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Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

Full text: Gustav Adolfs Gemahlin Maria Eleonora von Brandenburg : IV Reisepläne und Fluchtversuche

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der Regierung une auch beut Senat �nicht wenig befremdlich", da sie ja �in biefeu gefahrvollen und schweren Zeiten"
in jener Gegend �gar nichts Zu suchen" habe. F�r den Fall, da� Maria -Eleonora, als �eine l�bliche und weise
K�nigin", durch diese Gr�nde und durch m�ndliche �discr?te persuasion" sich Zur Ginstellung ihrer Reise bewegen
lie�e, sollte ffl&tnex darauf hillwirken, da� ihr auf dein Heimwege, beim Kassieren der einzelnen Provinzen,
von den betreffenden Landeshauptleuten alle �geb�hrende Achtung, Ehre und Dienstfertigkeit" bezeigt werde. Sollte
jedoch mit freundschaftlichen �remonstrationen oder Vermahnungen" gar nichts auszurichten sein, sondern die K�nigin*
witwe auf der Fortsetzung ihrer Reise bis zur d�nischen Grenze bestehen oder aber �zu ihrem eigenen despect" bald
hierher, bald dorthin fahren wollen, so habe M�rner ihr mitzuteilen, die Senatoren k�nnten, aus R�cksicht auf die
junge K�nigin und auf toc Reichsst�nde, �in dieser beschwerlichen Zeil derartige weiwussehende Pilgerfahrten nicht
gestatten", sondern m��ten �wider ihren Wunsch" allen und jedem aufs strengste anbefehlen, ihr weder unentgeltlich
noch f�r Geld den erforderlichen Vorspann zu liesern und auf solche weise ihrem Vorhaben nach entgegen-
zuarbeiten. 3m �u�ersten Notfalle schlie�lich � d. h. wenn sie unter feiner Bedingung Gotenburg innerhalb der
n�chsten zwei oder drei Cage verlassen und umkehren wallte � sollte er ihr den freien Unterhalt �auf Kosten der
Krone" entziehen und ihr offen erkl�ren, sie m�ge fortan �aus ihrer eigenen Tasche leben".
Am 26. August verlie� eilends die Landeshauptstadt. Seine Hoffnung, TNaria-Eleonora noch in
H�'jentorp anzutreffen, verwirklichte sich nicht. Zwar war bei der Runde von ihrer Ankunft der uns schon bekannte Statt-
halter und kandeshcmptmann Knut Posse sofort dorthin geeilt und hatte ihr angelegentlich geraten, daselbst so lange zu
verweilen, bis aus Stockholm weitere Nachrichten �ber das Befinden ihrer Tochter angelangt seien. Allein die verwitwete
K�nigin, die an ein Unwohlsein Christmens nicht recht glaubte, sondern alles f�r ein geschicktes Man�ver der Reichs-
r�tc hielt, erwiderte ihm �rgerlich: �was habe ich damit zu tun? Ta�t mich doch in Frieden". Nachdem sie das
Aduokationsschreiben der Vormundschaftsregieruug, das erst hier in ihre H�nde gelangte, mit ein paar Zeilen zur
Entschuldigung ihrer �Abwesenheit f�r einige Tage" beantwortet hatte, setzte sie die Reise fort und traf am 28. August
in Gotenburg ein, wo sie etwa zwei Wochen zu bleiben gedachte.
Am 2. September, f�nf Tage nach ihrer Ankunft, hatte M�rncr bei ihr Audienz. In herzergreifenden
Worten beschwor er sie, der Bitte ihrer Tochter zu willfahren und schleunigst nach Stockholm zu kommen, damit
Christine �durch ihre gro�e Sehnsucht nicht noch mehr in ihrem Zustande geschw�cht", sondern infolge der Gegenwart
der Mutter �w�hrend ihrer Krankheit erquickt" werde. Seine Rede machte auf Nana-Eleonora einen tiefen Eindruck.
Schreckensbleich rief sie aus: �Gott wolle es den� verzeihen, der mir berichtete, die Krankheit meiner Tochter habe
nichts zu bedeuten; sonst w�re ich sofort umgekehrt, weil er aber sagte, er habe meine Tochter an der Tafel sitze�
sehen, w�nschte ich meine Reise zu vollenden, da ich gro�e tust hatte, den hiesigen Grt zu besichtigen". Hierauf machte
sie dein Unwillen, den sie seit langer Zeit gegen die Senatoren empfand, in scharfen Ausdr�cken Luft. �Hoffentlich",
so �u�erte sie in erregtem Tone, �wird Gott sie daf�r strafen, da� sie Witwen und vaterlose Binder betr�ben".
�Ich habe mir ja nichts B�ses gegen sie zu Schulden kommen lassen. Ich habe ihren K�nig aufs h�chste geliebt
und geehrt und an seiner Seite viel ausgestanden. Gleichwohl mu� ich es jetzt dulden, da� sie mir alles Schlimme
zutrauen und mich vielleicht sogar verd�chtigen, ich sei in diese Gegend gekommen, um mich in Umtriebe mit den
Untertanen einzulassen. Und doch k�nnen alle Landeshauptleute mit mir bezeugen, da� ich kein Anbringen anh�ren
und keine Beschwerde entgegennehmen wollte, sondern alles an meine Tochter und an die Regierung verwiesen habe".
Vergebens suchte Ul�rner sie von der Grundlosigkeit ihrer Verstimmung gegen die Reichsr�te zu �berzeugen. �W��ten
sie", rief sie wehklagend aus, �mit mir richtig umzugehen, so wollte ich mich vor ihnen auf die Erde werfen und
untert�niger fein als der Allergeringste. Da ich ihren K�nig geehrt und geliebt habe, und da sie mir nicht nach-
weisen k�nnen, da� ich etwas den Rechten meiner Tochter und des Reiches Widerstreitendes getan, k�nnten sie mich
doch wirklich noch als ihre K�nigin anerkennen und brauchten mich doch nicht so oft zu betr�ben, wie sie es tun.
Venn wozu ich 3ust habe, das verbieten sie nur; dagegen soll ich tun, was sie wollen". An diese Aeu�erunZ kn�pfte
sie einige Bemerkungen, die dazu bestimmt waren, den in Stockholm herrschenden verdacht �ber das eigentliche Ziel
        
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