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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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�t�chtigen schwedischen M�nnern" zu besetzen, die �von der Krone dependirten". So konnte man denn in Stockholm
unmittelbar nach der Ankunft der A�nigin-Witwe das eigenartige Schauspiel erleben, da� der Senat sich in einen
f�rmlichen Gerichtshof verwandelte. 3n der Vormittagssitzung von� 2. (Dftober wurden ihre �unn�tzen Reisen", ihre
�Phantasien" vor und nach der Veisetzung Gustav-Adolfs, ihre �controversen bez�glich ihres keibgedinges", ihre
sonstigen �praetensionen" und ihre ausl�ndischen ,,correspondentien" einer zum Teil recht scharfen Aritik unterzogen.
Einhellig vertraten die Reichsr�te die Ansicht, da� im Hinblick auf die �Wohlfahrt des Vaterlandes" �derartige actions
zu contraminiren" und �3- Maj. Dero Verst��e (fauter) zu remonstriren" seien. Allein ebenso einm�tig �u�erte
man andererseits die Ucbcrzeuguna, da� Maria-Eleonora sich schnell �zu guten consiliis bequemen" werde, falls man
aus ihrer N�he diejenigen �obstacula" entfernen k�nnte, die sie gegen die Regierung aufhetzten und �Uneinigfeit zu
stiften" suchten. Nat�rlich waren diese Worte in allererster Linie auf pen^ gem�nzt. Er, so hie� es von allen Seiten,
sei die eigentliche �Wurzel" des Hebels und in hohem Grade �suspect", weshalb man ihn sogleich entlassen oder
verhaften, wenn nicht gar mit den, Tode bestrafen m�sse. Vie allgemeine Entr�stung steigerte sich noch, nachdem der
Landeshauptmann "Knut fl�sse als offizieller Kronzeuge aufgetreten war und �ber die Vorg�nge zu h�jentorp berichtet
hatte. Denn seine Aussage lautete f�r den Hofmarschall fehr belastend, was freilich kaum wundernehmen kann, da
beide, dem Zeugnis der Pfalzgr�fin Katharina zufolge, fchon seit l�ngerer Zeit �nicht recht miteinander" standen.
Das Ergebnis der mehrst�ndigen Debatte gipfelte in dein Veschlussc, pon^ �nachmittags hinaufkommen" zu lassen
und ihn, als einen unter der �jurisdiction der Krone Schweden" stehenden �Diener I.Maj.", wegen seines Verhaltens
�ernstlich" zur Rede zu stellen.
Es d�rfte wohl verzeihlich erscheinen, da� pentz sich m ziemlich gedr�ckter Stimmung befand, als er ein paar
Stunden sp�ter vor versammeltem Senate erschien. Aamn hatte er den Sitzungssaal betreten, so mu�te er eine lange
Strafpredigt des Reichskanzlers anh�ren, der ihn nicht nur in strengen Worten daran erinnerte, was mit ihm im
Fr�hjahr �hier in loco 6l3currilt" worden sei, sondern vor allem von ihm auch Aufschlu� dar�ber begehrte, weshalb
er seine Herrin nicht an ihrem vorhaben gehindert oder wenigstens rechtzeitig die Regierung davon benachrichtigt habe,
himmelhoch beteuerte Pentz, er habe mit den Vorm�ndern durchaus nicht �Spott und Hohn getrieben", sondern fest
geglaubt, da� lediglich eine Reise �propwr recreationem" in Frage stehe. Allein Gxenstierna erwiderte �rgerlich, eine
derartige Entschuldigung k�nnten weder er noch seine Aollegen gelten lassen, da die verwitwete A�nigin ungew�hnlich
schnell �an allen lustigen Grten vor�bergefahren" sei und sich direkt nach Gotenburg begeben habe. Im �brigen aber
sei es doch entschieden h�chst merkw�rdig, da� sie vor der Uebernahme des Hofmarschallamtes durch Pentz sich niemals
erdreistet habe, etwas Derartiges zu tun. Vergebens versicherte dieser nochmals, er habe �keine widrige concilia im
Schilde gef�hrt", sondern blo� �als Diener I.Maj." gehorsam seine Pflicht erf�llt und wolle sich jetzt gern sein
�Vroo anderw�rts suchen", wutentbrannt schrie ihn der Aanzler an: �Ihr habt dazu geholfen, das ganze Werk zu
cnrrumpiren und Ihr sollt daf�r verantwortlich sein". Da sank dem armen Hofmarschall v�llig der Mut. Sch�chtern
bemerkte er: �Ew. Exzellenz kennt doch wohl I.Maj. kumeur". �Das mag schon sein," lautete die unwirsche Antwort;
�aber sie hat Euch und andere, die ihrem kumeur nachhelfen". Immer aufs neue beteuerte Pentz, da� er erst unterwegs
von dein wahren Reiseziel etwas erfahren habe. Allein Grenstierna unterbrach ihn mit den Worten, er habe bestimmt
darum wissen m�ssen, da der ganze Plan ja schon in Gripsholm ,,cnncipjrt" gewesen sei. Wohl habe es sich fr�her
bei derartigen Reiseprojekten um �blo�e Phantasien" gehandelt; diesmal aber sehe man deutlich genug, da� es sich um
�t-ealiwwn" handle. Schuld an allem, so fuhr er erregt fort, trage kein anderer als pentz, der seine Gebieterin
�verf�hrt und gegen die Regierung aufgehetzt" habe, beispielsweise durch die ebenso geh�ssige wie t�richte Vemerkung,
da� bei anderen Nationen verwitwete K�niginnen besser �accommoairt" w�rden, nicht so sp�rliches Hausger�t und
Mobiliar bek�men und nicht �wie eine Sklavin rractirr" w�rden, w�hrend in Wahrheit Mana-Eleonora dach ein
besseres und stattlicheres teibgedinge empfangen habe als irgend eine andere Asnigin. �w�ren wir", so rief er u. a.
aus, �mit dem Aurf�rsten von Brandenburg befreundet, so wollten wir ihn bitten, Gesandte hierher zu schicken, die
wir dann wissen lassen wollten, wie I.Maj. tracdirr wird und wie sich dagegen I.Maj. benimmt". Nachdem das
        
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