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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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wie scheu fr�her erw�hnt, hatte fie Anfang J657 auf ihren Wunsch, an der schwedischen Grenze heimlich mit
dein d�nischen Prinzen Friedrich zusammenzutreffen, infolge des nachdr�cklichen Einspruchs der Reichsr�te verzichten m�ssen.
Andererseits hatten sich diese jedoch gr�ndlich verrechnet, wenn sie glaubten, da� hiermit das Schreckgespenst einer
Zusammenkunft der K�nigin *tD�t?e mit einem Mitglieds des d�nischen Herrscherhauses f�r immer verschwunden sei.
Bereits kurz vor Weihnachten \637 �u�erte 21Taria=(?Ieouora die Absicht, nach Schlu� des in Stockholm demn�chst
zusammentretenden Reichstages �sogleich nach Westerg�tland hinunterzuziehen", um dort �frische ?uft" Zu sch�pfen,
und Anfang noch w�hrend des Reichstages, brachte sie ihren Entschlu� tats�chlich zur Ausf�hrung, sah sich
aber schon auf halbem Wege zur R�ckkehr nach Gripsholm gen�tigt, da der Senat ihre Bitte um freien Vorspann usw.
mit der ironischen Bemerkung ablehnte, da� man ihrem Wunsche gern willfahren w�rde, falls sie sich dazu ent-
schlie�en k�nnte, statt der d�nischen Grenze eine andere Gegend, beispielsweise Dalekarlien, als Reiseziel zu w�hlen.
Gleichwohl w�re es v�llig verfehlt, wollte man in der damaligen Handlungsweise der Reichsr�te lediglich eine
Politik kleinlicher Nadelstiche erblicken. 311 Wahrheit d�rfte n�mlich der Inhalt der Briefe, die INaria-Eleonora in
jenen Wochen mit dem D�nenk�nige wechselte, keineswegs so unschuldiger Natur gewesen sein, wie, die beiden Korre-
spondenlen es gern glauben machen wollten, wurde doch bald darauf von den schwedischen Vertretern in Hamburg
und am d�nischen A�nigshofe �bereinstimmend gemeldet, Christian IV. habe sich an der Grenze heimlich ein Stella
dichein mit der K�nigin Witwe geben wollen, fei aber im letzten Augenblicke daran verhindert worden. Als diese
int Fr�hjahr vor�bergehend in Stockholm weilte, f�hlte sich die Vormundschaftsregierung denn auch zu einem energischen
Vorgehen verpflichtet. Am \9- April lie�en die Reichsr�te den Hofmarschall von penig zu sich rufen, beschwerten sich
bei ihm in heftigen Worten �ber die ausl�ndischen ,(corrcspondentien 11 sowie �ber die �unn�tigen Reisen" feiner
Herrin und forderten ihn dringend auf, k�nftig jede derartige �Spazierfahrt" zu hintertreiben, da sie �f�r I.X\la\.
nicht reputirltc^, bei verwitweten K�niginnen ungebr�uchlich" und au�erdem �in jetziger Zeit, wo viel Schnickschnack
erz�hlt werde, sehr bedenklich" sei. Einige Monate sp�ter konnten sich die schwedischen Machthaber mit der Hoffnung
schmeicheln, da� diese �Vermahmmg" gefruchtet habe. Alles schien darauf hinzudeuten, da� Maria-Eleonom mit ihrem
Tose ausges�hnt sei. Noch im Juli, gelegentlich eines Besuches des Reichskanzlers, lie� sie von etwaigen Reisepl�nen
kein Sterbensw�rtchen verlauten. Kein Wunder, da� im August ihr pl�tzlicher Aufbruch nach Gotenburg gro�es
befremden erregte. Ihr geheimnisvolles Verschwinden aus Gripsholm; ihre hartn�ckige Weigerung in H�jcntarp, sich
sofort zu ihrer erkrankten Co?ter zu begeben; die Entstehung von Sauernunruhen in westerg�tland unmittelbar
nach ihrer Ankunft in jenen Gegenden; ihre unvorsichtige Bemerkung, da� sie mit ihrer kurs�chsischen Vase
Magdalenc Sibylle sowie, mit deren Gemahl, dem d�nischen Thronfolger Christian, in Vohus oder Gotenburg
zusammenzutreffen beabsichtige; das im Umlauf befindliche Ger�cht, sie habe in Gotenburg mit zwei hervorragenden
d�nischen Staatsm�nnern heimlich Veratungen gepflogen; ihre langsame R�ckreise; ihre Unterredungen mit Gylden-
l�ve in Norrk�ping: dies alles mu�te in Stockholm selbstverst�ndlich den Eindruck hervorrufen, da� es sich bei
der ganzen Reise um ein lange vorher abgekartetes Spiel handelte. Gb die verwitwete K�nigin damals wirklich einen
Fluchtversuch geplant oder gar landesverr�tcrische Handlungen begangen hat, l��t sich auf Grund des bisher bekannt
gewordenen Qucllenmaterials mit Bestimmtheit weder bejahen noch verneinen. Nur das eine steht unumst��lich fest, da�
sie tu dieser Zeit durch ihr unvorsichtiges Benehmen dein auf ihr lastenden Verdacht kr�ftig Vorschub leistete und mithin
die Hauptschuld daran trug, da� binnen kurzem �ber sie und �ber ihre Umgebung ein strenges Strafgericht hereinbracht
In den leitenden Regier ungs kreisen war man n�mlich durchaus nicht gewillt, sich derartige �Oilgrnnsreisen"
stillschweigend gefallen zu lassen. Schon am 23. September wurde von den Reichsr�ten beschlossen, sowohl Maria-
Eleonora als auch ihren Hofmarschall, von f)entz, den man f�r einen heinilichen �Anstifter und F�rderer" des letzten
Reiseprojektes hielt, zur Verantwortung zu ziehen und alle wichtigeren Vertrauensposten an ihrem Hofe k�nftig mit
1
,,.Sv. Riksr. Protokoll", VIT, S. ,20, Ut, |��f. # 280 ff., 3*5, 386 u. VIII,440; �Hantll. r�t. Skand. hist.", XVII,5. 253;
yprg?�, XXII,S. 205. Dazu im ?rfjipe?>. Ketd^sarcijio ;�l�arta-?leouora an3oti?iui''Kaftmiu, (Srifs^plm 22. Jan. / X.Febr. ii.?./^?.vez. (657.
        
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