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Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Wettin

Full text: Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Wettin

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In den Novembcrtagen des Wahres herrschte helle Freude in den weimarischen kanden. Der Erbprinz
Aarl Friedlich f�hrte seine jugendliche Gemahlin, die edle Aaisertochter Maria paulowna^, aus der ger�uschvollen
Pracht der russischen Hauptstadt in das anspruchslose Weimar �imstillen Tal bei armen Hirten," wo sie von Schiller mit
�berschwenglichen Versen begr��t wurde, was der bereits dem Grabe verfallene Sanger hier mit prophetischem Vlicke
der staunenden Mitwelt verk�ndete, dag hat sich in vollem Ma�e erf�llt. �Die Gro�f�rstin," so schrieben urteilsf�hige
Zeitgenossen, �war eine Dame von reich gebildetem Geiste, tiefem Gem�t, lebendigen� Ann und gutem praktischem
Verstande. In ihr trat uns die edelste, beste und liebensw�rdigste Darstellung der Idee von Gottes Gnaden entgegen.
Weimars geistiges teben, das versicherte sie oft, ersetzte der ernsten, ruhigen Frau, der F�rstin mit den, durchdringenden
Vlick, dem trotz aller Weiblichkeit strengen Urteil, vollkommen den Glanz des russischen Hofes, und darum hat sie im
Sinne der trefflichen Anna Amalia und ihres begabten Sohnes selbst mit Eifer, mit Hingabe und Erfolg das literarische
teben der Musenstadt gef�rdert und gepflegt."
Das war die Mutter der nachmaligen Aaiserin Augusta und ihrer �lteren Schwester Marie, die sich des
Heldenkaisers j�ngerer Bruder Aarl zur Lebensgef�hrtin erkor.
Das holde Schwesternpaar, dem Goethe ein wachsendes Interesse zuwandte, mit dem er im pnnzessinnengarten
zu Jena gespielt, ihm Geschichten und M�rchen erz�hlt hatte, zog durch seine Bildung und Sch�nheit die Aufmerk-
samkeit der heiratsf�higen F�rstenfShne auf sich. Und das Schlo� von Weimar, �von je her wegen seiner Gastlichkeit
ber�hmt", ward �jetzt noch mehr ein Magnet f�r manchen f�rstlichen Spro�."
Im November erschienen am Wennarischen Hofe die Prinzen Wilhelm und Aarl von Preu�en, statt-
liche, ritterliche Herren, und verweilten l�ngere Zeit. Und schon in den Weihnachtstagen ward die Verlobung der
Prinzessin Marie mit dem Prinzen Aarl gefeiert, der im n�chsten Mai ihre Verm�hlung folgte.
Prinz Wilhelm sah damals seine k�nftige Lebensgef�hrtin nicht zum ersten Male. Schon imNovember
als er nach der leipziger Schlacht auf dem Wege nach Frankfurt am Main in Weimar sich aufhielt, um die Freundin
seiner Heimgegangenen Mutter, die Erbprinzessin Maria paulowna, zu begr��en und mit ihr Erinnerungen an die
verewigte auszutauschen, lernte er ihr anmutiges T�chterlein kennen. Mit seinen gro�en leuchtenden Nmderaugen
blickte es scheu auf den jungen, damals 56 j�hrigen Arieger. Vie Erinnerung an diese fl�chtige Stunde ist anscheinend
beiden schnell wieder verbla�t. Als der Prinz nach langen Jahren wieder in Weimar erschien, stand er noch
inmitten seiner Herzensbeziehungen zur Prinzessin Elise Raoziwill. � �Man kann sich kaum einen gr��eren inneren
Gegensatz als den zwischen diesen beiden an k�rperlicher Sch�nheit und Anmut einander ebenb�rtigen, dein Herzen
unseres Aaisers teuren Frauengestalten denken :Elise Radziwill ganz Seele, ganz Empfindung, ganz Weib, ohne gro�e
Schulweisheit, aus unsagbar schw�rmerischen Augen mit einem Vlicl voll unendlicher G�te in die Welt schauend,
fr�h von einem Schatten des unheilbaren keidens �berflogen, dem sie und ihre Geschwister bald erlagen, madonnenhaft
in ihrem Erdenwallen. Daneben Augusta, die fein gebildete Tochter Weimars, voll warmen, ja leidenschaftlichen inneren
kebens, aber dasselbe fr�hzeitig beherrschend durch einen Geist von wunderbarer Araft, Sch�rfe und Alarheit, � ein
St�ck von einer Ivhigenie."
Ueber des Prinzen damalige Seelenstimmung gibt ein Vrief Auskunft, den er am 2j.Dezember an den
ihm besonders nahestehenden General Gldwig von Natzmer richtete. �InWeimar," schrieb er, �habe ich eine sehr
angenehme Zeit passiert, obgleich es Momente f�r mich gab, die h�chst schmerzlich sein mu�ten, da ich ein Gl�ck
erstehen sah, wie ich es erst vor wenigen Monaten verloren hatte! � Der Vefehl zu dieser Reise ist ein Veweis, da�
mir das leben nicht leicht gemacht wird."
1 ?.Preller, Ein f�rstliches leben. Zur Erinnerung an die verewigte Gro�herzogin Maria paulowna. Weimar, 1859- �'F. Vornhak, Kaiserin Augusta. Z�ge aus einem f�rstlichen Frauenleben. Berlin, l9S6. � V.3chrader, Augussa, Herzogin zu Zachsen,
die erste deutsche Kaiserin. Weimar, ;8yo. � H. v.Petersdorff, Kaiserin Augusta. leipzig, *9oo. � �Eufcmia von Adlersfeld
-
Vallestrem,
Kaiserin Augusta. Ein Lebensbild. Verlin, *9O2.
        
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