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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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Am 23. Dezember \638 starb nach furent beiden die pfal3gr�'fin Katharina, die mit ihrer Pflegetochter, der
jungen K�nigin Christine, seit einem Monat in wester�s weilte, da in Stockholm eine heftige siestepidemie aus-
gebrochen war. w�re ihr �t�dlicher Hintritt" einige Jahre fr�her erfolgt, fo h�tte die verwitwete K�nigin sicherlich
aufrichtigen Schmerz dar�ber empfunden. Allein an dem Tage, an welchem sie auf Vefehl des Senats in die
Verbannung nach Gripsholm ziehen und die Veaufsichtigmig ihres �armen, ungl�cklichen Aindes" in die H�nde der
Halbschwester Gustav-Adolfs legen mu�te, hatte das langj�hrige, innige Freundschaftsverh�ltnis der beiden Schw�gerinnen
einen unheilbaren Ri� bekommen. Wohl �u�erte Maria-Elconora unmittelbar nach Empfang der Todesnachricht, ihre
�herzallerliebste Tochter" habe �durch diesen Fall in ihrer Auferziehung eine gar zu gro�e Freundin verloren". Indessen
w�re es vollkommen irrig, wollte mau derartige Worte f�r bare M�nze nehmen. Nicht tiefe Trauer, sondern freudige
Erregung war es, die in jenen Tagen ihr Herz schneller pochen lie�. Glaubte sie doch zuversichtlich, da� nunmehr
die schranke gefallen sei, die sie seit zwei Jahren von ihrem T�chterchen trennte, und da� man sie binnen kurzem
feierlich nach Stockholm zur�ckholen werde.
Auf diesen sch�nen Traum sollte nur allzu bald ein schmerzliches Erwachen folgen. Ihr urspr�nglicher Alan,
sogleich nach Wester�s zu reisen und dort wegen des �k�nftigen Zustanden" der jungen A�nigin mit dem Reichskanzler
�mundliche conf?rent?" zu pflegen, stie� auf unerwartete Hindernisse. Statt dessen erhielt sie kurz nach Weihnachten
die Hiobsbotschaft, da� der Senat sich nicht nur gegen eine Wiedervereinigung von Mutter und Tochter ausgesprochen,
sondern sogar ihre schlimmste pers�nliche Feindin, die Witwe ihres fr�heren Hofmarfchalls Tlaes von H�rn, als
�Pflegemutter" Christinen^ in Aussicht genommen habe. Inihrer Verzweiflung und Ratlosigkeit wandte sie sich zun�chst
an den d�nischen Residenten und bat um dessen sofortigen Vesuch. Aber wibe wagte ohne vorherige ausdr�ckliche
Genehmigung Christians IV. ihrem Ersuchen keine Folge zu leisten. So blieb ihr denn nichts anderes �brig, als
ihren Hofmarfchall von f>entz zu befragen, wie sie sich in dieser kritischen s'age verhalten solle. Die Antwort desselben
konnte von vornherein nicht zweifelhaft sein. Seit der Senatssitzung vom 2. Oktober �etwas pt^Iex" und zum
freiwilligen R�cktritt fest entschlossen, w�nschte er sich bei der Vormundschaftsregierung �durch lacilitierung des Werks"
einen guten Abgang zu sichern und empfahl daher seiner Gebieterin, gute Miene zum b�sen Spiel zu machen und die
Entscheidung �ber die k�nftige ,,e6uc2ti�n" ihrer Tochter der �excr�tion" der Reichsr�te anheimzu stellen. Schweren
Herzens befolgte die A�nigm-Witwe seinen Rat und schickte ihn kurz nach Neujahr nach westeras, um in
der �bewu�ten Sache" m�ndlichen Vericht zu erstatten und offiziell in ihrem Namen zu erkl�ren, da� sie gegen die in
der Erziehungsfrage gefa�te
..r�solution" keinen Einspruch erheben wolle, daf�r aber bez�glich der stersonenfrage mit
Vestimmtheit eine Ver�cksichtigung ihrer w�nsche erwarte.
Man sollte denken, da� der Senat ihre �gute intention" r�ckhaltlos anerkannt und sich mit den von ihr als
�Pflegem�tter" vorgeschlagenen beiden Reichsratsgattinnen ohne weiteres einverstanden erklart h�tte, letzteres war
jedoch nicht der Fall. Vielmehr wurde am 26. Januar mit Stimmenmehrheit beschlossen, da� ihr �Votum"
im vorliegenden Falle nicht als ma�gebend angesehen werden solle. Zwar fehlte es nicht an Bem�hungen, diesen
Beschlu� umzusto�en. So wies z. V. der Reichsadmiral Gyllenhielm darauf hin, da� Ebba H�rn �etwas imp�rieux"
und infolge eines �Mi�verst�ndnisses" seit l�ngerer Zeit bei der A�nigin -Witwe in Ungnade sei. So bef�rwortete
ferner der f>falzgraf im eigenen Interesse der Reichgr�te, d. h. zur Vermeidung k�nftiger Vorw�rfe, ein Eingehen auf
die Vorschl�ge seiner Schw�gerin, insoweit solches �billigund tunlich" sei. So meinte sogar der Reichskanzler, da� man,
wenngleich man ihren sonstigen �Phantasien" sich nicht zu �accommo^ii-en" brauche, doch im vorliegenden Falle �ihrem
willen ein contentement tun" k�nne. Allein ihre Worte und Ermahnungen verhallten vollkommen wirkungslos.
Nach einer teilweise st�rmischen Debatte wurde trotz alledem �resnlvirt", f�r die junge A�nigin, unter v�lligem Aus-
schlu� ihrer Mutter, zwei �Pflegem�tter", darunter eventuell auch Ebba H�rn, und zwei �Hofmeistcrinnen" zu ernennend
1 �Sv. Riksr, Protokcll", VII,S. 372 u. 37*.�85; �Oxcnst. skrift. och brefvexl", 2. Serie, III,5.42U; X, S.6"*f.; .fryxell,
Handlingar etc. I,S.66f. Dazu im Schwed. Reichsarchiv: �??.�?leonora an Ioh.�Nafimir, Gripsholm 15./25. D�z. (658; au Gxenstierna,
Gripsholm !q./24. Vez. !6Z8 u. 5�. Dez. 565y.
        
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