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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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bedauerliche Unerfahrenheit in allen Geldsachen, ihre beispiellose Gutm�tigkeit und ihren ungl�ckseligen hang zur
Verschwendung auszubeuten wu�ten. Schon am 9� Februar also nue wenige Wochen nach ihrer Ankunft in
Gripsholm, mu�te sich der Senat ernstlich die Frage vorlegen, ob nicht ein schleuniges Eingreifen der Regierung
erforderlich sei, da �die derzeitige administration des keibgcdinges der Krone und 3*Kgl.ITlaj, nicht nur zum Schaden,
sondern auch zu gro�em despect gereiche". (?$ kam zu einer ziemlich erregten Debatte. Von den heinilichen und
offenen Gegnern (Eleonores, die ihre Entm�ndigung und die sofortige Ernennung eines Verwalters f�r ihr
keibgedinge verlangten, wurden nicht weniger als sieben verschiedene Gr�nde ins Treffen gef�hrt. Vor allem sprach
man die Bef�rchtung aus, da� die X^ronc schlie�lich f�r das �gewaltige tab>'rinth von Schulden", in das die ver-
witwete K�nigin geraten sei, werde aufkommen muffen, und man machte deshalb den Vorschlag, beizeiten mit ihr
ebenso zu verfahren, wie �mit Rindern und anderen, die das ihrige nicht selber verwalten k�nnten". Aber auch die
Freunde Maria-Eleonoras biteben keineswegs stumm. Ritterlich traten sie f�r die Gattin ihres verstorbenen Herrschers
in die schranken und verfochten nachdr�cklich Me Auffassung, da� �bisher nichts passiert fei, was zur Anwendung
eines so scharfen Mittels Anla� geben k�nne". So entschied man sich denn nach l�ngerer Diskussion daf�r, �gleichsam
schrittweise" vorzugehen. Am folgenden Cage fanden sich die Mitglieder des Reichsrals in corpore bei der K�nigin^
U)itwe ein, Me vor�bergehend in der 3anoesresidenz bei ihrem leicht erkrankten T�chterchen zum Vesuche weilte, stellten
ihr die Notwendigkeit einer besseren Finanzwirtschaft vor und erlangten in der Tat von ihr das versprechen, dem-
n�chst in ihrem teibgedinge einen der Senatoren empfangen zu wollen, der ihr �gute concilia erteilen", alles �in
Augenschein nehmen" und �zusehen" sollte, ob sich die Dinge nicht �auf irgendeine Weise remediren" lie�en.
Rein Geringerer als der Reichskanzler Axel Gxenstierna war es, dem diese heikle Aufgabe zufiel. Sein
pl�tzliches Erscheinen in Gripsholm (etwa Mitte April) rief anfangs allgemeine Vest�rzung hervor. In den, Glauben
befangen, sie solle unter Vormundschaft gestellt werden, lie� Maria-Eleonora alle ihre Rechnungen und sonstigen
Papiere eilends aus der Ranzlei in ihre privatgem�cher schaffen, damit Gxenstierna �ihnen nicht beizukommen ver-
m�chte". Dieser wollte, als sich, nach Aufhebung der Tafel, die Mitglieder des Hofstaates entfernt hatten, ihr sein
offizielles Beglaubigungsschreiben �berreichen. Aber die verwitwete K�nigin lie� ihn lange gar nicht zu Worte kommen,
suchte geflissentlich jeder Anspielung auf das in Stockholm getroffene Abkommen vorzubeugen, indem sie sich in anderen
.,6iLcur5en" erging, und legte sein Rreditiv uner�ffnet beiseite. Um so mehr mu� den Uneingeweihten nat�rlich die
bezaubernde Liebensw�rdigkeit �berraschen, womit sie am Nachmittage des folgenden Tages pl�tzlich dem Reichskanzler
begegnete. Sie gew�hrte ihm Einsicht in ihre Papiere, damit er dem Senat �um so besser rapport erstatten" k�nne,
billigte seine ineisten Ersparnisvorschl�ge zur Tilgung ihrer Schulden (etwa 70000 Rcichstaler
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Y50000 Reichsmark)
und erkl�rte sich mit der von den Reichsr�ten gew�nschten Ernennung des Landeshauptmanns Rnut Oosse zum Statt-
halter ihres keibgedinges einverstanden. Ja noch mehr! wenige Tage nach seiner Abreise empfing Gxenstierna von
ihr ein Schreiben, worin sie ihm nochmals herzlich daf�r dankte, da� er �letzthin unbeschwert und so wohlwollend
sich darum bem�ht" habe, ihre Sachen in �eine gute", ihr �sonderlich wohlgef�llige Ordnung" zu bringend
Um die Gr�nde dieser pl�tzlichen Sinnes�nderung zu verstehen, m�ssen wir uns die Gem�tsstimmung ver-
gegenw�rtigen, in der sich Maria-Eleanora bei der Ankunft des Reichskanzlers befand.
Die Annahme, da� ihre Uebersiedelung nach Gripsholm ein Nachlassen der zwischen ihr und dem Reichsrat
bestehenden Spannung herbeif�hren werde, hatte sich nicht best�tigt. Vielmehr war es zwischen beiden zu neuen
Reibereien gekommen, die die ohnehin schon bestehende Rluft noch erweiterten. So hielt man es in den schwedischen
Regierungskreisen beispielsweise f�r ein gef�hrliches ,,pr^W6it2", da� sie den franz�sischen Votschafter d'Avaugour
in feierlicher Audienz zu Gripsholm empfing und ihm w�hrend mehrerer Tage dort Gastfreundschaft gew�hrte. So
1 vgl. �HotzenMern-Iahrbuch" 03, S. ,Shff.; ;yoq, S. N5ff.; 19O5, 5. '6?ff. � �Sv. Riksr. Protokoll", VII,Z.S� und
55� (9 [ed. 5. 23crgf}] (Stocf^. ;895); �Oxenstiemas skrift. och brefvexl.", 2. Serie, III,5.
    
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