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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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aufeinanderfolgende Fasttage eingef�hrt, au denen sie sich, nachdem man ihr �auf drei Tage" Speise und Trank
hereingebracht hatte, in ihren Gem�chern mit einer ihrer Hofdamen einschlo�, w�hrend drau�en vor der verschlossenen
T�re der Hofprcdiger Jakob Tank alle Tage �Vctstund halten" mu�te.'
Vhne gewandte 11116 zuverl�ssige Helfershelfer war ein Gelingen der Flucht nat�rlich von vornherein undenkbar.
Schon im 3u?i J 639 hatte daher die verwitwete K�nigin ihr Hoffr�ulein Anna-Sophie von V�low ins Vertrauen
gezogen, nachdem diese ihr einen �hohen Eid" geschworen, da� sie es �keinem Menschen verraten" werde. 3m taufe
der n�chsten Wochen gelang es dann dein d�nischen Residenten, mehrere andere Personen durch Geld und gute
Worte f�r die Zache Maria-Eleonoras zu gewinnen: einen D�nen namens Jakob Rase und einen Elbinger namens
Christian Rautenberg soder Rodenberg), die beide fr�her in seinen Diensten gestanden hatten und recht �leichtsinnige
V�gel" gewesen fein sollen, ferner den Liebsten des Fr�uleins von ?3�lott>, einen aus Schlesien geb�rtigen Hofjunker,
Georg-Wilhelm von Oogrell, und vor allem den Augsburger �Controfcyer" Bartholom�us Spitzmacher (oder Spitzmachel),
der bei seinen h�ufigen Boteng�ngen zwischen Gripsholm und Stockholm sich jedesmal so geschickt herauszureden wu�te,
da� keiner der Senatoren von dem regen heimlichen Briefwechsel der verwitweten K�nigin mit lVibe auch nur das
geringste ahnte. Zu den in D�nemark bezw. im Herzogtum Preu�en erfolgreich wirkenden Handlangern Maria-
?leonoras geh�rten an erster Stelle der Student Vcnedikt Benzig, ein gewisser Screrin Rinck (Ring?), ihr oft erw�hnter
fr�herer Hofmarschal! von Pen tz und ihr ehemaliger Hofk�mmerer von Aleinau, der, wie sich halb genug seigen sollte,
in den schwedischen Regierungskreisen sehr zu Unrecht als �gro�er, naseweiser f)hantast" galt. Die Seele des Ganzen
war der d�nische Resident NAbe, der, wie die K�nigin-Witwe damals zu sagen pflegte, es stets �recht mit Cveue
meiuete", ihr als �redlicher ZTTann" unerm�dlich mit Rat und Tat zur Seite stand und im Fr�hherbst 1659 ihr sogar
000 Reichslaler (etwa 200000 Reichsmark) vorstreckte, deren sie zur Ausf�hrung ihres Vorhabens �hochn�tig" bedurfte.
So standen die Dinge, als Anfang der d�nische Graf waldemar, ein Sohn Christians IV. aus dessen
morganatischer Ehe mit Christine von Nlunk, in N^koving eintraf. Seinen: vorgeben nach war er lediglich deshalb
nach Schweden gekommen, um die in Dalckarlien liegenden Aupfergruben zu besichtigen. Am 27. Januar wurde er
von der jungen R�nigin in feierlicher Audienz empfangen. Ihrer Mutter dagegen, die seit Weihnachten bei Christine
zum Vesuche weilte, machte er zun�chst absichtlich keine Aufwartung. Erst als Maria-Gleonora, infolge heimlicher
Verabredung, in ihr Teibgedinge zur�ckgekehrt war, begab er sich � unter dem vorwande, da� er sein fr�heres
Vers�umnis unbedingt nachholen m�sse
�
in Vegleitung wibes nach Gnpsholm, wo beide von ihr pr�chtig �einlogirt"
und �k�niglich tractirt" wurden. Aaum hatten sie ihr insgeheim hier mitgeteilt, da� K�nig Christian ihr �im
k�nftigen Sommer" bei einer Flucht �mit Schiffen ils�istiien" wolle, so wurde sie �unsagbar froh" und ersch�pfte sich
1 Hebet die Flucht und deren Vorgeschichte sind wir verh�ltnism��ig gut unterrichtet. Vie wichtigsten Quellen sind eine eigen-
h�ndige Relation Kletnaus an de� Kurf�rftcit Georg-Wilhelm, dat. Nyfj�bing 22, Aug./^. Sept. J6-k> (preu�. HauZarchio) und eine
lhH5 von Anna^ophie von V>nlow verfa�te �Relation, wie 3- Agl. ?lTaj. die K�nigliche StJiits^iOittoe aus Schweden gekommen und ruas
f�r UrfachI.Kgl. Maj, hat vorgewendet und wer ?latl}und Chat darzu gegeben un�> 3. ?lgl. Maj. darzu geholfen" (�Handl. r�r. Skand.
tust.", XXI, S. 39�52 [Storftf. (B36]). wertvolle Erg�nZimgeu bieten auch: die fragmente l�tbes feit Anfang 1,6^0 (Fryxel!
Handlingar etc., I, 68
�
76); ein Schreiben !l??cia'(?leoiioras ,Kopenhagen 2./l5.Iuni I6H5 (gedr. bei 3- Vilmark, Dissertatio academica
causas discessus Reginae Viduae Mariae Eleonorae e Suecia breviter proponens, 5. 7 ff. Abo 5?H5^); ein Bericht, b?t. Stockholm 2.(\2. Ulla,. (6^0
(gedr. bei 3- Apclblad, Rescbeskrifning �fver Saxen, S. **�52 [Storffy t?59]); ein eigenh�ndigcZ schreiben Christians IV. an Mfeld,
bat. Rosenborg 6./(6. 3 "i (64� (gedr. bei ?�ricfa u. $riberici?, Kong Christian IV.'s einh�ndige Kreve, IV, 5. 3*8ff. [Kopen-
hagen 1.882]); die offiziellen SenatsprotoFolle vom 3./^3. Aug. t�^o u. bez. 5./^5. 16^1 (�Sv. Riksr�dets Protokoll", VIU,
S. |7�ff., 22 m. 440�45). Eine kurze, im wesentlichen zutreffende Schilderung der Flucht findet sich bei S, 33er gtj (a. a. V. XXII,
5. 2\2� (�); sie ist ron mir erheblich erweitert, in einigen kleineren Punkten auch berichtigt worden. 3" den Einzelheiten v�llig nberholt
ist die Schilderung von Engelstoft (a. a. V. VII, S. \z�\i)\ auf ihn st�tzt sich Fridcricia (a. a. V. II,S. 2^n�^8), dessen geist�
volle Reflexionen aber noch heuie Veachwng verdienen. 5" erw�hnen ist schlie�lich O. Malmftrsms Heine Abhandlung: ��nkedroiminfi
Maria -Eleonora och henn�s flyktl.,11 Danmark" (l?elsingborg, (8'i�; Gymnasialprogramm), die mein Int�resse juin erstenmal auf die Gemahlin
Gustav -Adolf? gelenkt hat. Mehrere Angaben habe ich auch den in den sp�teren Anmerkungen erw�hnten ungedruckten Vliesen usw.
entnehmen ksnnen. Meine Darstellung beruht auf einer genauen kritischen Dergleichung der verschiedenen, oft einander widersprechenden
Quellen. Eine Ver�ffentlichung des kritischen Apparats f�r jede einzelne Mitteilunghabe ich indessen, il� yinb�ck auf den Charakter des
Hohenzollern -Jahrbuches, vermeiden 311 sollen geglaubt.
        
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