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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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in geradezu �berschwenglichen Dankesworten. Am liebsten w�re sie freilich, mit Benutzung der vorz�glichen Schlitten-
bahn, sogleich auf dein Landwege heimlich nach der d�nischen Grenze aufgebrochen, zumal schon seit Weihnachten �an
vier oder f�nf pfeife unterwegens" bereitstanden, die Jakob Rase gekauft hatte, um ihr �Herauszuhelfen". Infolge-
dessen bot lVibe seine ganze Ileberrcdungskunst auf, um ihre Bef�rchtung 511 widerlegen, da� sie �zur Sommerszeit
nicht so gro�e Freiheit Ifabin" werde, und wies au�erdem nachdr�cklich auf die vielen Gefahren hin, mit denen die
Ausf�hrung ihres winterlichen Fluchtvlancs verkn�pft sei. Va die A�nigin-Ivitwe jedoch ihm gegen�ber ihr Projekt
nach wie vor aufs eifrigste verteidigte, glaubte er bei seinem Scheiden ihr und ihrem Hoffr�ulcin sicherheitshalber auch
noch Vorschriften geben zu m�ssen, wie sie fiel] �schicken" sollten, damit es bei einer etwaigen baldigen Flucht
�behutsam zuginge". Vor allem empfahl er ihnen, da� sie an den �Vcttagen" �bei Aibe Fein holz, sondern Kohlen
brennen" sollten, damit sie �der Rauch nicht �erriete", sobald sie �weg w�ren". Auch lie� er Anna-Sophie von B�low
�noch absonderlich" in die �Aammer" des Malers Spitzmacher rufen, wo er ihr im Namen ihrer Herrin wie auch
seines eigenen A�nigs �ein stattlich recompens" f�r den Fall gelobte, da� sie �verschwiegen und getreu sein" w�rde.
In Nyk�ping war man begreiflicherweise nicht wenig erstaunt, als Graf IValdemar am Tage nach seiner
wiedcrankunft, anstatt seine Reise nach Dalekarlicn fortzusetzen . ganz unerwartet den Heimweg nach D�nemark antrat,
ohne sich bei der jungen K�nigin oder deren Vorm�ndern zu verabschieden. Nur mit M�he gelang es dem Residenten
wibe, in einer anderthalbst�ndigen Aonfcrenz beim Reichskanzler das sonderbare Benehmen des Grafen wenigstens
einigerma�en zu entschuldigen. So wenig stichhaltig der schwedischen Regierung aber auch die angeblichen Gr�nde f�r
die pl�tzliche Nmkehr des Grafen erscheinen mochten, so ahnte doch niemand die volle Wahrheit. Niemand verfiel
auf den Gedanken, da� unter dem stattlichen Reisegep�ck des Grafen, das wibe bald darauf nach Aovenhagen zur�ck
schickte, sich auch mehrere �Aasten" befanden, in denen �allerlei Sachen zu I.Agl. Maj. Aleidersn^" waren.
Es braucht wohl kaum besonders hervorgehoben zu werden, da� Maria-Sleonora seit Anfang Februar 1,6HU
f�rmlich der Boden unter den F��en brannte. Noch w�hrend des Sp�twinters traf sie wiederholt Anstalten, uni mit
dein Beist�nde Jakob Rafes heimlich auf dem Landwege Schweden zu verlassen. Allein jedesmal verhinderte, den
Worten Ivibcs zufolge, Gott durch �cxtr�orclin:nr? Mittel" ihre Abreise. Das erste Mal scheiterte ihr Vorhaben
daran, da� es gerade damals auf allen schwedischen Bandstra�en von Sp�hern wimmelte, da von der Regierung eine
hohe Belohnung f�r die Ergreifung des Aammerherrn Claes von Stiernsk�ld ausgesetzt worden war, der eine Hofdame
der jungen A�nigin, Margarete von Scheding, drei Ivochen vor deren Verm�hlung mit einem Aammerjunker,
heimlich entf�hrt hatte. Das zweite Mal aber wurde sie, inmitten der eifrigsten Vorbereitungen zur Flucht, pl�tzlich
von einer nicht unbedenklichen �Schwachheit" befallen, von der sie erst genas, als die warme M�rzsonne bereits alle
Wege unpassierbar gemacht hatte. So sah sie sich denn gen�tigt, vorl�ufig gute Miene zum b�sen Spiele zu machen.
W�hrend eines mehrw�chentlichen Aufenthaltes in Nyk�ping, wo sie Ende M�rz die Hochzeitsfeier der Tochter des
Reichskanzlers, Aarin Vxcnstierna, nn't ihrer Anwesenheit �con�ecorirt" haltes er�ffnete sie dein d�nischen Residenten
Anfang April in, Vertrauen, da� sie sich erst im Sommer heimlich zu Schiffe in ihre ostpreu�ische Heimat begeben wolle.
Inzwischen hatte man nichts verabs�umt, um den brandenburgischcn Aurf�rsten f�r den Fluchtplan seiner
schwedischen Schwester zu gewinnen. Ver schon erw�hnte Student Venedikt Benzig, der mit einem Schreiben derselben
Ende Januar 1FH0 in A�mgsberg angelangt war und, um �seinem Studiren nachh�ngen" zu k�nnen, mehrere Monate
sich dort aufhielt, erz�hlte unerm�dlich wahre Schauergeschichten von den b�sen Reichsr�ten, die, seiner Behauptung
zufolge, �der A�nigl. Frau Wittben sowohl sals^ auch der jungen A�nigl. Arincessin nach Ivunsch lieber heute als
morgen entlediget w�ren", �gerne ihr H�ndchen allein in der Regierung f�hren m�chten" und Maria- Eleonora nicht
nur �in h�chster unschuldigen Verfolgung" schweben lie�en, sondern ihr sogar nach dem Teben trachteten, so da� sie sich
�vor unger�umte ungeseihte?) S�ppchen" sehr zu h�ten habe. Bald darauf erschien in der Hauptstadt Gstpreu�ens
auch ein gewisser Severin Rinck (Ring?), der vermutlich einer der wenigen, noch Zu ihrem Hofstaat geh�renden �deitzschen
!vgl. im Zchwed. ReichZarchiv: M."Elconora an Vxcnstiema, Gripsholm 2^. Febr. / 5.M�rz
        
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