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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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Vie baldige Heimkehr Achlnets erschien unter diesen Umst�nden w�nschenswert. Als der "K�nig Anfang
April pou einer Revuereise, die er nach Schlesien unternommen, zur�ckkehrte, setzte er dessen 2Ibfcr/ie6sau6ien5 zun�chst
auf den 55., dann, da dieser Tag ein Freitag war, auf Montag, den \6. an.1 Zugleich befahl er Fmckenstem,
dem t�rkischen Gesandten zu bedeuten, er m�ge seine Ankunft in Konftantmopel tunlichst beschleunigend Indessen
machte Achmct Weiterungen; er wollte �wenigstens" noch \<\ Tage nach der Audienz, �wie es der 23raucr? sei", in
Berlin bleiben, um fier/ zur Heimreise zu r�sten. 3 Da griff Friedrich zu einem drastischen prefftonsmiitcl : der Fl�gel
a�jutant �ou piref}, der ihn nach Berlin geleitet hatte, mu�te ihm zu verstehen geben, da� die t�glichen Unterhalt ungs=
gelder, die er erhielt, allzu hoch erschienen und daher verk�rzt werden w�rden.^ Ein offener Zwist brach aus. Achmet
bestand darauf, da� ihm der �Tayn" or/ne Abzug und bis zum Cage seiner Abreise gezahlt w�rde. Als Friedrich
ihn, darauf die Wahl zwischen der Audienz und der Sendung eines Kuriers nach Aonstantinopel lief, erkl�rte er
eigensinnig, er n�hme unter der von, l{�nig gestellten Bedingung die Audienz nicht an. 5 So kehrte Friedrich, nachdem
er am 1,6. zum Empfang des Grafen Schaffgotsch, der die Wahl Erzherzog Josephs zum R�mischen K�nig notifizierte,
in Berlin eingetroffen war, wieder nach Potsdam zur�ck, ohne die C�rken gesehen zu haben. Die Angelegenheit
erregte allgemeines Aufsehen. So peinlich Finckenstein dieses im Hinblick auf das Publikum und die fremden Gesandten
empfand, konnte er dach nicht umhin, de�, K�nig recht zu geben und AchmetZ Auftreten als �h�chst unversch�mt"
zu bezeichnen." �Man f�rchtet nun einen Vruch zwischen den beiden IW�djkn", vermerkte Cet^nborff in seinem Tage-
buch.? jedoch so weit kam es nicht. Nach neuen Verhandlungen zwischen pird^ und Achmet wurde die Audienz
nunmehr auf Freitag, den 20., anberaumt, Friedrich bewilligte dein T�rken die Gelder, dieser dankte f�r die �Gnade",
die der K�nig ihm ange6eil?en lie�, und erkl�rte, alle religi�sen Skrupel fahren lassend, da� �der Freitag ihm zur
Audienz ebenso angenehm sei als ein anderer Cag /;.8
So fand denn diese unter den gleichen Zeremonien, wie die Antrittsaudienz, am 20. April statt, mit dein
einzigen Unterschiede, da� Friedrich den Gesandten dieses 2Nal in seinen �gew�hnlichen Kammern" empfing. �Nachdem
wir," erz�hlt Achmct, �uns ge�u�ert hatten, da� wir gekommen w�ren, die Antwort auf das Kaiserliche Schreiben
zu nehmen, antwortete er mit dem Ausdrucke seiner dankbaren Zufriedenheit mit unserer Gesandtschaft und der Gr-
wartung, da� er von der Hohen siforte eine seinen Zwecken g�nstige Freundschaft hoffe." Am Tage darauf verab-
schiedete er sich von dem Grafen Finckenstein, der nebst dem Rekreditw ihm und seinem Gefolge die Geschenke des
A�nigs, eine Uhr, silbernes Geschirr, reiche Stoffe und Geld �bergab. Im letzten Augenblicke bat er sich noch eine
Medaille mit dem Vilde des K�nigs an goldener Kette aus. Voch Friedrich beschied ihn abschl�gig, befahl aber dem
2Ninister, erst am Morgen seiner Abreise Achmet davon zu unterrichten, da dieser andernfalls auf seine Vitte noch �fters
zur�ckkommen w�rde. War den: K�nige schon dieser Tage der Sto�seufzer entfahren: �E? fri�t nur die Vhren vom Kopfs!"
so erkl�rte er jetzt auf dessen neue Forderung in Heller Emp�rung: �Vas nimmt mit diesen: Schurken von Nlamamouchi
kein L�de; er ist entschlossen, mich rein auszupl�ndern, aber er wird nichts bekommen."" Auf Anregung serins erhielt
Achmet ferner f�r den Sultan vier k�nstlerisch gearbeitete und mit Steinen ausgelegte Flinten, dazu eine sechs- und eine
dreipf�ndige Kanone aus dem Zeughaus inBreslau. Ausdr�cklich aber hatte Finckenstein dem Gesandten zu bedeuten,
da� diese Geschenke f�r den Gro�herrn bestimmt seiend" Endlich, am 2. Alai,erfolgte der Ausbruch der T�rken von Berlin.
1 Her K�nig an Finckcnstem, �s�. und \\.April i?6^ (G. St. A.). - 3 Der K�nig an Finckenftem, (0. April1?�^: p.(?. 25, 527*
�
3 Bericht Fincke,� stein5, U. April1764 (G. St. 21.}. � * Der K�nig an Jnirfcnfiein, 42. April 5764: P. C. 25, 33 vgl. ebenda, 5. 533. �
6 Heber diesen Konstikt orientiert JincFcnfieiit am 56. April!?6H seinen Kollegen, den Minister von fjertjberg: �M. le major Pirch est revenu
hier au soir fort tard avec une r�ponse n�gative. T,e Roi a donn� ? opter ? l'internonce turc entre une audience et l'envoi d'un courrier ?
Cutistaiit�nople. M. Achmet a fait le mutin et a d�clar� tout net qu'il ne prendrait point d'audience sur ce pied-l?, de sorte qu'il n'y en aura
point, Le Roi a voulu avoir la r�ponse du major l'irch ? 4 heures du matin. Sa Majest� arrivera cependant pour voir le comte de Scha-ffgotsch,
Je suis f�ch� de cette sc?ne pour l'amour du public et ? cause des ministres �trangers. Il faut cependant convenir que le proc�d� du Turc
est des plus insolents." ((S. irr.A.) � B t?gl. Anm. 5.
�
7 S. 468. Auch lzier ist Datierung und Darstellung wiederum nicht genau. �
H Eichel an Fmckcnstein. (h, April \"6<\* Gleichzeitig �bersendet Eichel abschriftlich den Bericht pird^s an den K�nig vom 17. April. (,(S.St, A.)
�
* Der K�nig an Prinz l)cinrttt>, [H.] April, und an Finckenstein, 22. April i"6*:p. H; p. 
    
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