Path:
Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

156
scchzigj�hrige Prinz von Preu�en in seinem Testamente. Nuter dem Mai war der Prinz in des K�nigs
Hauptquartier zu Neu�orf in Schlesien, zwischen Reichenbach und Schweidmtz, zum �premter-?ieutenant im
Garde-Regiment zu Fu�" bef�rdert worden, nachdem der K�nig �mit besondrem Wohlgefallen wahrgenommen,
welche Fortschritte H�chst Dero vielgeliebter Sohn in den Krieges -Wissenschaften bewiesen haben", obwohl des
Prinzen Bescheidenheit sich gegen dieses Avancement str�ubte, �da er ja hinter den: Ofen gesessen, w�hrend bas
Regiment im Feuer war."
Am 30. tober \H\3 brachte ihn: der K�nig selbst, bei einem kurzen Besuche in Breslau, diese befreiende
Runde, und drei Tage darauf erfolgte ein neues Avancement, in der Szene, die das 9. Bild, von paul B�rde,
darstellt: �Der K�nig �bergiebt b�ni Prinzen Wilhelm die neu eingef�hrten ersten Epaulctts, unter gleichzeitiger
(Ernennung Zum Tapitain. Breslau, den 5. November \8^5. /( (Abbildung S.
Mit sprechender Geb�rde reicht der K�nig dem Prinzen die Abzeichen feiner neuen w�rde dar, in den vornehm-
schlichten R�umen des Vrcslauer k�niglichen Schlosses, bas noch heute zum Teil seine damalige Einrichtung bewahrt
hat. Dem milit�rischen Blicke wird es auffallen, da� die Aapit�us-Epaulctts in den wei�en Feldern keine Sterne als
Gradabzeichen zeigen; auch dieses Detail ist vollst�ndig richtig wiedergegeben: die damaligen Gradunterschiede bestanden
in der Anordnung der Tresse der Epauletts, die bei den Kapit�ns um die ganze patte herumging, bei den Leutnants
nur beide Seiten einfa�te; der premierleutnants^Stevn wurde erst die Kapit�us^Sternc eingef�hrt. Uebrigens
hat der Prinz im Drange der Umst�nde �ber diese Bef�rderung �weder patent noch Cabinets^ (Drbre erhalten"; schon
am H. November morgens f�hrte der K�nig den pr�fen mit sich nach Berlin, wo fie am 5. November abends
anlangten. �Am meisten freute mich der Prinz Wilhelm, der unglaublich gewachsen ist, sehr gut ausfielt und sehr
nett war": diese Beobachtung vom gleichen Abende verzeichnet die Vberhofmeisterin Gr�fin Sophie-Marie Vo$ in
ihrem Tagebuche, so gut war die schlesische Tust, die er w�hrend des neun Monate w�hrenden Aufenthaltes dort,
zumeist in Breslau und in Neisse, geatmet, dem Prinzen angeschlagen, trotz aller Sehnsucht nach Potsdam,
Charlotten b�rg und Berlin.
Nur auf sechs Wochen wollte der A�nig den jetzt sechzehneinhalbj�hrigen Prinzen in den Arieg mitnehmen;
nun, dem Prinzen bekam das Feldleben so gut, da� er erst nach zehn Monaten heimzukehren brauchte. Zum
milit�rischen Begleiter des Prinzen wurde f�r den Feldzug der Gberst Vldwig von Natzmer bestimmt, dessen, als
Aapit�n der 3eib-Aomvagnie, beim 5. Bilde bereits gedacht worden ist. Auch in dieser Wahl zeigte sich des
A�'nigs treffender milit�rischer Blick: Natzmer, damals erst 3^ Jahre all, war ein hervorragender Vffizier, k�rperlich
und geistig reich veranlagt, nach jeder Richtung hin bef�higt, den jungen Prinzen in das Wesen des Arieges ein-
zuf�hren. Zumeist behielt der A�nig seinen Sohn bei sich selbst; wo das aber nicht anging, begleitete den Prinzen
Natzmer, der ihm �ber alles Auskunft gab, was sich in der Praxis des Krieges anders ansieht, als in den kehr-
stunden vor dem Buche. �Das, was ich von milit�rischen Dingen verstehe, verdanke ich Ihrem Manne", sagte der
Raiscr nach den, Code des Generals (gest. zu dessen Witwe, und welchen Eindruck dieser Lehrmeister damals
von dem Prinzen gewann, zeigt das Schreiben Natzmer's, mit dein er den Prinzen von Preu�en nach dem
Vadischen Feldzuge begl�ckw�nschte: �Schon fr�her habe ich mir �fters erlaubt, Eurer A�niglichen Hoheit zu sagen,
Sie w�rden dem A�nige ein anderer Prinz Heinrich werden. Sie sind es geworden. Immer war ich der Ueber-
zeugung, da� der Staat von Ihnen Gro�es zu erwarten habe und da� Sie die Hcldenlaufbahn Ihrer gro�en
Ahnen ruhmvoll betreten w�rden. So dachte ich schon in Memel im Jahre als Sie bei der teibkomvagme,
die ich damals die Ehre hatte zu kommandieren, Ihre milit�rische kaufbahu begannen, so dachte ich, als ich
im Jahre Ihnen auf den Schlachtfeldern in Frankreich zur Seite stand, und immer mehr befestigte sich
bei nur diese Ueberzeugung , nachdem ich so oft Gelegenheit hatte, Eure K�nigliche Hoheit bei wichtigen und
gef�hrlichen Ereignissen stets edel und unerschrocken handeln zu sehen. Wohl dem vaterlande, das eine so freudige
Zukunft erwarten darf!"
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.