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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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Sie h�lt sich f�r sehr sch�n trotz Runzeln und trot? Falten,
Und schw�rmst Vu sie nicht an, so ist fie ungehalten.
Auf Rang und Stuten pocht sie stolz, und f�r ihr leben
M�cht' ihre vorfahr'n sie bis in den Himmel Rebell,
Und doch wei� jedermann, wie damit es schaut aus,
Und da� sie doch mir stammt ans ganz obskurem fjaus.
XVas nach den Reiz erh�hl, ein aallichtes Gem�t,
von Hochmut ganz erf�llt, die Sch�nheit schon verbl�ht �
Anstatt sich selber still und friedlich zu bescheiden,
Mu� sie die st�rkste petit, ja H�llenqualen leiden.
Das ist des kasters lohn: es windet sich imb st�hm
Vor ew'ger Marterqital, wer leidenschuften fr�ljut.
Darauf wendet sich Friedrich zur zwnt.cn, zur Gattin seines Hofmarschalls, -Johanna von Ivolden.
Sie hie� noch in sp�teren Zeiten �La pr�cieuse* 1,und der Prinz selbst hat imApril 1,733 dem General von Grumbkow
scherzhaft berichtet, wie sie unter den Ruppiner Damen Hof hielt.' Nach dem Urteil des datons von Vielfeld 2,der
sie dann in Rheinsberg sah, vereinigte sie k�rperliche Grazie und Anmut &es Geistes; ihre Gegenwart, so meinte
dieser, habe wesentlich dazu beigetragen, den Reiz der dortigen Geselligkeit zu erh�hen. 3 der �Epistel" erlag sie
freilich dem Spotte Friedrichs, der, von der Vbsrstin ?bei:ts zu ihr �bergehend, also schreibt:
Kaum, da� nur diese aus den Augen uns verschwunden,
Hat sich auf ihrem Platz die n�chste eingefunden,
Die, weil ihr Herz von Neid und Eifersucht erfa�t,
Um eine andre sich das Leben macht' verha�t.
Rang, ihr Geist und Witz und ihrer Sch�nheit prangen,
Das hielt die Anne ihr gleichwie in Rausch umfangen.
Sie glaubte, alle Welt stand' hinter ihr zur�ck;
Doch fluchte tausendmal fie dann den� Augenblick,
lia �sch�ne Reize" und ein �g�ttlicher Esprit"
In gl�nzendem Triumph verdunkelten auch sie.
Sic raste, jammerte, wollt' beraen ihre Sd^ani� 1,
Hoch jeder wu�te ja, wie'? wirklich mit ihr stand,
wie einzig sie bestrebt, 3� schw�rzen �berall
Die strahlende, durch die sie selber kam zu Fall.
�G, diese liebt rein nichts", rief fie, �nicht Tanz, noch Spiel,
Jiir ihren Schmuck 1111b pn^ ist ihr kein �Yeld zuviel,
Sprichst Du mit ihr, wirdf�t T)i�f gr��lich ennuyieren;
Seim Klciitftcu,�berall f?nb'ft Du zu kritisieren,"
Gleichwie filles Charakteristik, belegt Friedrich auch diese Schilderung von Frau von tVoldens Gl�ck und
Ende mit einzelnen (Erl�uterungen: �Sie ist sehr neidisch und eifers�chtig auf die Sch�nheit der anderen. Sie hielt sich
lange Zeit f�r die sch�nste unter den Damen dieses Landes. Sie wurde bitter entt�uscht, als fie Frau von wreech
sah, die, wie sie selbst gestehen mu�te, ihr an Sch�nheit und Talent �berlegen war. Sie verheimlichte ihren Kummer.
Um je6oc?? Rache zu �ben, unterlie� sie nicht, alles, was Frau von Ivrcech tat, zu kritisieren, obgleich es an dieser
nichts zu tadeln gab, und die Wendungen, deren ich mich bedient habe, sind w�rtlich die ihrigen." Indem der f)rinz
nunmehr dem Schl�sse zueilt und aus den �5pottwort?n" Frau von Woldsns die moralische Nutzanwendung zieht,
gibt er nochmals feiner Bewunderung f�r Luise Eleonore st�rksten Ausdruck. Sie kulminiert in dem Satze, den er
als Aandnote anf�gt: mit der Bezeichnung �Spottwort" wolle er die �falsche Antik" Frau von lVoldens gei�eln,
�die sich erk�hnen wollte, Fehler aussindig zu machen an einer Meistersch�pfung des Himmels".
Die moralische Tehre, die er an den Vetter richtet, lautet folgenderma�en:
Au5 diesen Spottworten lern' nun das Eine,
Da� man nur tadeln soll bas kastei-, bas Gemeine
Und, wo man Tugend sieht, sic achten und besch�tzen,
An Deinen Feinden auch, wenn Tugend fie besitzen.
Da siehst ein h��lich Vild, com Neide arg entstellt,
Well dem, der je dem Neid in feine H�nde f�llt!
Zu dem Tribute mns; die Tugend sich verstehen;
Denn nie wild sie dem Neid und der Kritik entgehen.
Du gro�er Gott, darf ein so schm�hlichez Gez�cht
Zn Frieden wohnen hier var beinern Angesicht?
Doch da es Gott erlaubt, la� sie m Frieden Hausen,
wir aber wenden uns non ihnen, Freund, mit Grausen.
Indem Friedrich so noch einmal die Schar seiner Vpfer mustert, schlie�t er mit Anlehnung an Iuvenal:
Indes, mas mich betrifft, mich reizen ihre Schw�chen;
wenn ich betrachte all die komischen Gebrechen,
Vrauch' ich das INusental, brauch' ich Apollo nicht;
Denn es begeistert mich ihr Taster zum Gedicht.
Die Uebersendung dieser �Epistel" an Frau von wrecch begleitete der Kronprinz mit den launigen Zeilen^:
�klamme. Vie Heuschrecken, die das kand verheerten, waren r�cksichtsvoll genug, Ihre Besitzungen zu verschonen.
Ein Riesenschwarm viel schlimmerer und gef�hrlicherer Insekten steht auf dem Punkte, sich bei Ihnen niederzulassen,
1 vgl.Roser, Briefwechsel mit Grumbkow, S. 60 und J05. � 3 Vo\. Vielfcld, �Lettres famili?res", Vd. I,5. 66 (Haag, *763). �
8 Abgedruckt: ?uvres, ob. \6, S. las. (undatiert). Als die poetische Seilage dieses Briefes hat der X^erausgeber Preu� irrt�mlich
die unten S. ;y5 mitgeteilte �Vde" an Frau von wreech aufgefa�t. Gegen diese Annahme spricht der �berm�tige Ton bes Briefes und
die Charakteristik, dieser Beilage als einer Satire, sagt Friedrich doch ausdr�cklich, da� die Verse �scharfe Z�hne" (des dents aigu�s) h�tten.
Oo[j*�3�ll�n'3 I^OB. 25
        
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