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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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Kehren wir nun zu den Ereignissen des Krieges zur�ck. In der Nacht zum 9. 2?�d?3 \7$\ w�rbe Glogau
mit st�rmender Hand und mit so geringen Vpfern genommen, da� der K�nig dem Freunde erkl�rte, diese Aktion
st�nde �einzig in der Kriegsgeschichte" da. Un6 er setzte hinzu: �wenn Du nicht augenblicklich mit mir zufrieden
bist, wirst Du es niemals fein; denn so wahr es einen (Sott gibt, ich tue, was ich kann."^ Binnen einem Monat
folgte dieser ersten die zweite gro�e 2Daffentat. Den bevorstehenden Zusammensto� mit dem feindlichen Heere imFelde
k�ndigte Friedrich seinem Getreuen an: �sieber Jordan, wir werden uns morgen schlagen. Du kennst das kos der
Waffen; das teben der K�nige wird nicht mehr respektiert als das der Privatleute. Ich wei� nicht, wie es mir
ergehen wird. Vollendet sich mein Geschick, dann gedenke eines Freundes, der Dich stets z�rtlich liebt; verl�ngert der
Rimmel meine Tage, so schreibe ich Dir morgen, und Du wirst unseren Steg erfahren, kebe wohl, lieber Freund;
bis zum Tode werde ich Dich lieben." 2 w�hrend er so von dem Freunde Abschied nahm, empfahl er in einem
gleichzeitig an den Thronfolger gerichteten Briefe 8 ihm namentlich Jordan, fowie alle, �die er in feinen: Teben am
meisten geliebt habe". Die Entscheidung siel am April bei Nlollwitz zugunsten der preufen. Die Siegesbot-
schaft an c?^arlcs^t?tienne, der damals schon in Breslau weilte, ist leider nicht erhalten, sondern nur der Brief, den
diefer am Tage nach der Zchlacht dem K�nige sandtet �Ich war gestern in f�rchterlichen Aengsten. �Dir h�rten
Kanonendonner, wir sahen von der H�he der T�rme Pulverdampf: Das alles lie� uns ahnen, da� es zum Kampfe
zwischen den Armeen gekommen war. Diese Tatsache ward uns heut morgen best�tigt, und zwar auf eine f�r die
Truppen Eurer Majest�t unendlich glorreiche Weise."
Die Berufung Jordans nach Breslau, wo wir ihm soeben begegneten, scheint durch einen seiner Briefe selbst
veranla�t zu sein; denn als Friedrich, der Ende Januar auf einige Wochen nach Berlin gekommen war, ins Feld
zur�ckkehrte, hatte jener ihm geschrieben �Seit der Abreise Eurer Majest�t habe ich, meiner Treu, keinen Gedanken
mehr. Finsternis umschattet meinen Geist," Schon drei Tage darauf erging die Antwort des K�nigs^: �Mache
mir die Freude und komme mit Maupertuis zu mir; nimm den weg �ber Breslau und bleibe dort bis auf n�here
Weisung." Krankheit verz�gerte Jordans Aufbruch; aber auch erst, als Mollwitz geschlagen war und der K�nig zur
Belagerung von Vrieg schritt, befuchts ihn Charles �ktienne im kagcr. Indessen war feines Bleibens hier nicht
lange, er f�hlte sich inmitten des kriegerischen kebens nicht wohl, und so kehrte er bald wiederum nach Breslau zur�ck.
Auch Friedrich, so versicherte man ihm, werde nach der Eroberung von Brieg dorthin kommen und vor den Toren
der schleichen Hauptstadt sein Lager auffchlagen. Darauf anspielend erkl�rte Jordan in einem zierlichen Vierzeiler:
Sicher vor den grausamen Husaren und den �berraschungen des Krieges werde er seinen �chutzgott und seine ruhm-
reichen Fahnen sehen. Und er f�gte die warte hinzu: �Man sieht sie ruhiger, wenn man sie furchtlos sieht."'
Darauf erwiderte der K�nig am 6. Mai^ aus dem nach der Schlacht bezogenen Mollwitzer tager:
Ich schreibe aus dem sch�nen Seiger Vir,
Wo die Gefahr, der man begegnet hier,
Vie Tapferkeit auf ernste probe stellt,
wo zwanzigmal am Cage Vn im Feld
Erblickst des Kriegsgotts naseweise Sparen,
Die anderw�rts man wohl auch hei�t. Hufaren,
Wo Bomben, Batterie'� an allen Enden
A�f Brieg ein wahres H�ttenfeuer senden.
wir lebe� aber doch behaglich, still,
Wo alles uns den Tod verk�nden will.
311 diesem tager, das man schrecklich hei�t:
Ist doch nicht alles Gold, was gl�nzt und glei�t.
In Prosa fuhr der A�nig ironisch fort: �Aus all den sch�nen Dingen, die ich die Ehre habe, Ihnen
zu sagen, sehen 5ie, mein Herr, da� inan auch zu Unrecht Furcht fassen kann: Das hei�t man, um nichts und wieder
nichts ein Hasenfu� (poltron) sein. Ich hatte mich bisher, aber grundlos, geschmeichelt, Ihre beseligende Erscheinung
zu genie�en; jedoch die Gefahren trennen uns so schnell, da� ich f�rchten mu�, 5ie nicht so bald zu besitzen." Nachdem
kurz der inzwischen erfolgten Uebergabe von Vrieg Erw�hnung geschehen, begl�ckw�nschte er Jordan, den hauptangriff
nicht miterlebt zu haben; �andernfalls", so spottete Friedrich, �h�tte man 5ie rittlings auf einer Vombs im Paradies
1 Vgl. ?uvres (7, 93 ((o, M�rz U^O* � a Schreiben vom 8. April ;?^; (?uvres I?, 98); wegen des Ichneewetters am 3.
verschob der K�nig den Angriff auf den \q. (vgl.Roser, ob. ;, 5. Jo5). � H vgl.?uvres, ?'b. 26, 5. 85.
� * Vgl.?uvres ;?, ysf. �
5 Februar (7-^( (?uvres *7,88).
� � ?uvres (7, 89. � 7 2,Mai (7^ (?uvres (7, \O2),
� 8 ?uvres (7, (O^f.
y�henz�ll�tN'^ahibuch 19�. 2g
        
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