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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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dem Cage nach ihrer Wiederankunft in Gripsholm, an ihren pfalzgr�flichen Schwager richtete und das die flehentliche
Bitte enthielt, er und die Seinigen m�chten doch die junge K�nigin �sich befohlen sein lassen und stei�ig Acht auf sie
haben, wie sie alle Zeit vordem auch aethan". �Ich habe", so f�hrt sie fort, �hohe Nrsach, Gott zu danken, der sie (!)
solch ein gut kindliches herz gegen mir (!) bescheret. Gott erhalt sie dabei bis an mein Ende und la� sie lange mir zu
Trost �ben".1 Erst acht Jahre sp�ter sollte es ihr verg�nnt sein, ihr einziges "Kino wieder in ihre Arme schlie�en zu d�rfen.
sofort nach ihrer Ankunft in Gripsholm traf Maria-Eleonom die letzten Vorbereitungen zur Flucht. Schon
seit l�ngerer Zeit hingen im Zimmer ihres Aammerjunkers von Aogrell �zwei schlichte Sammet-S�ttel", die sie f�r
sich und f�r Anna-Sophie von B�low heimlich in N?k�ping hatte anfertigen lassen. Jetzt gab sie Vefehl, da� aus
ihrem Marstall zwei �G�nger" und zwei �Reitpferde" in den auf der gegen�berliegenden Seite der M�larbucht
gelegenen �Tiergarten" zur weide gebracht w�rden, da es �den Pferden gesund w�re, da� sie im Grass gingen",
Ferner lie� sie � unter dem vorwande, da� sie von niemand gesehen sein wolle, �man sie hinunter spatzieren ginge" �
den schon erw�hnten, Ende von ihr angelegten �Taubengang", der von der Gartentreppe ihrer Gem�cher bei-
nahe bis ans Ufer des M�larsces reichte, �mit Maien dicht umher zumachen und bestecken".
Als ihr am 5^.Juli das Wiedereintreffen Jakob Rafes gemeldet worden war, schritt sie zur Ausf�hrung des
Fluchtplanes. Zun�chst lie� sie ihren Hofmarschall Ivar Nilsson (Natt och Vag) zu sich rufen und beauftragte ihn, eilends
in ihrer gew�hnlichen Sommerresidenz Str�msholm alles f�r sie �zurichten zu lassen", da sie in acht oder vierzehn
Tagen daselbst f�r l�ngere Zeit Aufenthalt zu nehmen beabsichtige. Nachdem sie sich auf solche weise ihren l�stigsten
und gef�hrlichsten Aufpasser vom Halse geschafft hatte, lie� sie in ihre Gem�cher �sechs St�ck grob^ Vrell-Cischlaken"
hinaufbringen, in die sie einen Teil ihres Hausrats �heimblich einwicklete" und die ihr Rammerjunker Wilhelm von Ducke r
einige Tage sp�ter, zusammen mit seinen, eigenen Gep�ck, in der �Aiste" des Hoffr�uleins von V�low auf dem kandwege
gl�cklich �ber die schwedisch-d�nische Grenze brachte. Sobald das Einpacken beendigt war, berief sie ihr gesamtes Hof-
personal zu sich und erkl�rte in dessen Gegenwart ihrem Hofprediger Tank, da� sie von, n�chsten Morgen ab wieder
�ihre Vettage halten" wolle, und zwar diesmal sechs statt drei. Denn erstens k�nne sie in solchem Falle im n�chsten
Monat l�nger bei ihrer Tochter in Stockholm bleiben. Au�erdem aber habe sie allen Anla�, Gott herzlich daf�r
zu danken, da� �sie mit der Regierung nun so woll st�nde" und da� die Reichsr�te sie neuerdings bei allen ihren
Forderungen so sehr �favorisii-ten". �Machet", rief sie ihrer Dienerschaft zu, �nun alles auf sechs Tage fertig, was ich zu
essen und zu trinken n�thig habe; dan ich werde mich in sechs Tagen nicht sehen lassen". Niemand in ihrer Umgebung
nahm an diesen Worten Ansto�, da sie es ja �in den vorigen Bettagcn auch eben also gehalten" hatte. Abends wurden
ihr f�r sechs Tage �Speise und Trank" in ihre Gem�cher gebracht, worauf sie sich mit dem Hoffr�ulein von V�low einschlo�.
Nichts regte sich im Schlosse, als der August anbrach. Va
�
es war �die Glocke eins in der Nacht" �
�ffnete sich pl�tzlich die von den Gem�chern der A�nigin-Witwe in den kustgarten f�hrende T�r. keise schlichen
Maria-EIeonora und Anna-Sophie von V�low die Gartentreppe hinunter und eilten durch den langen verdeckten
�(aubengang" an die M�larbucht, wo der Aammerjunker von siogrell und der Maler Spitzmacher in einem �Fischer-
boot" ungeduldig ihrer harrten. Schnell ergriffen sie die Ruder, und, da das Wasser an jener Stelle nur �ein paar
Muskctenschu� breit" war, landete man schon nach wenigen Minuten an der gegen�berliegenden Seite. Hier stand
Jakob Rafe mit den� f)ferde, das er f�r einen Reichstaler dem Tandpolizisten f)edersson abgemietet hatte, sowie mit
den vier im Tiergarten weidenden Pferden der A�nigin-Witwe seit mehreren Stunden in Vereitschaft. Sofort schwang
sich die ganze Gesellschaft in den Sattel und sprengte mit verh�ngten Z�geln in der Richtung auf Trosa davon.
Ver brave tandpolizist Nils pedersson im V�rfchen Daggunga war nicht wenig erstaunt, als um die Mittags-
zeit eine kleine Schar auf staubbedeckten, schwei�triefenden Rossen pl�tzlich vor seinem Geh�ft Halt machte. Jakob Rafe
erkannte er nat�rlich sogleich wieder. Vagegen konnte er sich nicht erinnern, die beiden schwarzgekleideten Vamcn
mit wei�em Schleier sowie deren Vegleiter � �einen Aerl mit schwarzem Haar" und einen Mann in �grauem Jackett"
'
vgl. das eigenh�ndige Schreiben Maria-Eleono ras an Johann- Kasimir, dat. (Ichwel�. Relchsarchiv.)
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