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Ein Geschenk Friedrichs des Großen an Katharina II.

Full text: Ein Geschenk Friedrichs des Großen an Katharina II.

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sie doch nichts Geringeres, als einen Herrscher ihrer Wahl auf den Thron der Zagelionen zu erheben und damit polen
der russischen A^achtsph�re einzuverleiben.
Den Veistand, den die Kaiserin zur Erreichung ihrer Alane bei den europ�ischen M�chten suchte, fand sie bei
Preu�en. Mit kluger und geschickter Ausnutzung der politischen Konjunktur bot A�nig Friedrich ihr ohne Z�gern
seine Hand, und indem er statt des nur auf die polnische R�'nigswahl bez�glichen Abkommens, das sie im Auge hatte,
den Abschlu� eines Defenswb�ndnisses durchsetzte, gewann er in Ru�land den kr�ftigen R�ckhalt, dessen er allen
Revanchepl�nen des wiener Hofes gegen�ber dringend bedurfte. Diese Allianz mit Ru�land bildete f�r die folgenden
beiden Jahrzehnte den Grund- und Eckstein der preu�ischen Politik.
Am 5. Oktober 1?65 starb K�nig August III., am ?. September erfolgte in Warschau die Wahl des
russischen Aandidaten Stanislaus- August stoniatowski zum polnischen A�nig, einstimmig und widerspruchslos. Drei
Tage darauf schrieb Friedrich aus Breslau, wo er sich damals befand, an Aatharina: �Endlich stehen wir am Zeit-
punkt, wo ich Ihre Aaiserliche Majest�t zum gl�cklichen Gelingen Ihrer Alane auf Polen begl�ckw�nschen darf.
Aein Reichstag war je so ruhig, keine Wahl je so einm�tig wie die von Stanislaus poniatowski." Die Gr��e ihres
Erfolges, den sie ohne Arieg, ja fast ohne Schwertstreich errungen hatte, pries er �berschw�nglich mit den Worten
des Alten Testamentes: �Gott sprach, es werde Acht, und es ward Acht/"
Indessen stand Aalharina noch keinesweg am Ziele ihrer w�nsche; auch war sie keineswegs gesonnen, mit
dem bisher Erreichten sich zu begn�gen. Aber indem sie sofort begann, an die Reform der polnischen Verfassung zu
gehen, f�hrte' sie Ru�land neuen Verwicklungen, neuen A�mpfen entgegen. Die Gleichstellung der bisher aller politischen
Rechte beraubten Dissidenten mit den R�misch-Aatholischen, die sie mit Gewalt durchsetzte, entfesselte in f)olen den
B�rgerkrieg. Russische Truppen fochten auf Seilen der Dissidenten. Eine Grenzverletzung f�hrte endlich zum Vruch
mit den T�rken, die bereits mit scheelem Auge die Erhebung von Stanislaus auf den polnischen Chron angesehen
und seither mit wachsender Eifersucht das herrische Auftreten der Russen in Oolen verfolgt hatten. Am 6. Oktober 768
fand in Aonstantinopel jene dramatische Szene statt, da der Gro�vezier in leidenschaftlicher Erregung von dem russischen
Gesandten Vbreskow die Rechtfertigung des russischen Vorgehens forderte, um ihn dann in die Sieben T�rme als
Staatsgefangenen bringen zu lassend wenige Wochen sp�ter folgte das t�rkische Ariegsmanifest.
Abermals ergriff A�nig Friedrich die Gunst des Augenblicks. Vbwohl das V�ndnis mit den Russen noch
drei Jahre dauerte, beantragte er doch schon jetzt dessen Verl�ngerung auf weitere zehn Jahre. Aach mancherlei
Schwierigkeiten gelangten am 23. Vktober ;?6Y auch diese Verhandlungen zum gl�cklichen Abschlu�.
Eben damals fanden die Beziehungen Aatharinas und A�nig Friedrichs ihren ersten pers�nlichen Ausdruck.
Ver preu�ische Vertreter in Petersburg, Graf Solms, berichtete am Oktober die Aaisenn habe ein kleines
Bild des A�nigs, das nach einem angeblich sehr �hnlichen Vriginalgem�lde angefertigt und von einem ihrer Gesandten
auf der Durchreise aus Berlin ihr zugestellt fei, �mit gro�er Freude" empfangen; er sei �berzeugt, wolle der A�nig
ihr sein Portr�t in gro�em Format und direkt senden, w�rde es ihr sehr willkommen sein. Dieser Vorschlag setzte
Friedrich, wie er am 26. Vktober seinem Gesandten antwortete^, �ein wenig in Verlegenheit", meinte er doch, da�
ein Gesicht, das das Gepr�ge seines Alters tr�ge, nicht eben sehr �die Wi�begier einer sch�nen F�rstin" zu reizen
verm�ge; vielleicht, so fuhr er fort, k�nne er sich eher zur Sendung seines Vildes entschlie�en, sobald es als Gegengabe
f�r das ihrige dienen solle. Und so beauftragte er Solms: �Geben Sie Ihrer Aaiserlichen Majest�t zu erkennen, da�,
beseelt von den: Wunsche nach dem Besitz ihres Bildnisses, ich Ihnen ausdr�cklich befohlen h�tte, sie darum zu bitten,
und da� ich ihr zu unendlichem Dank verpflichtet sein w�rde, wollte sie mir dieses Zeichen ihrer Freundschaft gew�hren."
Als Solms darauf, bei einem Empfange an, 27. November, der Aaiserin den Wunsch seines Herrn vortrug, bezeugte
sie ihm dar�ber ihre �vollst�ndige Befriedigung" und lie� ihrem hohen Alliierten erwidern, sie werde aus der
1 vgl. �Politische Corresponde�; Friedrichs des Gro�en" (k�nftig zitiert: P. ?.), Bd. 25, S* 488f. und Sbornif (Magazin der
Uaiserl. Rufs. Historischen Gesellschaft), Vd. 20, S, 20* (Petersburg, (877). � 'Vgl. p. 
    
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