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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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verdiene. Trotz feines �Linwands, da� ihre Sch�nheit allein schon ihr i�en lauten Beifall des Erdballs erringe, gebot
ihm die Muse, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen, und zwar um des erh�hten Eindrucks willen in gebundener
Sprache. Vie neuen 3e�>enfen, die er darauf abermals erhob, schnitt fie mit den Worten kurz ab: �Ich wei�, da�
deine schwache Stimme nicht der Gr��e des Gegenstandes, den du besingen willst, gewachsen ist; ich will dir helfen,
nimm deinen Griffel und schreibe." Und so habe er dann unter dem Diktat der 2Uufc die �Stanze" geschrieben:
Von Deiner Sch�nheit Reiz berilckt,
Von Deiner Verse Runst entz�ckt,
Kenn', Iris', ich, ich schw�rt, kein Grauen,
lient ich nicht trotzte, Dich 311 schauen.
Mit Beinen Angen zwingst Du alle Herzen Dir --
So r�hmt sie alle Welt als fioles Sietjspaniev.
Einen deutlichen Widerhall ihrer letzten poetischen Antwort bildet die Zweite, die Schln�strophe:
Da Du es Dir gemacht zur Pf?irfjt,
Ver Tugend strenge Regeln nicht,
Du strenge Sch�nheit, zu vermehren,
Mu� ich aufs h�chste Dich verehren.
Da Tugend feiten nur mit Sch�nheit steht im ?Um&e,
Sing' Hob und preis !ch Dir heut und 311 jeder Stunde.
An dieser Stelle ist, gleichsam als Intermezzo, ein Vrief Friedrichs einzureihen, den er an die Frau Gbristin
von Sch�ning, die Mutter Tuise-Gleonorens richtetet Er ist der letzteren in Verlin auf einer Festlichkeit bei Hofe
begegnet; aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um die Verm�hlung der Prinzessin wilhelnnne mit dem Erb'
Prinzen von Va>'rcuth am 23. November 1.73^. Frau von Sch�ning war bei ihren Enkelkindern geblieben; wenigstens
des j�ngsten C�chterchens, der kleinen Sophie wird gedacht. ,^ch habe das Vergn�gen gehabt," so beginnt
der Orinz, �Ihre Frau Tochter in Verlin zu sehen; ich sah sie, Madame, konnte ihr aber kaum mehr sagen als
Guten Tag und Lebewohl, Jedoch wei� sie, da� Sie und ihre Tochter sich wohl befinden." Vann stimmt er einen
wahren panegynkus auf Tuise- Eleonore an: �Sie �berstrahlte alle Damen des Hofes, und obwohl eine ganze Schar
von Prinzessinnen zugegen war, die sie an �u�erem Gl�nze �bertrafen, so verdunkelte Ihre Frau Tochter doch alle durch
Sch�nheit, majest�tische Miene, durch Haltung und gute Sitte. Tantalusqualen stand ich da aus; denn stets war ich in
Versuchung, zu einer so g�ttlichen Person zu sprechen, und dennoch stets zum Stillschweigen verdammt. Miteinem Worte,
ihre Sch�nheit triumphierte �ber alle, die aus Nord und West gekommen waren, und der ganze Hof entschied ein-
stimmig, da� Frau von wrecch den preis der Sch�nheit und feinen Sitte davontrage." Nochmals versichert er Frau
von Sch�ning seiner Teilnahme an allem, �was dieser charmanten Familie zugeh�rt", um dann, den alten Scherz von
Vetter und �Cousine" auffrischend, sich zu unterzeichnen als ihr ergebenster �Freund, Neffe und Diener Friedrich".
Anfang Dezember kehrte der Prinz aus Verlin zur�ck; allein sein Aufenthalt inIl�strin neigte sich dem
Ende zu. Dieser Zeit geh�ren die beiden letzten Vriefe Friedrichs an. Alle Welt, so ruft er in dem ersten aus,
1 So pries Friedrich auch die Prinzessin wilhelmine in der im Mai \75\ an sie gerichteten �be als �Iris" (vgl. Berner,
Deutsche Monatsschrift, Iahrg.II, 5. 90^), toie spater inRheinsberZ Fr�ulein von Walmoden, die Hofdame bec Kronprinzessin (vgl. ?uvres,
Vd. H, S. 30). � 2 Abgedruckt: Ouvres, Vd. 56, S. (7f. (undatiert). Diehandschriftliche vergleichung mit den Briefen an Frau von wreech
lehrt, da� bas Ichreiben an Frau von sch�ning in die gleiche Zeit wie jene geh�rt. Va Friedrich damals nur bei der Verm�hlung der Prinzessin
wilhelmine in Berlin weilte, ist es jedenfalls unmittelbar nach derselben abgefa�t. Dem widerspricht nicht die Erw�hnung der (mit
Namen nicht genannten) Tochter luife=(EIeonorens. Es handelt sich dann eben nicht um die am 27. Mai (?32 geborene Karoline, fondern
um die zweitj�ngste Tochter, die am 2ss.Mai (730 geborene Hovhie�Friederike. Uebrigens irrt Fontane (5,3gof,), wenn er mit Berufung
auf das K�ftriner Kirchenbuch, in welchem Raroline fehlt, eine Iahlenverwechselung annimmt und daraufhin die Nachricht von der Geburt
einer Tochter imMai |732 verwirft;denn Karoltnens Existenz ist anderweit bezeugt (vgl. den Briefwechsel der Gro�en tandgr�fin Karoline
von Hessen, hrsg. von Walther, Vd.I, ?.97. 3sof.; Wien (877; Berner und VolZ, Aus der Zeit des siebenj�hrigen Krieges, Quellen
und Untersuchungen zur Geschichte des Hauses 61130 Hern, Vd. 9, 5. 1^3. Berlin (90s). Aus dem Schweigen des A�striner Kirchen-
b?ches ist vielmehr 311 schlie�en, da� sie ebensowenig inTamsel das licht der Welt erblickt hat, wieihre beiden j�ngeren Vrlider, Don denen,
laut Anschrift auf ihren S�rgen, Friedrich �Wilhelm inBerlin und Ludwig inKyri^, der Garnison des Daters, geboren ist.
� � Abgedruckt:
?uvres, Vd. 5�, T. yf. (undatiert).
        
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