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Zur Kindheits- und Erziehungsgeschichte Friedrich Wilhelms II.

Full text: Zur Kindheits- und Erziehungsgeschichte Friedrich Wilhelms II.

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Aom�die Me Rowtesse d'Grgueil; �unter dm acteurs gefiehl Ihnen er Marquis am besten." Ein anderes Mal
hei�t es: �IIs'amusa beaucoup ? la Com�die de l'Arlequin devin et les nouveaux danseurs eurent toute son
approbation."
wir fommen nun zum Unterricht des Prinzen, der f�r unsere heutigen Anschauungen sehr fr�h einsetzte und,
wenn er zum ?eil auch spielend betrieben wurde, doch regelm��ig stattfand. Jede Zeit hat ihr Erziehungsideal
und danach auch ihre Erziehungsprinzipien. Das fr�here Mittelalter erzog zum Aleriker, die Renaissance zum Gelehrten,
das XVII.Jahrhundert nach dein Drei�igj�hrigen Kriege zum vollkommenen Hofmann, dem galant homme. ?eibni5
war f�r diese Periode Pfadfinder und Wegweiser mit feinem Vuche: �Nova methodus discendi docendique juris",
in dessen erstem QTeil �de ratione studiorum in Universum' 1 er einen zu jenem Ziel f�hrenden SludienganZ entwirft.
Speziell �ber Prinzenerzichung hat er sich in einem erst gedruckt erschienenen, aber schon fr�her im Manuskript
verbreiteten Aufsatz: �Le projet de l'�ducation d'un prince" ausgesprochen.^ Ich m�chte folgende Ansichten ?ctbnt3'
herausgreifen, die mit den Erziehungsmaximen Veguelins sich decken. �Quant ? un jeune prince, ilest bon que tout
soit r�gl� sous une libert� apparente et qu'il apprenne en croyant de se divertir." MLe moyen de le d�tourner
de quelque d�sir peu raisonnable consiste dans la vari�t� des plaisirs." �A l'�ge de quatre ans doivent d�j?
commencer les �tudes, mais toujours sous l'apparence et pr?tent? de jeux." �On fera souvent des repr�sentations
s�rieuses et agr�ables de mille rencontres de la vie, faites par des personnes, qui s'expliquent et se gouvernent
bien, o? le petit prince jouera quelques fois lui-m?me son r�le. ... A quoi l'on joindra des fables, des historiettes,
des apophthegmes et des bons mots," �Quant aux langues iln'y a rien de si ais� ? un enfant que de les
apprendre par l'exercice." ,,11 lui faut . .. des tables des empereurs et des rois avec certaines marques de leur
naturel" usw.
wie durch Leibniz ist Begueltn auch durch August Hermann Francke beeinflu�t. An seine bei aller Viel-
seitigkeit und bei allem Fortschritt doch etwas trockene und schematische Methode erinnert die von Veguelin sehr beliebte
Erlernung der Regentenreihen verschiedener L�nder, 3n gutem Sinne d�rfte bas Vestreben Veguelins, in den Natur-
wissenschaften durch Anschauung zu lehren, und der Vesuch von Werkst�tten auf Franckesche Beeinflussung zur�ck-
zuf�hren sein. 3m gro�en und ganzen f�llt die Erziehung Friedrich-Wilhelms II. in ein Uebergangsstadimn
p�dagogischer Entwicklung, bas noch zu feinem Ideal-Typus durchgedrungen war. Noch halte Rousseau nicht seine
auf Bildung des Herzens und St�rkung des Willens hinzielenden erzieherischen Ideen der Welt verk�ndet, noch hatten
die neuen Humanisten wie Gesner keine Schule gemacht, noch hatte F. A.Wolf seine Stimme nicht erhoben, M�nner,
f�r die die geistige Durchdringung des Altertums auf der Grundlage deutscher Wesensart das wirksamste Mittel war,
Menschen zu erziehen und freie Pers�nlichkeiten zu bilden.
verfolgen wir nun im einzelnen, wie Veguelin verfuhr. Die Zwanglosigkeit der Einf�hrung in die Wissen-
schaften � litterae sagt der Lateiner so wenig sagend und viel verhei�end � ber�hrt uns recht sympathisch. F�r
artige Auff�hrung wird dem Prinzen erlaubt, einen Anfang mit Schreiben zu machen. �Sie haben eine gantze Seite
von franz�sischen > geschrieben, welches so gut gerathen, da� man dem printzen einen eigenen Schreibzeug mit allem
Zubeh�r �bergab." Viel Methode f�r die Einf�hrung in diese primor6i� rnilitiae litterarum scheint Veguelin aller-
dings nicht gehabt zu haben, denn auf das �franz�sische" folgt eine Seite mit 0, e und u.
h�ren wir nun, da� der Prinz am 29. Januar �wegen ihrer Unp��lichkeit nicht die Gnade haben konnten,
zum Geburtstag der gn�digsten Mama seine Gl�ckw�nsche schriftlich und m�ndlich, wie Sie es bereits sich vorgenommen
hatten, zu verrichten," so ber�hrt uns das nach jenen Vorstudien nur dann sonderbar, wenn wir nicht wissen, wie
gern Ainder in hieroglyphischen Zeichen ihre lieben einfachen Gedanken zum Ausdruck zu bringen suchen, welche
Mutter ist nicht Dolmetsch solcher Schriftz�ge gewesen?
1 (Er erschien Zuerst im Magazin f�r bas Rirchenrecht, die Kirnen- und Gelehltengeschichte, Sani) I, 5. \77ff. Herausg. �ort
G. N). V�hmer. G�ttingen i887.
        
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