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Zur Geschichte des Kronprinzen-Palais in Berlin, insbesondere der ehemaligen Wohnung der Königin Luise

Full text: Zur Geschichte des Kronprinzen-Palais in Berlin, insbesondere der ehemaligen Wohnung der Königin Luise

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mir zum Gebrauch vom Zeilpunkt meiner Verm�hlung ab �bergeben werden, une h�tte ich mich demn�chst n�her
auszusprechen, was f�r Ver�nderungen im Innern und �u�ern desselben von mir gew�nscht w�rden. Der K�nig
hatte ge�u�ert, die Haupttreppe m�sse Marmorstufen erhalten, und von vielen anderen decorationen gesprochen.
Voll dankbarer Freude schrieb ich umgehend an Seine Majest�t meinen und meiner Vraut Dank darbringend
f�r die gn�dige Gew�hrung eines uns allen so theuren Geb�udes, das uns auch von der Furcht befreite ins Schlo�
ziehen zu m�ssen.
Sogleich ward der Hofbau -Rath �tl-aclc, der von 5939 bis 43HY mein Zeichnenlehrer gewesen, den weiteren
Vau des Babelsberger Schlosses geleitet hatte und als uralter Bekannter immer schon die Hoffnung hegte, dereinst
meine k�nftige Vehausung bauen zu k�nnen, gebeten umgehend nach I^on�on zu kommen. Mit ihm wollte ich in
Gegenwart meiner Vraut und k�nftigen Schwiegereltern die erforderlichen R�cksprachen nehmen und gleichzeitig ihm
Gelegenheit bieten sich von manchen praktischen h�uslichen und ehelichen Einrichtungen in England Kenntni� durch
eigene Anschauung zu verschaffen.
Einen Tag vor seinem Eintreffen meldete ein Vrief, was seine m�ndlichen Aussagen best�tigten, da� am
?. Juni, dem Sterbetage des hochseligen K�nigs, bei der gew�hnlichen Ged�chtni�feier im Palais eine Ver�nderung
in der urspr�nglichen allerh�chsten Willensmeinung stattgefunden habe. Vie lebhaften Erinnerungen, welche j�hrlich
an jenem Tage wieder erweckt wurden, dazu nun in diesem Jahre der Gedanke, da� zum letzten Male von ihnen
allen jene R�ume so betreten w�rden wie seit so vielen Jahren, hatten bei einer wie begreiflich sehr weichen Stimmung,
den Wunsch erzeugt, doch die Wohnr�ume der hochseligen Gro�eltern int^t zu erhalten, selbst wenn wir das Palais
bewohnen sollten.
Demn�chst sollten die Zimmer beider et^sn linker Hand (nach dem Zeughaus sehend) unber�hrt bleiben und
blo� die rechte Seite unsere Wohnung ausmachen.
Va zu diesen, Zweck jedoch die wenigen �brig bleibenden Zimmer unm�glich gen�gen konnten, so sollte ein
Anbau nach der Kommandantur zu aufgef�hrt werden. Jedoch ward bald von diesem Vorhaben abgegangen, der zu
bedeutend werdenden n�thigen Ausgaben und wesentlichen Ver�nderungen.
Seine Majest�t bestimmten hierauf, da� des hochscligen K�nigs Sterbezimmer sowie das Schreib- und Schlafzimmer
nebst boudoir der hochseligen K�nigin nicht ver�ndert werden d�rften, im �brigen das Geb�ude nur �berlassen bliebe.
Vei meiner R�ckkehr aus England zum 5. Juli fand ich beide Majest�ten verreist, und kehrte der K�nig
erst zum I.August wieder nach Potsdam zur�ck, gleichzeitig mit der Kaiserin Mutter, die ich auf ihrer R�ckreise nach
Ru�land begleitete, auf Vefehl Seiner Majest�t der Feier der Kr�nung Kaiser Alexanders II. inMoskau beizuwohnen,
wenige Tage vor meiner Abreise dahin gestatteten Seine Majest�t einen gemeinschaftlichen Vortrag von nur und den
Vber-Hofbaur�then 5t�ler und �track �ber den Palais- Vau.
Seme Majest�t genehmigten bei dieser Gelegenheit das Einrei�en des ganzen Fl�gels nach der wallstra�e,
der als feucht und bauf�llig von Sachverst�ndigen erkannt worden war, und dessen wiederbau mit einem I.Stockwerk.
Ferner w�nschten Seine Majest�t einen 5.Stock auf dem Hauptgeb�ude aufgef�hrt zu sehen, die aus Gypsstuck
bestehenden Facaden Pilasten canneUrr und mit cnrintniscnen Kapitalen versehen zu haben, und das rechte Eckfenster
des Zfenstrigen Zimmers neben dem fr�heren Speisesaal, das die Symmetrie st�rte, abrei�en zu lassen.
Eine vorfahrt unter einem S�ulenporticus, sowie eine vei-an^H l�ngs des H�schens nach der Kommandantur
ward ebenfalls bewilligt.
Wegen der inneren Einrichtung erkl�rten Seine Majest�t durchaus nicht zu verlangen, da� die oben bezeichneten
Zimmer unver�ndert erhalten blieben; es solle nur nichts an den Mauern ver�ndert werden, im �brigen sei Alles
neu zu beschaffen. Ein Verbw�ungsgang parallel der R�ckwand s�mmtlicher Zimmer nach dem Zeughaus zu, um
ungesehen aus den Zimmern der Prinzessinnen in die meinigen gelangen zu k�nnen, ward nicht ohne mehrere aller�
h�chste Einwendungen nachgegeben. Dagegen konnten sich Seine Majest�t nicht entschlie�en meinen Wunsch zu gew�hren,
und aus der vorhandenen einarmigen Creppe eine doppelarmige erbauen zu lasse�.
        
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