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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Vas Vild l��t mit seinen eleganten rot und hellblau ausgeschlagenen R�umen und den festlich adjustierten
Uniformen fast nicht erkennen, da� wir uns in einem Feldlager, freilich im Stadt-Huartier, zu Chaumont an der
Marne, befinden, wenn nicht die gr�nen Vuchsbaumzweige an den Tschakos, neben den wei�en Armbinden das
Erkennungszeichen der verb�ndeten, so vielgestaltigen Truppen, uns an den Arieg erinnerten.
Zu dem entscheidungsvollsten Vorgange dieses schwankenden Fcldzuges f�hrt uns das Vild, von
Paul V�rde: �Rriegsrath vor Vitry am 2H. M�rz in welchem der Marsch auf Paris beschlossen wird."
(Abbildung Tafel VIoben.>
Nicht ohne Aussicht auf Erfolg hatte Napoleon, dessen Streitmittel trotz mancher Siegestage unaufhaltsam
dahinschwanden, sich in den R�cken der verb�ndeten Armeen geworfen, nach Osten marschierend, unter Freigabe der
Wege nach der unbefestigten Hauptstadt Paris, in der Hoffnung, die Feinde hinter sich her zu ziehen, wie das bei
den Divergenzen ihrer politischen Interessen und bei der Mattherzigkeil ihrer obersten milit�rischen Leitung durchaus
nicht unwahrscheinlich war. Nimmt man hinzu das gewaltige Gewicht, das der Name Napoleon allein auch damals
noch in die Wagschale warf, so wird die schwere des Entschlusses, der nun an die Verb�ndeten herantrat, ob ihm
nachzusetzen oder aber auf Paris zu marschieren sei, nach seiner vollen Bedeutung gew�rdigt werden k�nnen.
In Pougy, einem elenden Flecken � die �Pougy-Suppe", Zwiebelmilch, blieb dein Kaiser unverge�lich �
hart an, linken Aube Nfer an der Stra�e nach Arck sur Aube, waren zwei aufgefangene franz�sische Kuriere am
Abende des 23. M�rz im Hauptquartiere der Monarchen eingebracht worden, deren Briefschaften Napoleon's Plan
enth�llten. Noch vor Nacht wurde in allgemeiner Richtung auf Chalons sur Marne aufgebrochen und die Aube bei
den� Flecken Ramerupt auf einer Feldbr�cke passiert; nach kurzer Rast in Dampierre, �stlich der Aube, war morgens
um H Uhr, am 2H. M�rz, Somvuis, ein Dorf halbwegs nach ClMons, erreicht, hier wurde allm�hlich erkannt, da�
Napoleon zwischen der Vl�chcrschen und der hcmptarmee bereits hindurchmarschiert sei. Dem auf vitry le Fran�ois,
einer kleinen, von Franz I. gegr�ndeten Festung rechts der Marne, an der gro�en Stra�e von Var le Duc und
St. Dizier �ber 3a Fere Champenoise und Tagny nach Paris, vorausgerittenen Zaren folgte der K�nig mit den
Prinzen �jagend", und fand ihn, auf einer Anh�he rechts der gro�en Stra�e, noch etwa eine halbe Stunde westlich
der Festung, mit Schwarzcnberg und dem Gcneralstabe bereits in Beratung. Der K�nig stieg ab und trat hinzu,
die Prinzen verblieben am Fu�e der h�he. �Es war ein unglaublicher Moment," so erz�hlt ein Augenzeuge, ��berall
umher lagen die von� Nachtmarsche erm�deten Truppen im Vivouacq. Nach und nach versammelten sich die h�chsten
F�hrer in der Nahe der Monarchen und sahen erwartend der Entscheidung entgegen. Man kann sich gar keinen
Vegriff von der Spannung machen, mit welcher die Vlicke Aller an dem kleinen Kreise hingen, in welchem � das
f�hlte Jeder � das Schicksal Europas entschieden wurde. Man wollte aus den Gesichtsz�gen und den Gebehrden
erkennen, was vorging. Endlich trennten sich die Berathenden, aber mit gegenseitigem H�ndedr�cken, und das schien
uns Allen ein gutes Zeichen. Die vor uns stehenden K�niglichen Prinzen, der Kronprinz und Prinz Wilhelm,
gingen auf den K�nig zu; wir h�rten deutlich, wie sie eifrig fragten: �Geht's nach Paris?" worauf der K�nig
erwiedcrtc: �Naseweise Frage!" Das klang freilich nicht gut, aber der K�nig sah dabei doch so vergn�gt aus und
schmunzelte so sreundlich, da� wir nicht wu�ten, woran wir waren. Gleich darauf neigte sich der K�nig zu seinen
S�hnen und sagte etwas leise zu ihnen, worauf wir nun die Gesichter der Prinzen ebenfalls heiter werden sahen.
Auch anderweitig hatte sich schon eine zufriedene und zuversichtliche Stimmung verbreitet, denn die Sehnsucht nach
Paris erf�llte Alle, und bald fielen da Worte, die keinen Zweifel mehr lie�en."
Vei der Ausf�hrung dieses Vil�es ist die Einwirkung des Kaisers besonders greifbar hervortretend: er selbst
hat auf dem Aquarell die Personen mit deutlich erkennbaren Ziffern bezeichnet und ihre Namen auf einem Zettel
Eigenh�ndig vermerkt, einige auch auf der Unterschrift des Vildes selbst noch hinzugef�gt. Nach diesen Ziffern
sind hier versammelt: der K�nig; der Zar; F�rst Schwarzenberg, in hellgrauem Rock und gr�nem Federbusch; der russische
General F�rst Peter wolkonski, �Knes wolchonski", wie er im Hauptquartiere hie�, Generaladjutant des Zaren;
        
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