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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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pers�nliche F�rbung an. Seine Neigung steigert sich zu feuriger Leidenschaft. �e erreicht ihren H�hepunkt in einer
f�rmlichen Liebeserkl�rung, die er, nach einer Begegnung in A�strin, ihr macht. Daf�r w�hlte er die poetische Form;
ohne VeZleitwort �bersandte er die �Vde"l; sie lautet in deutscher �bertragung:
Hab' ta) zuviel gesagt? Hetz' meiner K�hnheit Schranken!
Ich schwieg ja damals still, gefesselt die Gedanken,
In Anschau'n ganz versunken, a?s ich Dich hier sah;
Denn einer G�ttin gleich erschienest Du mir da.
So nimm, o Herrin, nimm ein Herz, das, allzu zart,
In Heller Ungeduld nur der Erlaubnis harrt,
Dich oft zu sehen, oft Dir huldigend zu nah'n,
was noch 311 dieser 5tun&' es z�gernd nur getan.
Jede Minute z�hl' ich, jegliche Sekunde,
Da� die Entscheidung ich vernehm' aus Deinem Munde,
Und handeln willich dann, wie Du es mir bestimmt.
Mein Schicksal furcht' ich nur, es ist auf mich ergrimmt;
Doch mag es feindlich mir bereiten Not und Pein.
(Trot; allem wirst Du seh'n, ich kann auch standhaft fein.
Sollt' schlechte Botschaft auch von Dir ich jetzt empfangen,
Am letzten Ende mu� Geduld zum Sieg gelangen.
Zuviel schon sagte ich, von Leidenschaft verf�hrt;
Ich f�rchte sehr, ich Hab' Dich gr�ndlich ennuyiert.
Doch glaube mir: mein Herz, Don Dir erf�llt und rein,
tEs wird unwandelbar und stets das gleiche sein.
Erlaub' es, Herrin, da� ich sende diese Zeilen,
Um diese Wahrheit Dir vertraulich mitzuteilen:
Seit ich Dich Hab' gesehn, dahin ist meine Ruh,
Du bist der Gegenstand, un& dessen wert bist Du.
Mein Herz hat es gesp�rt, es traf 311 gut der Pfeil,
Die Freiheit ist dahin, und Knechtschaft ist mein Teil.
Obwohl mit jeder Stund' ich reife mehr zum Mann,
Sieht dennoch alle Welt es nur als schw�che an.
Doch was man Schwache hei�t, ich m�cht' sie h�her preisen
Als jene Herzen, hart wie Fels und Stahl und Eisen.
Und wenn man S�nde es und schlimmer nennen wollt',
Du bist die S�nde wert; denn Du bist allzu hold.
Ich f�hle, da� ich selbst nicht f�hig bin zu fagen,
wie meine Pulse, ach, f�r Dich allein nur schlagen.
Ein Gl�ck ist es, und ist ein Ungl�ck auch, 311 lieben:
Vald will die ?iebe uns beseel'gen, bald betr�ben.
Sei Du mein Schicksal, rei�' mich aus der Quai, der bangen ;
Denn nur aus Deiner Hand will ich mein ?05 empfangen.
Dein Sklave will ich sein, in Deinen Vanden schmachten
Und nie nach andrem ?05, nach andrem Titel trachten.
Frau von lVreech s�umte nicht mit der Antwort 2, in der sie den Prinzen zuerst als �Gro�en Friedrich"
angeredet hat. Hie schrieb
welch Wunder trug sich zu? Was ist's, bas sich begab?
Der Gro�e Friedrich w�r's? er steigt zu mir herab,
�eftngt in fiebern mich und fordert mich zum Streit?
Antworten seinem kied war' wie Verwegenheit;
Ich kann es nicht, nein, nein, Verwirrung fesselt mich,
So da�, was ich auch schrieb, die Feder wieder strich.
Wohl Hab' ich oft geh�rt, an diesem, jenem Vrt:
wer nur im Herzen f�hlt, dem gibt sich auch das Wort;
Doch trat1 ich keck zum Kampf mit Dir, Erhab'ner, ein
Unb wollte Dich besteh'�, ich m��t' Dein Echo fein.
Hch ehre, was Vu tust, und sei es auch ein scherz,
Der, wagt' ein andrer ihn, mir krankte schwer bas Herz;
Denn beuten m��te ich in einem andren Sinn
Die Worte, die Du schriebst leicht und gef�llig hin,
Wie Du 'Z allein verstehst. 5o Hab' ich des nicht leid,
Ist doch huldvolles Wort der Hoheit sch�nstes Kleid,
Und so erkenne ich: der Grazien sch�ne Hand
Gestaltete zum ticd, was Deine Huld empfand.
Allein ihr Uebenna� geht �ber meine Sph�re;
was mir zu fagen bleibt, ist, da� ich Dich verehre
Auf diesem Erdenrund als treuste Dienerin.
wirf gn�dig Deinen Vlick auf dies Grdichtchen hin:
Im Stegreif ist's gemacht, auf Dein Gebot, zu zeigen,
Da� ich gehorsam bin, statt, wie ich w�nscht', zu schweigen.
Und spricht mein kunstlos Lied Dir mein Gel�bnis aus,
Indem es treu mir half, mitschuldig ist mein HauL.^
Indem sie den Abstand betonte, der von dein jungen N�nigssohn sie trennte, indem sie dann dem jungen
Werber offenbarte, da� ihr ganzes Haus, also auch ihr Gatte, in das Geheimnis seiner kiebe eingeweiht sei und ihr
sogar dabei geholfen habe, die poetische Antwort aufzusetzen, wehrte sie dem allzu st�rmischen; sie zog ihm mit feinem
Takt die Grenze, die Friedrich, wie aus seinem n�chsten poetischen Sendschreiben � hervorgeht, nun auch seinerseits wahrte.
Auch dieses kn�pft wiederum an ein Beisammensein mit der Dame seines Herzens an. Er improvisiert einen
Spaziergang an den Ufern der Vder; seine Gedanken weilen noch bei dem �gestrigen Feste", wo sie feine Partnerin
gewesen, er tr�umt von ihrer Sch�nheit. Va h�rt er seinen Namen rufen und erblickt in einem nahen Geb�sch die
Muse Urania. Diese schilt ihn, da� er nur in der Ciefe seines Herzens r�hme, was vor aller A>elt tob und f)reis
1 Abgedruckt: ?uvres, Vd. *6, S. 52. Vgl. dazu S. (93 Anm. 5, � 2 Abgedruckt: ?uvres, Vd. \a, 5, (3, Die �R�ponse"
steht in &er Vorlage auf der R�ckseite der �Gde". � a Vgl. dazu Fontanes UebersetzunZ (5. 376), die zugrunde gelegt ist. � * Die letzten
Seilen der �R�ponse" lauten in der Vorlage:
Et si ces lignes ici de tout art d�pourvues
Osent mettre ? tes pieds de mes v?ux les complices,
C'est toute ma maison qui y a concouru.
* Abgedruckt: ?uvres, Vd. S. (3f, (undatiert).
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