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Friedrich der Große und seine Leute : I Hans Karl von Winterfeldt

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : I Hans Karl von Winterfeldt

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gro�en Sorgen setzet. Ich wei� nicht, mas ich davon glauben soll. Aus Dresden schreibet man mir, ?r w�re tot,
und aus Berlin, ?r h�tte einen hieb �ber der Schulter. Aus diesem kann ich mir nicht vernehmen." Er schlo�
mit dem bangen Wunsche: �wende der Rimmel alles zum Vestcnl". Als mit der Nachricht vom Einbruch der
Schweden in pommern die Best�tigung der Trauerbotschaft anlangte, vermochte er seine Tr�nen nicht zur�ckzuhalten,
und man h�rte ihn sagen: �IVider die INenge meiner Feinde werde ich Mittel auffinden k�nnen; aber ich werde
wenige winterfcldts antreffen." l�
N?interfeli�t war der Abgott seiner Soldaten, aber sein Name hatte doch nicht den hellen, popul�ren Alang,
wie der eines Schwerin, Seydlitz oder Ziethen. So kommt eg, da�, im Gegensatz zu diesen, nur wenige anekdotische
Berichte �ber ihn uns �berliefert sind.^ Aber auch sonst ist die Aunde, die wir �ber ihn besitzen, nicht eben gro�,
das Material, aus dem wir sch�pfen k�nnen, nicht allzu ertragreich, von seinem Familienleben wissen wir nicht mehr,
als da� er das Ungl�ck hatte, seine Ainder, zwei S�hne und zwei T�chter, in zartem Alter zu verlieren. Vriefe an
seine Gattin und andere Verwandte sind uns nicht erhalten. Auch feine sonstige, uns vorliegende Korrespondenz erhebt
sich kaum �ber das Niveau eines dienstlichen Schriftwechsels. Selbst die mit dein A�nige bildet keine Ausnahme;
denn, von wenigen Briefen abgesehen, beherrscht auch sie v�llig das sachliche Interesse. Freilich empf�ngt sie dadurch
ihre besondere Signatur, da� Friedrich ihn mit r�ckhaltlosem vertrauen in seine Alane und Anschauungen einweiht
und dar�ber hinaus seine seinen Aat einholt; �schreibe Er mir frei seine Gedanken", lesen wir in zahlreichen
der an den General gerichteten Briefe.
�winterfcldt ist auch ausgeblasen; was hilft ihm nun seine viele M�he und Arbeit?" so schrieb auf die
Nachricht seines Todes f>rinz August- Wilhelm. Aber nicht nur widerwiUige Anerkennung, wie man wohl gesagt hat,
spricht aus diesen Worten des Thronfolgers, der seit den Ereignissen des letzten Sommers sein erbitterter Gegner war,
sondern anch das Gest�ndnis, da� IVinterfeldts Geschick nicht des tragischen Momentes entbehrte. Der Cod raffte
unseren Helden dahin, als die Aussichten auf eine ruhmvolle Laufbahn sich immer gl�nzender f�r ihn gestalteten.
Bew�hrte er sich auch �berall dort, wo sein Ariegsherr ihn hinstellte, als die Seele der Unternehmung, so war ihm
doch bisher ein Kommando gro�en Stiles, die selbst�ndige Teilung einer Armee nicht zugefallen. Aber auch, soweit
ihn der A�nig pers�nlich heranzog, war seine Sph�re beschr�nkt; nur ein vorfchlagsrecht, eine beratende Stimme war
ihm bewilligt. Gleichwohl, und dann liegt seine Bedeutung, z�hlte er zu den wenigen M�nnern, die der A�nig seines
unbedingten Vertrauens w�rdigte, denen er einen Einflu� auf seine Entschlie�ungen gestattete. lVir sahen es in den
Tagen vor Hohenfriedberg und Aatholisch^ennersdorf, wie bei der Mobilmachung von 1,756 und der Beratung �ber
die Feldzugspl�ne des folgenden Jahres. So galt A?interfeldt als der Mann des k�niglichen Vertrauens; �er besitzt
die Geheimnisse des K�nigs", sagte man geradezu im Heere von ihm.
Diese bevorzugte Stelle, zu der Friedrich ihn erhob, gereichte ihm andererseits in gewisser Weise zum Fluche;
sie zog ihm Ha� und Neid ohnegleichen zu. Alle Mi�vergn�gten in:Heere und am Hofe, die Grund zu irgendwelcher
Klage zu haben glaubten, die sich zur�ckgesetzt f�hlten, waren seine erkl�rten Feinde. Gewi� fehlte ihm die feine,
weltm�nnische Bildung, wie der Feldmarschall Schwerin, den man nur allzugern gegen ihn ausspielte, sie besa�; so
galt er als halber Barbar. Man verdachte es ihm, da� er beim �lieben Rrugvater" mit einem guten Freunde gern
einen guten Trunk nahm. Viele stie� seine derbe Art, die indessen ein kerniger Humor w�rzte, zur�ck. Zweifellos
1 vgl.Pauli, �leben gro�er Helden des gegenw�rtigen Aneges", Sb, V, 5. 2�o (Halle 5?6c>), und v. Retzow, �Charakteristik
der wichtigsten Ereignisse des Siebenj�hrigen Arieges", �3&.I, 5. 220 (Berlin (802). � a (Einiges �ber bas Verh�ltnis von ihm 311 feinen
Koldaten erz�hlt fein Neffe v. winterfcldt'Niden in der biographie unseres Helden (5. 267 f. 273). In keinem der zahlreichen Volks� und
Soldatenlieder ist sein Name genannt; nur in dem auf den Tod des K�nigs entstandenen anonymen ?iebc �Testament Friedrichs de5 Gro�en"
(vgl. 0. Ditfurth, �Einhundert historische Volkslieder des preu�ischen Heeres von (675 bis (866", 5. 58 ff.; Berlin l�69) ist er neben
anderen Heerf�hrern aufgez�hlt. "�bet auch die Don feinem Vetter Gcorg�Adolf v. winterfeldt auf feinen Tod verfa�te (�be (mitgeteilt
von panli, 23b. V, $. 2uff-) zeigt nichts von der Kraft und der Anschaulichkeit volkst�mlicher Poesie. Endlich ist, soviel ich sehe, aus
der F�lle der bildlichen Darstellungen aus Friedrichs Zeit die D�hlingsche Zeichnung, die nach Archenholtz' Erz�hlung den letzten Abschied
des K�nigs von Hans -Karl v. winterfeldt uns vor Augen f�hrt, die einzige, die eine Episode aus seinem Leben behandelt.
        
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