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Zwei hohenzollernsche Harnische im Zeughaus zu Berlin

Full text: Zwei hohenzollernsche Harnische im Zeughaus zu Berlin

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Aniebuckelnn, ganze Veinschinnen, mit Sporenn, ein verguldt bar V�gell, Schwarz kidernn Sattel, mit vergultem
Zecztem blanckem Vlech beschlagenn, eine Ro�stirn mit einein Schwarzenn Federbusch, ein�� Fausthammer mit
Sammatem hefft, �n& eisernn schinncn, Ein Schwert, Anopff vnd Treuz eyftrn vnd geezt, vnd Silbernn orthbandt,
auch Odern scheiden, Schwarzsammaten hinder Zeugk, �ff Jeder seilten f?'nff Schwangriemen, mit Golbt geknoppelt,
fambt dem vorgebug vnd Heubtstudell, Stangen Z�gel vnd Steigleder, ein vergult baarstangn vnd Vuckelnn, Folgende
Zugeh�rige St�ck hangen ann der wandt Eyn schifftung �ber die 23ruft, Ein Schildt, (Ein Achselstuck, Zwey Spangeroll,
Zwo Armschifftung, Zwcn^ V�rtt, Gin Kurz Bar Veind�schlein, ?ine daze. Ein gerust, Eine Schlaghauben, darzu
eine Schifftung, Eine Canifs �ben, Zwo Vrechscheiben, Ein Cafe."
Diese Beschreibung entspricht in manchen Punkten nicht mehr dem gegenw�rtigen Vestande. 500 und mehr
Jahre haben schwere Spuren zur�ckgelassen. Ein typisches Vild der Schicksale eines alten, dabei jederzeit wohlgehegten
Kunstwerkes ist damit gegeben.
Zun�chst sind erhebliche Verluste zu beklagen, denn es fehlen der Fausthammer des Markgrafen und sieben
wechfelst�cke der R�stung. Sodann scheinen die gro�en Federb�sche verwechselt zu sein, sowie Aopfgestell, Vorder- und
Hinterzeug des Pferdes. Nach dem Inventar von schwarzer Farbe, sind diese St�cke heute dunkelgr�n und die V�sche
vielfarbig. M�glich jedoch, da� hier ein Irrtum des Inventars vorliegt, denn dies? farbigen St�cke k�nnen wenigstens
zum Teil schon bei ihrer Abgabe nach Dresden so stark angedunkelt gewesen sein, wie noch bis vor kurzem. Unglaubhaft
ist, da� Georg-Friedrich in schwarzer, also Traucrausstattung zur Hochzeil erschienen w�re. Hierzu lag f�r ihn kein
Anla� vor wie beim Aurf�rsten August, von dem ausdr�cklich berichtet wird, er sei wegen �seiner Frau Mutter am
6. Junii erfolgten d�dlichen Hintritts" in Trauer erschienen. Das Anlegen von Schwarz war kurz zuvor in Deutschland
als vornehme Trauermode aufgekommen; die allgemeine Sitte, Trauer zu tragen, datiert vom Ende des Jahrhunderts.
Der Harnisch (siehe die Tafel) ist von silberfarbigem Stahl und mit vergoldeten Aetzstreifen verziert.
Diese goldenen Streifen sind abwechselnd von zwei stetig wiederkehrenden Rankenmotiven gef�llt, was zwar keine reiche
k�nstlerifche Erfindung zeigt, doch dem Zwecke der Verzierung, die auf �u�ere Wirkung ging, v�llig angemessen ist.
Jene tiefge�tzten Streifen erh�hen durch ihren schillernden Goldglanz in hohem Ma�e die noble schwere Erscheinung,
die wuchtig und poetisch zugleich etwa dem Vilde entsprechen mu�, wie es Mozart von dem Venkmal des Aomturs
vorgeschwebt haben d�rfte.
Vie R�stung ist von jeher so aufgestellt gewesen, wie der Markgraf zu keipzig in die Vahn geritten ist, hoch
zu Ro� und f�r das welsche Gcstech �ber das Dill(Ma pallia). Dieses Gestech war die neueste Mode. Ein Vrief
George Friedrichs an August von Sachsen ist vorhanden, worin um Zusendung seines R�stmeisters gebeten wird, der
dem Markgrafen und seinen Hofjunkern das �Vallija-Stechen" lehren soll, denn �die alte r�stung und Manier mit
dem Stechen und Rennen ist Inn deutschen (anden Itzo nit so gar mehr alss vor Iharn In gebrauch. Aber Itziger
Zeit die neue R�stung �ber die Vallia zu stechen An vielen F�rstenh�fen sehr ZebreuZlig".
Gegen diese alte Manier war die neue italienische Curnierart leichter und gefahrloser; die Turnierenden ritten
durch eine Vrettschranke (pallia) getrennt gegeneinander. Gegen tanzensto� und Splitter sicherten die an Aopf, Vrust
und Oberarm geschraubten Verst�rkungen, ferner die in Sachfcn felbft aufgekommene Hintere Helmstange. Ein solches
sianzerkleid sollte indes auch anderweitig getragen werden, und daf�r waren die im Inventar aufgez�hlten, teilweise noch
vorhandenen Wechselst�cke bestimmt. Fr�her hatte der einfache Feldharnisch allen Zwecken gen�gt; jetzt wurde f�r jede
Form von Aampf und Aampfspiel ein besonders gerichtetes Oanzerkleid gefordert. Eine Garnitur Aaiser Ferdinands I.
�mit den Rosenbl�ttern" bestand aus nicht weniger als sechs vollen Harnischen, der entsprechenden Zahl von Wechsel-
stuben und Pferdezeugen. Solche wechfelft�cke unserer R�stung sind die beiden Helme (siehe Abb. S. NH, N5>; ein
geschlossener schwerer Helm, f�r den Aampf bestimmt, doch durch die nebenstehende, schnebbenf�rmige �Kchiftung" auch
zum Turnier verwendbar; eine Sturmhaube, gleichfalls f�r das Feld, deren �beraus leichte und sch�ne Form ihr
Ursprungsland Italien erkennen la�t. Ungern h�llte man sich dort in so schweres Eisen, vermied auch tunlichst aus
Geschmack und Bequemlichkeit diese vielen vevst�rkungsst�cke, die n�rdlich der Alpen unentbehrlich schienen. Die Deutschen,
        
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