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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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den er ihr leistete, indem er die Aforte f�r die polnische K�niZ5wahl Zum Anschlu� an das preu�isch russische �Hystem"
bestimmtes Am April gelangte darauf der Defensivvertrag Zur Unterzeichnung.
Als Friedrich den Abschlu� desselben der Pforte notifizieren lie�, gab diese bezeichnender lveise keine Antwort.�
Nachdem die Allianz mit den T�rken im Fr�hjahr {765 zu Scheiter gegangen war, trug der K�nig kein
Vedenken, die seit dem Kriege gef�hrten Verhandlungen mit der pforte 311 verleugnen, als die Russen neuerdings
Argwohn �ber seine Beziehungen zum Sultan fa�ten, und ohne Z�gern opferte er ihnen Kerbt auf, den fie
beschuldigten, die Verhandlungen nach Stanislaus' IVahl wieder angekn�pft und gegen die Interessen des Petersburger
Hofes in Konftantinope? gehandelt zu habend 3� herbste des Jahres 5765 ging Zegelin als Vertreter Preu�ens
nach der T�rkei; Ke|in hatte seine Rolle ausgespielt.
Aber auch w�hrend der Gesandtschaft Zegelins und sp�ter noch tauchte mehrmals das Projekt einer
preu�isch-t�rkischen Allianz auf. Jetzt war es die Pforte, die, seit im Kriege mit Ru�land begriffen, Friedrichs
Vundesgenosstnschaft suchte. Im herbste bot der Sultan ihm f�r seine Hilfe nicht nur Entsch�digung der
Rriegskosten, sondern auch Tubsidien, deren h�he der A�nig selbst bestimmen sollte. Die Pforte fa�te dann gegen
Ende des Jahres sogar eine Tripelallianz ins Auge, die mit Preu�en und Ru�land geschlossen werden sollte, sobald
der Friede zustande gekommen w�re. Aber alle Vorschl�ge lehnte Friedrich mit Verufuug auf sein russisches V�ndnis
ab.4 Nnd als die Pforte im Fr�hjahr auf den Gedanken des Dreibundes abermals zur�ckkam, sandte der
A�nig den Vericht Zcgelins nach Ru�land, mit der Bemerkung: erh�be Vcsterreich bei den Verhandlungen, die damals
zwischen Wien, Verlin und Petersburg �ber die Teilung Polens gef�hrt wurden, neue Schwierigkeiten, werde der
t�rkische Vorschlag nicht ohne weiteres abzulehnen sein.^ Noch einmal, im herbste 5 7 79, erneuerte die Pforte den
Antrag. Jetzt war es der K�nig, der mit allem Nachdruck den Plan der Tripelallianz verfolgte, aber init ebenso
gro�er Entschiedenheit verwahrte sich die Kaiserin gegen Friedrichs Ansinnen." Die Verhandlungen, die dar�ber
zwischen Verlin und Petersburg gepflogen wurden, sollten zu einem neuen Wendepunkt der preu�ischen Politik, zur
k�sung der Allianz mit Ru�land f�hren; denn die Absichten Kathannas II. waren auf die Zertr�mmerung der euro-
p�ischen T�rkei gerichtet, sie fand in Joseph II. den eifrigsten Partner, und w�hrend die beiden Kaiserh�fe in neuem
V�ndnis sich zusammenschl�ssen, schieden sich die Wege Ru�lands und Preu�ens. �
Kein anderes Prinzip als der auch von Achmet in seinem Reiseberichte scharf hervorgehobene, unvers�hnliche
Gegensatz gegen Gesterreich beherrschte Friedrichs Grientpolitik. Vas einzige Interesse, das ihn mit der T�rkei ver-
band, war die gemeinsame Gegnerschaft gegen den wiener Hof. Daher suchte er die Pforte, solange er mit Vesterreich
im offenen Kampfe lag, zur Vffcnsive zu bestimmen, und als er mit Maria-Theresia seinen Frieden gemacht, ein
1 vgl. Askenazy, S. 64.
�
3 vgl. Askenazy, S. U9f. � � vgl. die Erlasse an Solms rom ID. und 26. Juli und ;o. August,
die Beriete von Sohns Dom ;5. und (9. August, iiebf� dem schreiben des russischen Ministers Grafen pantn an Solms vom 7. August(a. St.) 5?65: P. ?. 24, 256f. 262 f. 2?;f. 285 ff. Auf den Erla� an Eichel vom 2. September mit Weisungen f�r die Antwort
an Soims sehte der K�nig eigenh�ndig: �Den Herin mu� ich facriftcimi, um die gute Harmonie m�t die Russen zu erhallen, und einen
anderen hin nach Konstantinopel schicken" (si. 
    
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