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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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sie nach l^anisel gekommen sei; war sie von ihrem Aufenthalte in Verlin, wo wir ihr auf dem Hochzeitsfeste der Prinzessin
IVilhelmine begegneten, erst jetzt, vielleicht auf Friedrichs vorigen Vrief erst, zur�ckgekehrt? Er dankt ihr weiterhin f�r
�charmante Verse", die sie f�r ihn gemacht und ihm �gestern" �bergeben habe; war der Prinz am 9. inTamsel gewesen?
H�ren wir nunmehr, tuas er in seinem Briefe der �sehr lieben Cousine" mitzuteilen hat; denn noch einmal
redet er fie so, gleichwie zu Beginn ihrer Freundschaft, an. Er bekennt, S�n�e w�re es gewesen, h�tte er, wenn auch
nur auf einen Augenblick, um den Zauber ihrer Unterhaltung sich bringen wollen; daher habe er ihre �charmanten
Verse" in der Tasche behalten, um sie erst �in abendlicher Einsamkeit, ungest�rt von aller Welt, zu lesen und zu
bewundern". �Ich kann nur wiederholen," so ruft er aus, �da� alles, was von Ihnen kommt, mich durch Geist und
Grazie entz�ckt." Jedoch er bricht ab: �Ich sehe Sie schon im Geiste err�ten, und um Ihrer Bescheidenheit jedes
Verlegenwerden zu ersparen, will ich von etwas Anderein sprechen, und so sende ich Ihnen als neuen Veweis meines
blinden Gehorsams, was Sie von mir gefordert haben." Es war sein !Niniaturbild, von dem wir bereits h�rten, und
das er ihr nun in der Hoffnung �berreicht, sie werde dadurch bisweilen an ihn erinnert werden und alsdann sagen:
�Es war im Grunde ein guter Junge, aber er wurde mir zum Ueberdru�; denn er liebte mich allzu sehr und brachte
mich mit seiner unbequemen Siebe oft in hellen Zorn." Geschenk und Brief waren von einem Abschiedssanett
begleitet, in welchem �r noch einmal feinen Empfindungen feurigen Ausdruck leiht, um dann �schmerzvolles schweigen,
stilles Martyrium" zu geloben:
als mein Gesandter soll mein Vild Vich gr��en,
Und des Gesandten Dolmetsch sei dies ?tc�>,
Was ich zu sagen Dir bisher vermied,
Ich sag' es nun; Ich liege Dir zu F��en.
Dodj halt, o lied, verrate nicht Zuviel,
Verberge lieber Minier (icit'rcm Sptef
Den Sd}met$ i>cs Abschieds und des Herzens Wunde,
verberge Veiner w�nsche liebstes Ziel,
verschweige, da� nur (Eine 3ir gefiel,
Um die Du sterben m�chtest jede stunde.'
Ich trage Fesseln, aber jene s��en,
lion denen nie ein �7M3 freiwillig schied, �
Mit jedem Ringe, jedem neuen Glied
w�chst nur die tust, 311 tragen und Zu b��en.
Unter dem Vorwand, da� er nach dem bei A�strin gelegenen Tornow ginge, um von der dortigen Glash�tte
einen Anschlag zu machen, begab sich Friedrich am 1^3. Februar nochmals nach Tarnsel.^ Allein, trotz der kurzen Frist,
die ihn von seiner Abreise nach Verlm trennte, trotz des Abschiedes, den er in dem Sonett und darauf am 1^3. von
tuise? Eleonore genommen, scheint er sie noch ein letztes Mal gesehen zu haben. Denn unter ihren papieren findet sich
noch ein vom 22. datiertes Dokument, das sie allein aus seiner Hand empfangen haben kann, steht es doch inunmittel-
barstem Zusammenhang mit seiner Verlobung.
Ivir h�rten schon, da� der A�nig am 25. Mai l.75^ zum erstenmal von seiner Verm�hlung sprach. Als
Grumbkow im Juni nach R�strin kam, teilte er dem Prinzen die drei Prinzessinnen mit, die ihm zur Wahl gestellt
werden sollten.^ Aber erst nach der Hochzeit der Prinzessin Mlhelnn'ne kam auch die Frage seiner Heirat in rascheren
Flu�. Die verschiedenen Projekte, die Friedrich nun seinerseits schmiedete, �berZehen wir. Genug, da� Anfang
Februar ;?22 die entscheidende Wendung eintrat. Entgegen der fr�heren Zusage bestimmte Friedrich-Wilhelm I.durch
k�niglichen Machtspruch die Prinzessin Elisabeth -Christine zu seiner Gemahlin.^ Der Prinz wagte keinen offenen
'
vielleicht beziehen sich auf diesen Vesuch in Tamsel die Worte des Prinzen, der in den letzten Wochen an einem Flu�fieber
gelitten und das Haus geh�tet hatte, in dem schreiben vom 9. Februar (732 an den K�nig; �Nun wollte mich gerne etwas wieder an
die tust gew�hnen nnd werde etwas ausfahren" (vgl. ?uvres, Vd.2?, ?1},2, S, 55).
�
a Nach der dichterisch frei gestalteten �bertragung
Fontanes 372). In der Vorlage hei�en die letzten Seilen:
Laisse donc deviner ce que tu n'oses dire,
Et garde-toi surtout de ne parler d'amour,
De dire que tu aimes et aimeras toujours;
Mais, puisqu'il faut mourir, meurs, celant ton martyre.
8 Vgl. daf�r die Berichte Friedrichs an den K�nig vom \2. und (G., sowie &en W�lben* an Grumbkow vom {2.Februar (732 (?uvres,
Bd. 27, Ch. 2, S. 56f. und Aoser, �Kronprinz", 5. 252). � *Vgl. F�rster, Vd. 2, S. 75. �
� Vgl. bas Schreiben des ASnigs vom
5. Februar V�32 an Friedrich (?uvres, Vd.27, Th. 3, S, �3f.).
        
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