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Friedrich der Große und seine Leute : I Hans Karl von Winterfeldt

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : I Hans Karl von Winterfeldt

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Bei dieser Revue geschah es auch, da� Friedrich den Feldmarschall Schwerin auf den bevorstehenden Krieg
vorbereitete; im Herbste des laufenden oder im Fr�hling des folgenden Jahres, so meinte er, k�nne dieser zum Aus-
bruch kommen. 1 Denn eben damals hatte er den Abschlu� der Derfailler Defensivallianz zwischen Gesterrcich und
Frankreich erfahren, die den Wandel des politischen Systems in ?uropa, den Vund der Aaiserh�fc mit Frankreich
gegen Preu�en und England ank�ndigte.
Allein noch schneller, als er angenommen hatte, zog bas Unwetter herauf. Vei seiner R�ckkehr von den
2Nagdeburger Besichtigungen am 59. Juni erhielt er die Alarmnachricht, da� die russische Armee im Anmarsch
begriffen sei. Sofort begann die preu�ische R�stung, �Vom 25. an", wie Leutnant von Scheelen in feinem Tagebuch
berietet , �arbeitete der K�nig alle ?�?orgcn von 7 bis lll?r, Pott {\ bis 2 Uhr und nachmittags wieder mit die
Generals winterfeldt, Retzow, Geheimterat Eichel. Mit winterfcldt und Eichel fchlo� er sich im innersten Zinnner
ein, kein 2Tlenfdj durste zuh�ren. 2??it winterfeldt �nachte er die Details der 0 Corps von der Armee, aus was vor
Regimenter sie bestehen sollen, nebst die Marschroute eines jeben Regiments. 2Uit Eichel tractirte er Staatsfadjen ab ...
2!?it Retzow besorgte er die Magazins, pferfee und bas propiantnxfen."
Noch einmal, zu Anfang Juli, auf die Nachricht, da� die Russen Halt machten und unikehrten, kamen die
preu�ischen R�stungen zum Stillstand, �hier fangt es nunmehro wieder an, ruhig zu werden," schrieb IVinterfcldt
vertraulich an Eichel^; er habe einige Veurlaubte seines Regimentes, die bereits eingezogen waren, wieder entlassen,
�als welches hier den Fifchmarcht sehr best�rkt, da� nichts aus dem Marsch werden wird". Aber die allgemeine
politische tage blieb unklar. Da wurde dem General hinterbracht, da� die Vesterreicher erst !?5? losschlagen wollten
und bw dahin durch �verd�chtige Mouvements" den A�mg in Alarmzustand zu halten beabsichtigten. Er erkl�rte
daraufhin am Juli: �Wann wir den ganzen Herbst und Winter �ber auf jetzigen Fu� bleiben sollten, so w�nschte
ich nur lieber, da� es k�nftigen Monat losginge", und er drang in den A�nig, �lieber heute als morgen zu vr�veniren".
Als dieser sich um Aufkl�rung an den wiener Hof selbst wandte, meinte winterfeldt unmutsvoll: �Wann wir warten
wollen, bis alle kleinen F�rsten im Reich uns in ihrem Conseil die Justice thun, da� wir nicht Agresseurs gewesen,
so kommen wir zu sp�t und semd verloren"; es k�nne �nichts helfen wie pr�venircn". Doch binnen kurzem ging dem
A�nig die zuverl�ssige Nachricht zu, da� tatsachlich die Gegner den Angriff nur auf das Fr�hjahr verschoben
hatten, und nunmehr entschlo� er sich, ihnen seinerseits Zuvorzukommen. Ver 2H. August wurde als Termin zum
Aufbruch bestimmt, politische R�cksichten, unvorhergesehene Zwischenf�lle st�rten die urspr�nglichen Anordnungen und
machten neue Vispositionen erforderlich. Ungeheuer war die Arbeitslast, die sich damit auf winterfeldts Schultern
t�rmte. Aber nochmals schien sich Aussicht auf Erhaltung des Friedens zu bieten. Mochte auch der A�nig die
Entscheidung von der Antwort des wiener Hofes abh�ngig machen und sogar Grders zur Umkehr f�r die schon auf
dem Marsch zur Grenze befindlichen Regimenter bereit halten lassen, winterfeldt beharrte bei feiner einmal gefa�ten
Meinung, da� �auch 50 ankommende Couriers" nichts mehr an dem Entschlu� zum kosbruch �ndern k�nnten/
Endlich, am Abend des 25. August, langte die Antwort aus Wien an, sie befriedigte den A�nig nicht; auf den 28.
wurde der Ausmarsch der Verlmer und Potsdamer Garnison anberaumt, am 2<). die Grenze �berschritten. �Gott
gebe uns Gl�ck, so geht alles gut" � das sind die letzten Worte, die winterfeldt, froher Zuversicht voll, vor dein
Einmarsch in Feindesland an Eichel, mit dem er die Arbeit der letzten Wochen treulich geteilt hatte, schrieb.
Die n�chste Aufgabe war die �berw�ltigung der s�chsischen Armee. Als Aurs�rst Friedrich-August sah,
da� der Ring der Preu�en sich immer enger um seine bei siirna versammelten Truppen schlo�, bot er Verhandlungen
an. wie zu Veginn des Zweiten schleichen Krieges, wurde winterfeldt zum Unterh�ndler bestimmt. A�nig Friedrich
1 Tagebuch des Leutnants von scheelen (�Urkundliche Beitr�ge und Forschungen zur Geschichte des prcu�. HeercZ", herausgeg.
pont Gro�en Generalstab, Heft X, ?. �6. Vcrlin l^oe).
� * Vgl. �Urkundliche Beitr�ge und Forschungen zur Geschichte des preu�. E^cercs",
Heft X, 5. 92. � 3 PgL D0I3 und Kunkel, �preu�ische und �sterreichische Akten zur Vorgeschichte des Siebenj�hrigen Krieges", 5. 68,
3" dieser Publikation liegt jetzt die Korrespondenz winterfeldts mit dem K�nig und mit Eichel ans dem Sommer 5 755 vollst�ndig ver-
�ffentlicht vor. � * Schreiben Ivinterfeldts an Prinz Ferdinand von Vraunschweig vom 5?. August H756. Vgl. �Die Kriege Friedrichs
deZ Gro�en", herausgeg. vom Gro�en Generalstab, Teil III, �3b� 5, 5. 99.
        
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