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Ein Wahlspruch des Großen Kurfürsten

Full text: Ein Wahlspruch des Großen Kurfürsten

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einem beschwer- und recht verdr��lichen Affect sich sehr incommodirt und bel�stigt befunden", unterzog er sich wiederholt
zu Grie�bach �der 3aurbrunn Cur".
Die Strafburger Studienzeit fand, noch ehe der Markgraf das f�nfzehnte Lebensjahr vollendet hatte, ihren
Abschlu� mit der am Z^. April \659 von ihm frei vorgetragenen lateinischen �Aunstrede", die sein prd>ptor
Caspar von ?ilien ins Deutsche �bersetzt hat und, wie anzunehmen ist, nach dem Brause jener Zeit auch im
lateinischen Nrtext verfa�t haben unrb. 1 Unser Berichterstatter Sigmund von Virken erz�hlt:
�Damit Er aber seinen Herren Ober- und Mit-Vormundern, auch sonst m�nniglichen , eine probe zeigen
m�chte, wohin er seither mit seinen Studien eigentlich und haupts�chlich gezielet und wie weit Er es damit gebracht
h�tte: hat (Er eine sch�ne lateinische Oration, de Principatus bene regendi Artibus oder Pott der lVohl-Regirkunst
elaborirt, und selbige den 2\. April folgenden \65y 3a^?rs CY der l�blichen versitz Stra�burg in Gegenwart
t)errn Herz. Zohann-Augustens von Holstein, vieler Gr�flicher, Frevherrlichcr und anderer vornehnien Personen, auch
einer unglaublichen �TMnge der Studirenden 3u eil und anderen Volkes, h�chstr�hmlich memoriter gehalten und
Ihmc dadurch ein immer bleibendes tob und unsterblichen Nachruhni erworben; wie dann diese Option durch den
Druck etliche mal hervorgegeben worden und fast an alle Chur^ und F�rstliche H�fe in Teutschland gelanget. Ver
h�chstf�rtrcffliche f)rinz hat hierum den beyden Ersten R�mischen Kayfern Julio und Augusto auch feinen ruhmseelgsten
Stamm^Ahnen Johanni und Joachimo I., beyben Churf�rsten zu Brandenburg, und anderen hohen Personen l�blichst
nachgeahmet: welche auch in ihrer Jugend mehrmals �ffentlich declamirt und damit jene eine gro�e Hoffnung, die
nachmals an ihnen reichlich eingetroffen, in die Herzen der R�mer gepflan$et; besagte beyde HSchstl�bliche Churf�rsten
aber damit diese Ehre erwarben, da� jener der Ceutsche Cicero, dieser der Teutsche Nestor, 5ugenennet worden. ?s
fonte ja denen Anwesenden ein Freud-Wunder feyn, einen F�rsten also sch�n und zierlich von den Tugenden und
Regir A�nsten eines F�rstens reden zu h�ren. Er erwiese auch dadurch, da� Er nicht allein zum Regnen geborten,
sondern auch zum l�blich Hcgtren unterwiesen w�re. Zeit minder fonbe man sicherlich hoffen, da� so ein F�rstlicher
Redner und F�rst der Redncre, der die Geschicklichkeit hatte, einen F�rsten zu unterweisen, dereinst einen l�blichen
F�rsten sich erweisen, und, was Er hier geredet, im Werk darthun w�rde."
Die von dem jungen F�rsten gehaltene Rede preist als die vornehmsten Tugenden eines Herrschers: Gottesfurcht,
Treu und Glauben, Gerechtigkeit, G�tigkeit, Vemut, Friedfertigkeit. Worte der alten r�mischen Aaiser, in einem
Falle auch ein Ausspruch eines der deutschen Kaiser, Friedrichs I., werden als Zeugnisse angef�hrt, vorangestellt aber
ist der Aufz�hlung und Empfehlung der einzelnen Herrschertugenden als �h�chste Wahrheit" der Grundsatz, �da� ein
jeder l�blicher F�rst nicht so sehr ihm selber, als dem Volk und Nnterthanen leben, dein Nutz und Ivolwesen derer,
�ber die er gesetzet ist, dienen und alles sein Thun und Tassen zum Wachstum gemeiner wolfart einrichten solle".
Zu diesem Zweck �mu� alles sein Ratschlagen und Vem�hen zielen, auch er sich selbst also erweisen, da� aller anderer
Gesch�ftsweile durch seine Vesch�ftigung, anderer M�ssiggang durch seine Arbeit, durch seinen Flei� anderer Erg�tzlichkeit,
und anderer Schlaff durch seine Wachsamkeit in sichere Beschirmung genommen werde. Es soll in seinen Herzen und
Ged�chtnus jene Spruch-Rede unausl�schlich geschrieben stehen: Das gemeine Wolwesen ist das h�chste von allen Gesetzen.
Er soll immer zu bei sich gedenken, da� nicht das Staatswesen ihm, sondern er dem Staatswesen eigent�mlich zugch�re."
Und in diesem Zusammenhang beruft sich nun der jugendliche Redner auf den Aaiser Aelius Adrianus,
�des l�blichsten F�rsten Crajanus n�chsten Reichsfolger", der im Rat zu Rom sich oft habe vernehmen lassen: �Er
1 Die Bibliothek des Geheimen Staatsaktes 311 Berlin befitzt die zweite Auflage der Rede:
Christiadi Ernesti | Marchionis ] Brandenburgici , Etc. | D? j Principatus j Bene Regendi J Artibus | Oratio, ) Habita |In
Academia Argentoratensi !XXI. Apr. An. MDCLIX. | Serenitatis Suae Consiliarius [ Intimus Ecclesiasticus, | Generaiis
Superintendens, |Conciona - ! Tor Aulicus Supremus, Et Consistorii IAdsessor Primarius |Caspar a Lilien, | Cum Versione
Germanica | denuo edidit. | Baruthi |Typis Johannis Gebhardi. | An. Chr. MDCLXTX. (3 Vlatt �ni) 56 Seiten 4�.)
S. \
�
\$ eiitlialten die Rede, 5. ;?�22 die Einladung des Rektors der Stra�burger Universit�t 3oll.Heinr. V�ller, historiarum professor
Ordinarius, vom \?. April 3. 23� 2^ die Danksagung des Rektors; 25� 52 die deutsche Ueberfetznng der Rede und der Dankrede,
S, 53. 5^ zwei lobgedichte auf den f�rstlichen Redner von C. V. 8. und Sigmund von Virken.
        
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