Path:
Zwei hohenzollernsche Harnische im Zeughaus zu Berlin

Full text: Zwei hohenzollernsche Harnische im Zeughaus zu Berlin

121
15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geben merkw�rdige Auskunft, wie sich die menschliche Gestalt stetig ge�ndert hat.
Nicht blo� in der Gr��e; Uopfumfang, Vrustweite, Qibst�rke, Arm- und Veinl�ngen und die Muskulatur zeigen
stetige Wandlungen. Nach gro�en Ariegen, wo die Schwachen zugrunde gingen, gab es ein st�rkeres Geschlecht.
Die Verzierung seiner R�stung hat der Markgraf offenbar nach seinem pers�nlichen Gcschmacke ausf�hren lassen.
Die Vrust (stehe Abb. S. 120) weicht im Dekor erheblich von den, sonst beliebten Schema ab. Auf dem oberen Rande
ist ein Schlachtensegen ge�tzt, darunter steht der gekreuzigte Heiland, daneben die hohenzollernsche Devise Spes Mea Deus
oder Christus, welche auch auf einem im Zeughause befindlichen Harnisch des Markgrafen Hans von K�ftrin von \�53
wiederholt vorkommt. Das pa�t so recht f�r seinen hochzeitsharmsch, und der junge Herr betete also:
Hilf Got Mir aus not Durch Veines Sieben Sons onfers
?}ernn Jesu Christi seyden Sterben unnd bot Vescher uns
Her Got ain Seiligs Ent. Mein Arme Sei Befehle
Ich Allzeit 3" Spinne Henoe. Amen.
Zu bemerken ist, da� die Verzierung der Vrust k�nstlerisch nicht den �brigen Partien gleichsteht; der klare
Aufbau des Ornaments war dem Aetzmaler durch die bestellten Darstellungen und Inschriften, . f�r die ihm das
Vorbild fehlte, erschwert. Die Abbildung von R�cken und Unterarmr�hren lassen erkennen, wieviel besser die Streifen
hier mit den schlichten Motiven gef�llt sind. �
Deutlich zeigen diese beiden zeitlich 55 Jahre auseinanderliegenden R�stungen die gro�e Wandlung, welche
der Plattenharnisch um die Mitte des Jahrhunderts durchgemacht hat. Die R�stungen um entsprachen in
denkbar vollkommenster weise allen Forderungen an Bequemlichkeit, Form und Ausstattung. Ghne Zweifel stehen
sie nach k�nstlerischer und technischer Vollendung allen gleichzeitigen Werken der sogenannten Kleink�nste voran. Vagegen
l��t der Harnisch Georg-Friedrichs deutlich den R�ckgang erkennen. Merkw�rdig, wie diese R�ckbildung gerade im
Augenblick der Vollendung eingetreten ist. Das h�ngt mit der spanischen Mode zusammen, welche bei Eintritt der
Gegenreformation aufkam, mit den wattierten Veinen und der tief hmabreichenden Gans- oder A�ferbrust. Diese
Formen wurden auch f�r die R�stungen angenommen. Von den breit und starker gew�lbten Stahlplatten erwartete
man auch besseren Schutz gegen die Augel. Uni jene Zeit, wo vieles wankte, wurde man zuerst von Mi�trauen
gegen die Schu�sicherheit des Panzerkleides ergriffen. Stimmen erhoben sich, es solle lieber ganz beiseite geworfen
werden. F�r die kandesf�rsten lag in dieser Stimmung eine nicht geringe politische Gefahr, da dem Ariegsaufgebot
die geforderte vollkommene Deckung gegen die Rugel nicht zu bieten war, jenes somit im Augenblick der Not ver-
sagen konnte. Die Depression wurde mit M�he durch den �brigens keineswegs logischen Gedankengang behoben,
da� eine jede Augel nicht trifft; man m�sse daher die R�stungen beibehalten, obwohl m�glichst verst�rken, hieraus
entspann sich zwischen Harnisch und Augel derselbe wetlkamps, wie heute zwischen Panzerplatte und schwerem Gesch�tz;
und geradeso wie heute fanden die panzerst�rken schlie�lich in ihrer Gebrauchsm�glichkeit eine Grenze, die es f�r
die Steigerung der Gescho�wirkung nicht gibt. Die S�ldner lie�en daher ein Panzerst�ck nach dem anderen fallen;
die Ritterschaft aber trennte sich schwerer von ihrem Harnisch, den sie .aus Piet�t und f�r die vornehme Repr�sentation
in Ehren hielt. So kam es, da� derselbe allm�hlich bis an die Grenze des M�glichen verst�rkt und gleichzeitig zum
Tr�ste f�r die k�st, die es zu schleppen gab, so gl�nzend als nur m�glich ausgestattet wurde. Damit war der
Ritterharnisch auch in k�nstlerischer Beziehung dem Unterg�nge geweiht. Unzweckm��igkeit und Prunk sind von
Grund aus kunstfeindlich.
Die R�stung Johann-Georgs wird nach manchen Analogien dem Peter von Speyer zugeschrieben, der in
Wittenberg, Annaberg und Dresden gearbeitet hat, auch in Berlin. Der sichere Anhalt durch Meisterwerke und
st�dtische Veschau fehlt auch hier, wie �brigens sehr oft bei diesen nach Ma� gearbeiteten St�cken. Marken scheinen
auf Harnischen vorzugsweise da vorzukommen, wo diese fertig auf den Markt gebracht wurden, dem A�ufer also
durch das Zeichen eines angesehenen Meisters eine Gew�hr f�r gute Arbeit bieten sollten, geradeso wie heute. Die
Qo^cnjoifmtO^rfcudf i^w. 56
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.