Path:
Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

182
l�stig fallen w�rde. Er brauche nichts �uf sie zu 5pen6iren", sondern sie wolle �sich schon selbsten uf ihre eigene
Unkosten ohne einzige Beschwer unterhalten" und �darmit gerne zufrieden sein", wenn er ihr �einPl�tzchen oder Aembtchen,
da wo) sie bauen k�nte, einr�umen oder aber zu A�nigsberg nur ein kosamentchen uf'm Schlosse wo anweisen lassen"
w�rde. An diese Worte kn�pfte sie einige scharfe Bemerkungen �ber die Art und weise, in der die Senatoren an-
geblich mit der jungen A�nigin Christine umgingen. Dieselben, �u�erte sie voller Entr�stung, s�hen es am liebsten,
da� ihre Tochter �sich nimmermehr verheiraten t�te" oder mindestens damit bis zur Vollendung ihres vierundzwanzigsten
Lebensjahres wartete, obwohl es doch keineswegs �manierlichen" sei, �da� ein Weibesbild so lange ufgehalten" w�rde,
sie wollten Christine sogar �nicht recht einten) Brief lesen, verstehen, noch viel weniger schreiben sdarvon sie noch
wenig k�nnte) lernen lassen", sondern richteten weit mehr ihr Augenmerk darauf, da� sie ��ber die Tische springen und
sonstcn dergleichen mehr vollf�hren" m�chte. Trotz alledem, so beteuerte sie, liebe ihre Tochter sie �genugsam" und
werde sicher, sobald �Gott sie Zum verstand bringen" sollte, aufs strengste �es zu eifern wissen", da� man ihre
Mutter so schlecht �tracUret und gehalten" und dadurch zum Verlassen des schwedischen Reiches gleichsam gezwungen habe.
Hetzt endlich konnte Schr�tel zu Worts gelangen. Er versicherte, da� sein kurf�rstlicher Herr tiefes Mitleid
mit seiner Schwester empfinde und sehnlichst die Wiederherstellung des Friedens w�nsche, uni mit ihr in sireu�en
pers�nlich sprechen zu k�nnen. Vie von ihr im taufe des Gespr�ches ge�u�erte Absicht, ihre vom Senat schwer ver-
d�chtigten �Viener deutscher Nation" durch schwedische Untertanen zu ersetzen, erschien ihm wenig ratsam, da �die
Herrn Schweden so Zcnaturet" seien, da� sie, �wo man ihnen nur uf ein Handbreit Zula� giebet, ein^en^ ganzen
Arm voll darvor nehmen th�len und allbercit^ vorhin schon zuviel Gewalt sich unterstanden oder unterfangen h�tten".
Allein Maria-Sleonora meinte, dies sei von feiner Bedeutung, da sie ohnehin �das l�ngste in Schweden gewesen zu
sein" hoffe. So lange bis ihr Bruder nach Preu�en k�me, k�nne sie jedenfalls unter keinen Umst�nden warten,
sondern sie sei fest entschlossen, im k�nftigen Fr�hjahr dorthin zuziehen, m�ge auch der Senat inzwischen in Schweden
mit ihrem tcibgedinge nach Belieben �hausieren". Bevor sie den Abgesandten entlie�, erteilte sie ihm noch einige
Auftr�ge. Er solle, so sagte sie, den Aurf�rsten vor den brandenburgifchen Geheimr�ten von Blumenthal und von f)fuel
warnen, die �alle Heimlichkeiten dem Herrn Reichs-Canzler hereinschrieben und gro�e can�per�tinn s!) hielten". Vor
allem aber bat sie ihn schluchzend, ihrem Bruder schriftlich wie m�ndlich ihr �gro�es Llend" vorzustellen und bei
ihm darauf hinzuwirken, da� er �mit ehiftem" ihr �eine verschreibung �ber das Haus Angerburg", die sie zum
Scheine den Reichsr�ten vorzeigen k�nne, sowie einen Brief mit der Aufforderung, �hinaus in Preu�en zu kommen",
�bersenden m�ge. Denn sie selber d�rfe ihm diesmal, da es jetzt hier �allzu liederlichen" hergehe, leider kein
�Handbriefchen" an Georg-Wilhelm mitgeben.
Am 26. Mai traf Schr�tel wieder in Stockholm ein. Seine erste offizielle Visite in der Landeshauptstadt
galt dem Halbbruder Gustav-Adolfs, Reichsadmiral Aarl Gyllenhielm, der, wie wir uns von fr�her her erinnern,
zu den wenigen aufrichtigen Freunden der R�nigin^witwe z�hlte. Derselbe beklagte in herzlichen Worten nicht nur
die schwedisch-brandenburgischen Feindseligkeilen, f�r deren Ausbruch er �brigens den Grafen Adam von SchwarzenberZ
verantwortlich machte, sondern auch den �betr�bten Zustand" seiner Schw�gerin, sprach aber gleichzeitig den dringenden
Wunsch aus, da� sie trotzdem �ihr vornehmen �ndern, ihr Anliegen lindern und bei dem K�niglichen Fraulem
best�ndig verharren" werde. Hierauf besuchte er die stfalzgr�fin Aatharina, die sich in �hnlichem Sinne �u�erte und,
als er ihr die furchtbare �spnlirung" Aurbrandenburgs durch die Schweden schilderte, sch�chtern bemerkte: keidsr
d�rfte sie �nichts darzu reden und w�re Stillschweigen das beste Mittel, dan die Regierung jetzo nach ihrem Gefallen
herrschte". Ver Empfang, der ihm seitens des Reichskanzlers zuteil wurde, war recht unfreundlich, da er durch seine
sofortige Reise nach Gripsholm, ohne vorherige Meldung bei der VormundschaftsregierunZ, deren Mi�trauen geweckt
hatte. Grenstierna, der ihn sogar des geheimen Ginverst�ndnisses mit dem kurz zuvor in Stockholm gesanglich ein-
gelieferten Brandenburger Hans-Georg von Arnim und der Anstiftung des preu�ischen Reiseprojektes hochverd�chtig
hielt, schrie ihn bei seinem Eintritt sogleich mit den Worten an, wie er sich erdreisten k�nne, �an I.Agl. Maj. zu
schreiben und Sie in Gedanken derma�en zu perwrbic-en, da� I.Maj. jetzo solche Ahantasei in'n Aopf
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.