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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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s�chsischen Staatsminifter Grafen Manteuffel, mit Charles-Etienne Bekanntschaft zu machen und sein Urteil ihm zu
sagen. Die Folge war, da� Friedrich Jordan zu sich berief. 3n einem schreiben vom \5, August J736 begegnet
uns dieser zum erstenmal in den Briefen Friedrichs: er wird unter denen aufgef�hrt, die zu seinen Hausgenossen z�hlen
sollten.^ m September trat er sein Amt an. 2 Ueber den ersten Eindruck, �?n er hervorbrachte, hat schon wenige
Wochen sp�ter die Kronprinzessin Elisabeth -Christine berichtet^: �Es ist hier ein Gelehrter, namens 3 an der viel
Geist und Wissen besitzt; was er sagt, entz�ckt mich; er i�t immer mit uns, und es ist ein wahres Vergn�gen, ihn
sprechen zu h�ren. ?r wei� �ber alles 511 reden und gibt �ber alles, wovon er spricht, eine richtige Vor-
stellung. 2TUt der Zeit wird er ein ber�hmter Mann werden." Seine �u�ere Erscheinung schildert uns Vielfeld
der selbst Mitglied des Rheinsberger Rreises wurde: �Jordan ist klein, aber wohlgebaut; seine Physiognomie ist
angenehm, das Auge �u�erst lebhaft, Me Gesichtsfarbe ist dunkel, un& seine starken Augenbrauen sind ebenso
schwarz wie sein Haar."
�o gering auch die Zahl der Vriefe ist, die Friedrich in den Jahren bis zu seiner Thronbesteigung an
Charles-Etienne gerichtet hat, so gen�gen sie dennoch, um uns einen anschaulichen Vegriff von ihrem Verh�ltnis
und den herzlichen Beziehungen zu geben, die zwischen ihnen sich kn�pften.
lieber Jordans T�tigkeit erfahren wir zun�chst, da� er Me Briefe und Dichtungen des Kronprinzen 511
kopieren und dar�ber hinaus zu kritisieren hatte; bannt wurde er zum Vorg�nger Voltaires. �Jordan, Du wertes
skeptisches Atom mit Deinen tuchsaugen und Deiner unerbittlichen Kritik, den das Vichtervolk mehr f�rchtet als
die Sphinx in Theben", so apostrophiert ihn Friedrich in einem gereimten Begleitschreiben zu einer f?t Voltaire
bestimmten poetischen Sendung, und er gibt ihm den Auftrag, diese zu feilen und 511 verbessern; gleich dem R�mer,
der lautlos seine Hand verbrannte, will auch er gleichm�tig die erbarmungslose Zerst�rung feines Werkes ansehen.
Oder, wie er ein andermal, gleichfalls in Versen, schreibt 5;
Jordan, mein Antiker und mein Kopist,
Ver stets Vu auf der Fehler F�hrte bist,
Ein guter Jagdhund, stets auf Fehler sp�rst,
)ch bitt' Dich, da� Hu diese korrigierst,
vernichtest, streichst, die Verse dann kopierst.
Vie unter ducs Velbaums jungem (Trieb,
IV eine Itlufe mir gebot, ich schrieb.
Verse begleiteten denn auch bas Geschenk, bas er im Xtlai J738 dem Freunde sandte. Ganz allgemein an
k�nstlerische Fragen ankn�pfend, beginnt er:
forban, ein guter Maler und Poet
Ist nur, wer es mit Gl�ck und Kntift versteht,
In allen seinen Werken uni� Gestalten
Die Z�ge feines Vorbilds festzuhalten.
Gebot ist, da� der Maler richtig sieht
Des Vorbilds Haltung, Z�ge, Kolorit
Uno was Natur uns sonst noch hat verliehen.
Der Dichter mu� den leeren Wortschwall fliehen.
Geschickt die richtigen Attribute w�hlen,
vor allein mu� er klar und knapp erz�hlen.
Der Dichter sei mit Urteilskraft bedacht;
Der sich're Vlick ist's, der den Maler macht.
An zahlreichen Beispielen wird in, folgenden erl�utert, da� jeder Gegenstand in charakteristischer, seinem
innersten U)esen entsprechender Weise zur Darstellung zu bringen sei. Und so f�hrt der Dichter fort, damit zum
Hauptthema �bergehend:
Sorgt, da� die Haltung und der Ausdruck wahr!
Grasmus, Jordan stellt beim Studium bar,
Mit aufgest�tztem Ann, bas Auge lebend,
Der Geist hoch �ber allem Irdfchen schwebend.
Da er nach klugem Worte sinnend schweift,
Die Hand, zu Feder, Tintenfa� sie greift �
Zum Tintenfa�? Schweig, INuse, still! Genug!
Freund Jordan, liebenswert, d'iZkret und klug,
Mehr als Erasmus, aber auch zugleich
An irdischen� besitz weit minder reich
�
Du hast nur V�cher, die der Wurm zerfra�,
Nicht Herd noch Ha�5 und selbst kein Tintenfa�.
So kann ich nicht Dein Schreibzeug lobend preisen;
Die Nachwelt ro�rb 1 es eine l�ge hei�en.
Doch Deine Tugend feiernd bring' ich dar,
Was Pluto lange schon Dir schuldig war.
1 Vgl. ?uvres, 23b, lh, S. 277. � 3 Vgl.�?uvres, Bd. 7, 3. 6. � 'In einem Briefe vom 5. Oftober 
    
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