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Die Kanzel aus der ehemaligen Kapelle des Stadtschlosses zu Potsdam

Full text: Die Kanzel aus der ehemaligen Kapelle des Stadtschlosses zu Potsdam

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stelle des Vaues angewiesen ist, Heute beherbergt dieser Eckbau eine Anzahl^ von Zimmern, die eine historische
Ber�hmtheit erlangt haben, weil in ihnen die A�nigin 3uise ihre Wohnung aufschlug. So viel d�rfte jedoch feststehen,
da� dag innere Airchenschiff der umgebauten Aapelle recht schmal wurde und die Uebersichtlichkeit der ganzen inneren
Anlage viel zu w�nschen �brig lie�. Nm war jedenfalls die Unterbringung der Mannschaften selbst in dieser
Schlo�kirche schon sehr schwierig und der A�'nig mu�te sich, trotz seiner in den ersten Regierungsjahren beschr�nkten
Mittel zum Vau eines eigenen Gotteshauses f�r die Potsdamer Garnison entschlie�en. Va� er diese Airche, wie
alle seine Privatbauten, in Fachwerk (das holz kostete fast nichts) ausf�hren lie�, erkl�rt sich, wie nebenbei festgestellt
werden soll, in erster kinie aus der Mittellosigkeit, dann aber auch aus dem Wunsche des K�nigs, jenen Vau in
m�glichst kurzer Zeit errichtet zu sehen. Vie umfangreichen Anwerbungen und die unerwartet vielen Schenkungen
langer Menschenkinder von fremden Herrschern lie�en in wenigen Jahren aus dem �ersten Vataillon ein zweites werden;
im Jahre standen bereits drei Vataillone zu je 600 Mann in Potsdam. �
Zweifellos d�rfte sein, da� bei dem Umbau der Schlo�kapelle unter Fnedrich-IVilhelm I. die bisherige
Aanzel beseitigt wurde. Aopisch, auf den allerdings nicht unbedingter Verla� ist, sagt Heile 62 seines Werkes �Vie
Agl.Schl�sser und G�rten zu Potsdam": �Die Aapelle erhielt auf beiden Seiten doppelte Ch�re und eine neue Ranzet,
deren Baldachin durch zwei Figuren von Engeln cmporgehalten wurde, w�hrend eine dritte dar�ber emporschwebend
in die Posaune vlie�." Gstmann und Rogge dr�cken sich in ihren Beschreibungen der Hof- und Garnifonkirchc
�hnlich aus. Gl�cklicherweise sind einige Schriftst�cke in den Airchenakten von Ht.Johannig in Spandau, die nunmehr
in St. Nikolai aufbewahrt werden, erhalten geblieben, und diese beweisen unzweifelhaft, da� die sogenannte alte Kanzel
aus der Schlo�kapelle entfernt worden ist.
Am H. August 5?5H schreiben n�mlich Prediger und Vorsteher der reformierten Gemeinde zu Spandau an
den A�nig: �Euere A�nigl. Majest�t m�ssen wir allerunterth�nigsten, gehorsamen Dank abstatten, vor diejenige
allergn adigste Vorsorge, so in erhaltung unserer armen resurmirt. Airche wir uns allerunterth�nigst r�hmen k�nnen,
und auf dieselbe un� ferner verlassen!, treten wir Euer A�'nigl. Majest: hicmit allerunterth�nigst an, indem unser
Predigt Stuhl gar schlecht und unbequem gebauet, da� dieselben allergn. geruhen m�chten unsere relni-mii-w Airchen,
diejenige Cantzcl, welche aus der Potstamisch Schlo�kirchen anjetzo herausgenommen und an welcher statt eine andere
verfertiget, aus Hohen A�nigl. Gnaden zu schenken, wir ersterben davor
Euerer A�niZl. TNajestet
unsere alleren. Herrens zum gebet befli�ene allerunterth�nigste gehorsamste Prediger
und Vorsteher der reformirten Gemeine zu Spandau,
(Unterschriften.)
wenige Tage darauf, an: August schon kommt der Prediger Hendreich aus Potsdam in einem
Vnefe an seinen Amtsbruder in Spandau
�
aber nur gelegentlich anderer Mitteilungen -- auf oie �berweisung
der Aanzel zu sprechen: �Auch kann hierbey melden, dass Seine A�nigl. Majest�t U. Allan. A�nig und Herr der
dortigen Airche die vorhandene Tantzel allergn�digst geschenket. Von deren Nebersendung k�nftig noch ein mehreres."
Zu beachten ist, da� eine Schenkungsurkunde in den Akten bezw. ein Antwortschreiben des A�nigs auf das Bittgesuch
vom H.August nicht vorliegt; auch die Tatsache der �bersendung der Aanzel nach Spandau ist nicht verb�rgt.
Aurz, hier bestehen gewisse kucken im Verlauf der Vinge; noch auff�lliger aber bleibt es, da� drei Jahre lang nichts
weiter zu erfahren ist. Erst am Juni i^? sendet das Airchendirektorium eine ernste Vorhaltung an Prediger und
Vorsteher der reformierten Gemeinde zu Spandau wegen der Nichiverwendung der Aanzcl:
�Unfern Freundlichen Gru� zuvor, Ehrw�rdiger, wohlcdle. Wohlgelahrter, Besonders kiebe Freunde; Demnach
verlauten will, da� Sie die von Seiner A�nigl. May' vor einigen Jahren ihrer Airche allergn�digst geschenkte Cantzel
1Unter Friedrich dem Gro�en wurde die Lchlo�kapelle noch �ber ein Jahrzehnt von der franz�slsch'reformierten Gemeinoe benutzt.
Als der Gro�e K�nig dieser eine eigene Kirche am Vassinplatze hatte errichten lassen, war die 2chlo�kapelle �berfl�ssig; denn der Hof ging
in die jetzige E?of' und Garnisonkirche in der Breiten 3tra�e zum Gottesdienst.
        
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