Path:
Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

154
an Sein Heer. Nach dieser Feierlichkeit dcfilirlc die Kavallerie vor don Monarchen und vor den �brigen Mitgliedern
der K�niglichen Familie, die, was dic j�ngeren Prinzen und die Prinzessinnen bus k�niglichen Hauses anbetraf,
hier die Gruppen mit huldreichen Abschieds gr��en entlie�en. Unter dem Zulauf einer ungeheuren Menschenmasse
ging der Zug noch einmal durch die Stadt, zum Nicolai
-Thore hinaus. Der erste gro�e schritt war gethan:
umg�rtet mit den: Schwerte der Gerechtigkeit zogen sie freudig hin, die geweihten Arieger, vertrauensvoll f�r eine
hoffnungsreiche Zukunft!"
Hier sehen wir also die Gardes du Corps, in ihren wei�en Uniformen, ohne K�ra�, der unter Friedrich-
Wilhelm II. abgelegt worden war, den nach russischem Muster neu eingef�hrten Raupcnhelm mit dem gewaltigen
�Helmkamme" � eine ebenso unpraktische wie unbequeme Kopfbedeckung, die aber erst durch unfern heutigen
sch�nen Stahlhelm ersetzt wurde � in der Hand. Im Vordergr�nde h�lt der K�nig auf braunem Pferde, daneben
auf dem Schimmel der Zar in hellgr�ner Uniform mit goldenen Epauletts; dahinter, neben einen: russischen General,
der betend die Stirne ber�hrt, der Kronprinz, den Blick begeistert Zum Himmel gerichtet � mit dem Ausdrucke etwa,
mit dem er bei seiner vor kaum zwei Monaten erfolgten Konfirmation, am 2N. Januar ahnungsvoll das
Vibclwort gesprochen haben mag: �bis hierher und nicht weiter! hier fallen sich legen deines Hochmuths Wellen"
�
und Prinz Wilhelm, den Kopf zum Gebet geneigt, neben ihm wohl General Gebhard-keberecht von Bl�cher � der
k�nftige Marschall Vorw�rts. Aus dem Hintergr�nde schimmern unter dem lichtblauen Fr�hlingshimmcl die Breslauer
Wahrzeichen, der Elisabethturm und die Doppelt�rme der Maria-Magdalenen-Kirche her�ber.
Am Tage nach diesem Ausmarsche, Donnerstag, den M�rz �geruhten die Majest�ten � so meldete
die Dossische Zeitung � einen Ball anzunehmen, welcher in dem auf der Schweidnitzer Stra�e befindlichen kokale der
gro�en sSchlesischen^ Provinzial-Refsourcc � seiner heute noch bl�henden geselligen Vereinigung, vornehmlich des
schleichen kandadels^ � veranstaltet war." Auf diesem Salle ereignete sich die Szene des 8. Bildes, von Vskar
Wisnieski: �K�nig Friedrich Wilhelm III. stellt dem Kaiser Alexander I. auf dessen Verlangen bei einem Ball in
Breslau am M�rz die ersten Freiwilligen vor; n�mlich den Graf Karl-Alexander -kudwig)
p�ckler, jetzt Staatsminister a. D., Ritler des Eisernen Kreuzes zweiter und des Rothen Adler- und Kronenordens
erster Klaffe sgest. und den Graf Schaffgolfch, jetzt Aammerhcrr und
kegationsrath a. D., Ritter des Rothen Adlerordens zweiter Klasse sgest. M^. Berlin, den 5. Februar Wilhelm":
so lautet des Vildes Unterschrift, die der Kaiser selbst mit dieser Ausf�hrlichkeit angegeben hat. (Abbildung Tafel IVoben.)
Den: Zaren soll es aufgefallen sein, zwei junge Teute in Soldatentracht, aber nicht in Gffizicrsuniform, mit
den Damen auch des Hofes, tanzen zu sehen, worauf ihm der K�nig die beiden jungen Grafen vorstellte, denen dann
der Zar seine Freude ausgesprochen habe, sie in dem Ehrenrocke eines Gemeinen Soldaten zu begr��en. Der vordere,
kleinere tr�gt die dunkelgr�ne, roldesetzle Uniform und den schwarzen Tschako der Freiwilligen Jager, die des K�nigs
Ruf vom I.Februar zu den Fahnen gef�hrt; der Hintere, gr��ere den blauen Rock mit schwarzem Kragen und
wei�en kitzen, roter Sch�rpe und rotem Kolpak am schwarzen Tschako der �Garde-Volontair-Kosacken-Eskadron",
die beim Regiment� der Gardes du Corps �aus Freiwilligen gebildeter St�nde" formiert war, der �Zahmen
Kosacken", wie, nach touis Schneiders Erz�hlung, der Kaiser Alexander sie einmal bezeichnete. Diese fremdartige
Kasakentracht ward damals in Preu�en besonders beliebt; schienen deren Tr�ger dock? gleichsam die v�lkerbesreiende
Bewegung zu verk�rpern, wie sie �berall als deren erste Vorl�ufer auftauchten. Im Gktober schenkten die
prinzlichen Geschwister ihren: j�ngsten Bruder Albrecht eine wirkliche Kasakenuniform zum Geburtstage.
Zu diesem Bilde wird ein f�r Kaiser Wilhelms Auffassung der ganzen Sammlung besonders bezeichnender
Zug berichtet: �Der Maler hatte den jungen Prinzen in zu vertrauliche N�he neben den K�niglichen Vater gestellt.
Als K�nig Wilhelm den Entwurf sah, sagte er: ,Ich darf aber nicht so nahe bei meinen, Hochseeligen Vater stehen.
Wir S�hne hatten alle einen solchen Respekt vor ihm, da� Keiner, ohne seinen besonderen Befehl, dies gewagt haben
w�rde'." Dem Schlu�satze dieser Aeu�erung wird auch ein historischer wert f�r dic Auffassung der Pers�nlichkeit
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.