
w�re dieser gekommen."
'?uvres I?, H9.
�
s 8. Mai (7*1 (?uvres \i, \o&). � 8 Vom 9. Mai (?^ (?uvres 5?, 5N6f.). � * vom 25. Oktober *7
    
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