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Aus der Regierungszeit des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg

Full text: Aus der Regierungszeit des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg

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Da� eine gewisse Freude bei den St�nken �ber den k�nderzuwachs herrschte, l��t sich nicht leugnen. Aber an den
durch die Neuerwerbungen notwendigen Geldaufwendungen wollen sie sich nicht beteiligen. Man betrachtet dies ailes
als keine Canbes^, sondern als eine Privatangelegenheit des Kurf�rsten, f�r die mit Geld einzuspringen keine Ver-
anlassung f�r die Staube vorliegt. Man kann sich gar nicht an den Gedanken gew�hnen, da� f�r die �getreuen
Untertanen" eine Steuerpfltcf/t besteht, jedoch l��t man sich bei der au�erordentlichen Abneigung gegen regelm��ige
Geldabgaben schlie�lich nach vielen Alagen und Weitschweifigkeiten zu einmaligen, freiwilligen Geschenken herbei, aber
nicht als �Gaben der Pflicht", sondern der �Freundwilligkeit". Daf�r verlangt man aber auch �ber die Verwendung
der Gelder mitreden zu d�rfen und fordert eine bessere Bewirtschaftung der kurf�rstlichen Dom�nen, Einschr�nkung des
Hofhaltes, Entfernung zahlreicher Beamten und H�flinge, die �alles wegfressen". 1
Gerade leicht waren allerdings die Abgaben nicht aufzubringen. Vie Zeiten wirtschaftlichen Glanzes, wie sie
von etwa 5^00 bis J55O herrschten, waren vor�ber. Handel und Verkehr standen in der Mark um 5600 gegen�ber
andern C�rtbcrn zur�ck. Die Zahl der Feuerstellen verminderten sich fett vielen Jahren, \6^5 war, so vermelden
wenigstens die St�nbe, in manchen St�dten der vierte Cdl der Ackerstellen frei. Und die, welche die heimatliche Sa^ollc
verlie�en, vermehrten das gartende, das hei�t herum schweifende Gesindel, bas sich aus verarmten St�biern oder dauern,
aus herrenlosen Knechten und unbesch�ftigten Soldaten zusammensetzte. Diese Heft der Gesellschaft, welche sich in ihrer
ganzen Z�gellostgkeit im Drei�igj�hrigen Ariege zeigen sollte, machte die Wege unsicher, �berfiel pl�ndernd, sengend und
mordend die D�rfer, so da� die Regierung im Februar Anordnungen treffen mu�te, um einen f�rmlichen Feldzug
gegen dies Gesindel zu er�ffnen. Da gehen denn wohl die Gedanken der st�nde, wenig erfreut �ber die Gegenwart,
zur�ck in die goldene Vergangenheit, wie gl�cklich sollten doch die Reiten gewesen fein, wo die Eink�nfte reichlich
fl�ssen, wiewohl Handel und Wandel noch nicht �durch Schleusen" gef�rdert wurde, und wo, obgleich Hussiten- und
pommernfriege das Tand verw�steten �, noch nicht so hohe Steuern zu zahlen waren! Es mu� jedoch festgestellt
werden, da� die wirtschaftliche tage der St�nde keineswegs so ung�nstig war, mie sie von ihnen geschildert wirb, da�
ihnen mithin feine unerschwinglichen tasten auferlegt w�rben, zumal der Adel diese meistens auf die Vauern und
Gutsuntertanen abw�lzte.
So fehlte es denn den St�nden am rechten Verst�ndnis f�r die �u�ere Politik des kandesherrn. Ganz andere
Dinge liegen ihnen viel n�her. Endlos sind die Veschwerdeschriften, die sogenannten Gravamina, die auf den tandtagen
von zu Jahr mit geradezu r�hrender Hartn�ckigkeit vorgetragen werden. Vie meisten Alagen betreffen die Forst-
Privilegien, wie Eichel-, Holz- und weidenutzung in den kurf�rstlichen W�ldern. Die mit Veginn der Neuzeit ein-
setzende geregelte Forstwirtschaft mu�te jene Vorrechte als arge St�rung und als entschiedenes Hemmnis betrachten, von
den Untertanen konnten sie aber hinwiederum zum wirtschaftlichen Vestande nicht entbehrt werden. So erfolgt denn
eine starke Beschr�nkung, teilweise sogar Aufhebung der Forstprivilegien so ist denn den Untertanen der ungest�rte
Vcsitz der Eichclhukmg und wiesennutzung viel wichtiger als die weitausschauende f)olirik ihres �aUergn�digsten" Aur-
f�rsten. Den f?ommern und Sachsen, mit denen sie Vande der Freundschaft und Verwandtschaft verbinden, stehen
zudem ihre Herzen n�her als den Preu�en und Rheinlandern. Mitunter lie� man sich auch gar nicht herbei, �ber die
vom Aurf�rsten zur Beratung gestellten Dinge schl�ssig zu werden. So hei�t es von der Versammlung der Uckermark
zu Arenzlau Anfang die Anwesenden unterhielten sich, statt des kandcs Wohl zu beraten, von Gnadenerweisungen
fremder F�rsten, von Hunden und Hagdsachm, bis einer nach dem andern nach Hause fuhr. Und als bei dem kurz
darauf in Verlin stattsindenden allgemeinen tandtage die uckerm�rkische Ritterschaft fehlte, entschuldigte sie ihr Ausbleiben
mit den unerschwinglichen Aufenthaltskosten. Die kurf�rstlichen R�te stellten jedoch fest, da� mancher der Ausgebliebenen
dennoch �zu besonderem Frevel und Verachtung kurf�rstlicher Gnaden" in Vcrlin war, und sich �zum Trotz am lichten
Tage um das Rathaus herum" zeigte und ein �wildes, w�stes und unchristliches (eben" triebt Erg�tzlich ist auch
1Als unerh�rt bezeichnen es die St�nde, da� l65? in einem Monat 506 Gchsen und 70 iDifpelHafer verbraucht, sowie 293 Tonnen
Vier �ausgesoffen" wurden, ohne das �teure Zerbster". � a Auch kam es vor, da� ein Herr von Ilowsein Fernbleiben vom Landtage damit
entschuldigen mu�te, da� er beim besuch eines Nachbarn von feinem wenig liebensw�rdigen Gastgeber verwundet und arg zerzaust worden war.
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