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Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : II Luise Elenore von Wreech; III Charles Etienne Jordan

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sie sendet, so d�rfen wir zweifeln, ob er ihm gegen�ber sich mit derselben schrankenlosen Offenheit aussprach, wie bas
Zahr zuvor zu Markgraf Karl. Gewi� ist bas Urteil des Prinzen in dem Schreiben von reifer und gerechter,
auch weniger einseitig a?s in der �Epistel", wo er nur zu tadeln wei�, aber ebenso sicher ist auch, da� diese Satire
seine derzeitige Stimmung getreuer wiedcrspicaclt. 2T�ag Friedrich auch durch Zurechtweisungen, die faille gelegentlich
ihm zuteil werden Heg 1, pers�nlich gereizt fein, es spricht aus der �Epistel" eins so ungeheure, geradezu an Ha�
grenzende Erbitterung, da� wir daraus unmittelbar auf feinen innersten Seelen5uftan6 w�hrend der Kiiftriner
Zeit schlie�en d�rfen, um so mehr, da auch in einem andern Gedichte aus dieser Epoche, in dem schon erw�hnten
�Hat an mich selbst", der gleiche Con angeschlagen ist. Dort ruft er warnend aus: �Gardez-vous toujours des
tra�tres" 3, und er gebraucht damit denselben harten Ausdruck, den er in der Satire direkt auf Hille anwendet.
3o legt diese �Epistel" unmittelbares Zeugnis ab f�r das au�erordentliche Mi�trauen, das Friedrichs Seele
erf�llte. Er sieht in seiner Hingebung, vor allem in Hille, nur Aufpasser, wei� er doch, da� er der Gegenstand
dauernder Beobachtung, fortw�hrender Berichterstattung ist, sowohl an den A�nig, wie an General Grumbkow^ der
zwar seit November sein Mentor in dem Konflikt mit dein Vater geworden ist, mit dem ihn aber nicht mehr
als nur eine Interesse nallianz verbindet.^ Er f�hlt sich seelisch vereinsamt. Schwester wilhelmine, seine treue
Gef�hrtin in guten und b�sen Tagen, der er r�ckhaltlos vertrauen darf, ist in Verlin; nur Vriefe kann er mit ihr
tauschen. Nm so enger hat er sich dem Vetter, dem Markgrafen Aarl, der, wie er wei�, ihm ganz ergeben ist und
dazu in leicht erreichbarer N�he weilt, angeschlossen; mit ihm hat er als Gefangener im A�striner Schlosse und
weiterhin bis zur R�ckkehr nach Verlin auf geheimem N)ege korrespondiert, den Plan des Vaters, ihn zu verm�hlen,
ihm mitgeteilt; ihn hat er auch in seine Neigung, die zu der holden Schlo�herrin von Tamsel ihn erf�llte, eingeweiht.
Jetzt nahm Friedrich kuise- Eleonore selbst als dritte in den kleinen Areis seiner Vertrauten auf, indem er, gleichwie
mit Wilhelmine und Markgraf Aarl, so auch mit ihr trotz des strengen Verbotes des Vaters in Korrespondenz trat,
vor allem, indem er ihr diese �Epistel" mitteilte.
Aber die Mitteilung dieser Dichtung war nicht nur der Vewew h�chsten Vertrauens, sondern auch ein Akt
pers�nlicher Huldigung; denn der letzte Abschnitt des Gedichts, dem wir uns nunmehr zuwenden, bildet eine satirische
Schilderung von A�striner Damen, die in der Apotheose Frau von wreechs ausklingt.
Vas erste Opfer seiner SpoMaune ist eine in R�strm angesessene Frau Gbersiin Eberts, die, wie wir aus
den Anmerkungen erfahren, einem N�rnberger Aatrizierhause entstammte, dann einen Oberst der fr�nkischen Aretstrupven,
namens Eberts geheiratet und nach dessen Tode ihren Wohnsitz inK�strin aufgeschlagen hatte. Mit drastischen Worten
wird erz�hlt, da� sie auf der Reise dorthin im Postwagen einige ihrer Z�hne einb��te, �die den schrecklichen Schlund
ihrer Achle verbarrikadierten". Rang und Abstammung waren das, worauf sie sich am meisten einbildete, wolle
er indessen alle ihre Torheiten schildern, dann, so meint Friedrich, w�rde sein Gedicht den Umfang der ganzen Aenc'is
erhalten. Diesen: derben Cone in den Randnoten entspricht denn auch die parodistische Schilderung in der Satire selbst.
Du magst es, eine ,frau auch anzugreifen? sei's!
Vm scheu�lichsten Kabalen gibst Du Dich selber preis,
Wenn die Vef�rchtung auch vollkommen unbegr�ndet,
Da� hier der Forschertrieb nicht Stoff noch Arbeit findet.
Ein seltsam Frauenbild, &as seh' ich allsobald,
Von schn�der Sinnesart und h��licher Gestalt.
Ihr (Ein und Alles ist ein K�tzchen vielgeliebt,
Das ganz das Wetter macht und ganz den Ton angibt.
Nur unter lumperei'n die Cage ihr vergehen,
Mit �destem Geschw�tz, mit l�stern und mit Schm�hen.
Dazu plagt Hochmut fie, der l�cherlich nur wirkt,
w�hrend im Innern sie ein Krokodil verbirgt.
1 Vgl. F�rster, Vd. 3, S. 45.
� �vgl.Koser, �Kronprinz", 5. 2?;. � 8 So berichtet der �sterreichische Gesandte Graf Seckendorff
an Prinz Eugen von 3avoyen am 29. M�rz i*52 �ber Friedrich, da� �feine Kammerdiener, lakaien und pagen bei Verlust [001t] leib,
leben, Ehre, Reputation angewiesen sind, dem K�nige rc*n dem, was sie von dem Kronprinzen sehen und erfahren, Rapport abzustatten"(vgl. F�rster, Vd.3, 5. 90- Und Friedrich schreibt selbst all (SriimbfotP am (8. April (733: �Je ne suis point amateur des Argus ni de
tout ce qui peut y avoir le moindre rapport; au contraire, j'aime fort que l'on ne s'embarrasse point lie moi, comme aussi je ne m'embarrasserai
pas des autres" (vgl. Aoser, Vriefwechsel mit Grumbkow, S. U�4f>). � * vgl.Koser, Briefwechsel mit Grumbkow, Einleitung S. XVff.
�
* Nach der Instruktion f�r wolden nom 25. August (73* durfte der Kronprinz nur an den K�nig und die K�nigin schreiben (vgl,Preu�,
Urkundenband II, S. *63).
        
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