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Zwei hohenzollernsche Harnische im Zeughaus zu Berlin

Full text: Zwei hohenzollernsche Harnische im Zeughaus zu Berlin

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Diese innere Abw�gung der Waffe unter Ber�cksichtigung der k�rperlichen Eigenschaften des Tr�gers! wie sie nach
Form und Eigenschaften beschaffen fein mu�te, daran lie� sich nichts �ndern; wie fie bann aber die innere Gewichts-
verteilung erhielt, verschieden nach Lange und Kraft des Arms, durch Nachschleifen und herausholen des Metalls,
durch hohlschliffe und Vlutrinnen der Almas einerseits, durch Bearbeiten und Aush�hlen des Knaufs als Gegengewicht
andererseits, das ist die geheime Aunst, von welcher die ?teber singen. Die vermeintliche Zauberkraft dieser Klingen
lag in nichts anderem, als der wundervollen Arbeit, die eine sp�tere und rohere Zeit nicht mehr begriff. Visse
alten Schwerter wollen in der Hand gewogen und wollen gef�hrt fein, um sie nach ihrer saugenden Handlage
zu w�rdigen und nach ihrer sehnsuchtsvollen impressioniblen Wirkung leidenschaftlich 511 lieben. Sie beschwingen
den Arni und spornen zu edlen Taten.
Der Degen ist das Werk des Clemens h�rn in Solingen, 3" die Vlutrinnen hat et feinen Namen gesetzt und
der Almgenansatz tr�gt, tief ins Gesenke geschlagen, seine Marke, bas Einhorn. Wenig wei� man von diesem Meister,
aber diese wenigen ?ebensbatm zeigen auch die hohe, soziale Stellung der ausgezeichneten Alingenschmiede jener Zeit,
h�rn war Airchen�ltester, sp�ter Vurgemeister von Solingen, Da er bis \63O gelebt hat, so f�llt unser Degen sp�ter
als die R�stung selbst und dem entspricht auch die Fechtklinge und die Form des Gef��es. Auch hier k�nnte somit
eine sp�tere Verwechselung vorliegen, zumal die Scheide nicht von rotem Samt ist, sondern von schwarzem. Indes ist
die jetzige Scheide nicht die urspr�ngliche, der Degen selbst hat aber das f�r sich, da� Aurf�rst Johann-Georg ein
Mann von Geschmack gewesen ist und endlich, da� wir Meister Clemens als den Lieferanten des brandenburgischen
Hofes anzusehen haben. Alle heute noch vorhandenen, hohenzollernschen Degen �lterer Zeit f�hren seinen Namen und
feine Marke. Der Aurf�rst wird den Degen ausgew�hlt haben, als er seine R�stung nach Dresden schenkte. Er ist auf
5560 bis anzusetzen und in diese Zeit f�llt auch die prachtige, jetzt zu allen, Gl�nze wiedererstandene Degentasche. �
Die Geschichte unserer R�stungen w�rde sich hier abrunden, wenn ihre Abgabe nach Dresden noch festzu-
stellen w�re. Doch davon erz�hlen sie selbst nichts, und andere Nachrichten fehlen. 3 es ergeben sich doch Anhalts-
punkte, die eine annehmbare hypothetische Bestimmung erm�glichen.
Die Abgabe k�nnte zur Zeit der Abfassung des Inventars von J6O6 erfolgt sein, sodann bei dem Ableben der
beiden F�rsten 5593 und wo also Andenken von ihnen eingefordert worden w�ren, oder endlich damals, als man
in Dresden anfing, alte Waffen zu sammeln, wenig spricht es an, die Abgaben und Inventarisation als glcichzeitia
anzunehmen, denn die letztere setzt doch f�r jene nicht so schreiblustige Zeit geschlossene Best�nde Poraus. Nun war der
Aurf�rst Joachim-Friedrich selbst Sammler und wird sich daher schwerlich zur Abgabe der Hochzeitsr�stung seines
Vaters herbeigelassen haben. Viel wahrscheinlicher ist daher die �berweisung zu Lebzeiten Johann-Georgs und zwar
damals, als die Dresdner Sammlung angelegt wurde; jedenfalls lag zu jener Zeit die Einforderung solcher
R�stungen bei dem verwandten Berliner Hofe sehr nahe und war eigentlich gar nicht zu umgehen.
Das Sammeln alter Waffen ist gerade damals als eine f�rstliche Liebhaberei entstanden. Das h�ngt, wie
�brigens die Entstehung aller Aunstsammlungsn, damit zusammen, da� gro�e Aunstsch�tze einer abschlie�enden Aunst-
p�riode frei wurden und zugleich bas Verst�ndnis und die n�tigen Geldmittel daf�r vorhanden waren. Bald nach \530
hat Erzherzog Ferdinand von Cyrol auf feinem Schl�ffe Ambras in gro�artigstem Ma�stabe angefangen, sich feine
�Ehrliche Gesellschaft", bas hei�t R�stungen ausgezeichneter M�nner, unter ihnen die Aurf�rsten Albrecht.Achilles,
Joachim II. von Brandenburg und Graf Eitel- Friedrich pou hohenzollern, zusammenzubitten. Aber der Erzherzog
war, wie es scheint, nicht der Primus, halte vielmehr in Joachim-Friedrich von Brandenburg einen allerdings sehr
bescheidenen Vorg�nger. Ein Briefwechsel von Anfang hat sich erhalten, wonach jener seinen Herrn Vater
�um Vier Valgenzeuge, ein par Rennzeuges ..... einen A�ri� wie Unserer Gro�eltern biefelbtgen gefuert
und uf Ro� Und Man zugeh�riger alter r�stung" bittet, worauf �in frewndlicher und v�terlicher wilfarrung" die
Zusage gegeben wird. Somit handelt es sich nicht um eine R�stkammer f�r den eigenen Gebrauch, sondern um eine
Sammlung, wie sie der Erzherzog etwas sp�ter anlegte und wie fie bann wieberum einige Jahre danach mit so gro�em
Erfolge in Dresden entstanden ist. Nun waren die alten verwandtschaftlichen Vande zwischen Aurbrandmburg und
,b�
        
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