Path:
Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

187
ihrer �Spazierfahrt" zu entkr�ften. Vie Reichsr�te, so erkl�rte sie nachdr�cklich, �hegten gegen mich den Argwohn,
ich wolle von ihnen wegziehen". �Hun, ich habe ihnen jetzt bewiesen, da� ich es keineswegs will und da� sie mit
vor Gott und vor der IVelt Unrecht tun". 3m �brigen freilich nahm sie Z??orncr gegen�ber kein Blatt vor den 21Iunb,
sondern sagte ihm ganz offen, was- sie �ber die Mitglieder der Vormundschaftsregierung dachte. 3e eifriger M�rner
hervorhob, da� �die guten Herren" doch bei allen anderen sich �liebe und Hochachtung" erworben h�tten, desto hitziger
entgegnete sie ihm: �Ihr m�gt sagen, mas Ihr wollt; ich kenne sie doch besser als Ihr uni� wei� sehr gut, mas sie
mir g�nnen". Schon �berlegte der Abgesandte int stillen, ob er nicht von seiner Instruktion Gebrauch machen und
einen sch�rferen Con anschlagen solle. Va richtete Maria-Eleonara zu fetner Ueberraschung pl�tzlich an ihn die Sitte,
er m�ge unverz�glich �die Marschroute festsetzen und Pferde bestellen". Denn sie wolle nach Stockholm zu ihrer Tochter
reisen, damit man diese nicht noch mehr gegen sie aufhetzen k�nne.
Bereits nach wenigen Stunden verlie� sie Gotenburg und zog in Begleitung M�rners durch Sm�land langsam
nach Vesterg�tland. Von wadstena aus, wo fie am \\. September eintraf und sich �etzliche Tage" ausruhte, benach-
richtigte sie ihren pfalzgr�flichen Schwager, da� sie ihn demn�chst auf feinem Schlosse Vraborg besuchen werde, f�gte
aber die Bitte hinzu, da� er sich ihrer �accommodation halben" keine �unn�tige Unkosten und Spesen mache�" und
ihr auch nicht �etwan ferne auf dem A)eg entgegenkommen" m�ge. Von Norrk�ping aus, wo sie am \6 t ankam,
beabsichtigte sie, ihren eigenen Worten zufolge, urspr�nglich sogleich nach Vraborg weiterzuziehen, mu�te aber davon
Abstand nehmen, da durch die lange Reise �Pferde, Rutschen und Geschirr zimlich verdorben" waren. Auch ihr
plan, am folgenden Cage, �nach gehaltener Mahlzeit", abzufahren, gelangte nicht zur Ausf�hrung; augeblich deshalb,
weil sie gegen Abend, bei der R�ckkehr von einer Spazierfahrt zur �Besetzung der Werke", sich auf einmal etwas
unp��lich f�hlte und daher zun�chst abwarten wollte, ob es nicht �etwan zu einem Fieber ausklagen m�chte". Nach
einer Mitteilung ihres Hofmarschalls von pen^ an den pfalzgrafen soll die �kleine Schauderuug", von der sie pl�tzlich
in Z?orrF�ping befallen wurde, durch den �berm��igen Genu� von Austern entstanden fein, wir selbst perm�gen aller-
dings nicht recht an diese �kleine Schauderung" zu glauben, sondern neigen vielmehr der Ansicht zu, da� die verwitwete
K�nigin damals lediglich ein Unwohlsein vorgesch�tzt hat, um in ITorrF�ptng die Ankunft des auf der Heinireise
begriffenen d�nischen Gesandten Christian-Ulrich von Gyldenl�ve abwarten zu k�nnen. Wohl suchten M�rner
und der Pfalzgraf Johann-Kasimir eine derartige, in Anbetracht der politischen tage h�chst verd�chtige �particule-
Unterredung" nach Kr�ften �zu interrumpieren". Aber trotz ihrer Bem�hungen konnten sie es nicht verhindern, da�
Maria-Eleonora am \Qt �dem U�nigl. Vennemarkischen Gesandten" eine feierliche Audienz gew�hrte, ihn wiederholt
zur Tafel lud uno mit ihm einmal eine l�ngere Spazierfahrt unternahm, bei der sie ihm ,,secr?te*' ihr Herz aus-
sch�ttete und sich heftig dar�ber beschwerte, da� sie von den Reichsr�ten �schlecht behandelt" werde. Erst nach der
Abfahrt Gyldenl�ves f�hlte sie sich zur Fortsetzung ihrer Reise wieder kr�ftig genug. Vie n�chsten Cage verbrachte sie
in Braborg und in Skeu�s (S�6ermanlan6) bei ihren: pfalzgr�flichen Schwager, dem sie naiv anvertraute, da� �sie
f�r ihre perron selbsten und so viel die Sch�ne des westerg�thlands antrifft, kein solches contento [von] ihrer Reis'
gehabt, als fie sich oder andere ihr davon eingebildet". Am 25. September zog fie langsam weiter nach Stockholm,
wo sie Ende des Monats eintraf.
Erleichtert atmeten die Senatoren auf, als sich hinter ihr die festen Tore der Landeshauptstadt geschlossen hatten.
War das Mi�trauen, womit man damals in den schwedischen Regierungskreisen ihre Gotenburger Reise betrachtete,
wirklich gerechtfertigt? Hatte sie in der Tat nach D�nemark entweichen wollen oder sich gar in staatsgef�hrlich c Umtriebe
mit dem V�nenk�nige eingelassen?
1 �Sv. Riksr. Protokoll", VII, S. 275, 2??, 28uss., 284, 299, 30?, 555, 586 U. 4<5"ff.; VIII, g. 44� [ed. ?. l^Crgb]
(Storfll. 1898); �Handl. r�r. Skandinaviens hist.", XVII, S. 249�60 (Stockt,. 5652); ,,0xenst. skrift. och brefvexl.", 2 Serie, X, 5. 664;
Vergh, XXII,2.205�05. Dazu im 3chwed. ReichZarchw: maria� �eonora an 3of|ami"Kafimir, Knngs
-
vallby (0./20. Aug. (638,
wadstena 2.j\2. Sept. (659, ttorrf�ping 6./^6. 11. ?./;?. Sept. (638; Bericht M�rners, Gotenburg 25. Aug. / 2. 5ept. [1638] [von meinem
Freunde, Gerrit Archivar Dr. 5. Vergh in Stockholm, abschriftlich mir zur Verf�gung gestellt).
2*'
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.