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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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erreichen, um sich f�r die Zukunft freie Hand in der Politik zu bewahrend Staub so der Abschlu� des V�ndnisse^
mit Ru�land noch aus, so war eine t�rkische Allianz f�r den 'K�nig von doppeltem Wert, nicht nur im Hinblick auf
�inen neuen Kriegsfall, sondern auch gerade, wie er wiederholt hervorhob,^ als beste Garantie f�r die Erhaltung
de5 Friedens auf lange Jahre hinaus.
Aber auch der �rient hatte, wie wir sahen, an der Regelung der polnischen Thronfolge ein unmittelbares
Interesse. Datier erhielt der russische Gesandte Vbreskow sofort Vcfehl, den T�rken �ber Me Absichten der Zarin in
polen die beruhigendsten Versicherungen zu geben und sie um jeden preis von einer Einmischung zur�ckzuhaltend
Auf ausdr�ckliches Ersuchen Katharinas wieg auch K�nig Friedrich feinen dortigen Vertreter Kerin an, allen geh�ssigen
Verd�chtigungen, an denen es Gesterreicher und Franzosen nicht fehlen lassen w�rden, entgegenzutreten und den 2Ninistern
der pforte darzulegen, da� das preu�isch-russische Einverst�ndnis �ber die Wahl eines piafteu in jeder Hinsicht und
f�r alle Teile, f�r polen ebenso wie f�r bin T�rkei, vorteilhaft fei.
Die neue Arisis, in die Europa getreten war, verlieh damit der Gesandtschaft Achmets erh�hte Vcdeutung.
Noch an demselben Tage, da er den T�rken in �ffentlicher Audienz empfing, schrieb A�nig Friedrich dem
Prinzen Heinrich/ aller Anschein spr�che daf�r, da� man zum Abschlu� einer Allianz mit der Pforte gelangen
werde. Die Er�ffnung der Verhandlung behielt er sich selbst vor. Da Rohd, fein Vertreter in Wien, dieser Tage
meldete, da� der �sterreichische Gesandte jedenfalls angewiesen sei, das Geheimnis der Sendung Achmets zu ergr�nden,
�falls �berhaupt ein solches existiere", so lie� Friedrich, �um gewissen Leuten zu denken zu geben", dessen Reise nach
Potsdam so einrichten, �als ob ein Mysterium dahinter stecke"."
Drei Punkte er�rterte der A�mg in der Unterredung, die er am 29. November mit dem t�rkischen Gesandten
in Potsdam hatte. ? Zun�chst ergriff er die Gelegenheit, um die IDendung, die er nach dem Tode der Zarin Elisabeth
seiner orientalischen Politik gegeben hatte/ zu rechtfertigen, indem er auseinandersetzte, da� der mit Ru�land
geschlossene Frieden f�r ihn wie f�r die Pforte von �entscheidender Wichtigkeit" gewesen sei, habe er doch zur L�sung
der Allianz zwischen beiden Amserh�fen gef�hrt.
Auf die Gegenwart �bergehend, tan, Friedrich sodann auf die brennendste Frage der Zeit, die schwebende
polnische Ad'nigswahl, zu sprechen. Er habe 2Nitte! und IVege gefunden, so �u�erte er, um Ru�lands Zustimmung
zur Erhebung eines Plasten zu erlange�. 5ie sei f�r Polen und s�mtliche Nachbarn vorteilhaft, da alle Anege,
die wahrend des laufenden Jahrhunderts in Polen gef�hrt worden, durch die Wahl eines ausl�ndischen Vewerbers
verursacht seien. Anspielend auf die von den Aaiserh�fen aufgestellte Kandidatur des Prinzen Rar! von Lothringen
und auf den Ausschlu� jedes �sterreichischen Kandidaten, den die Pforte in der angeblichen schriftlichen Instruktion
Achmcts ausdr�cklich verlangt hatte, fuhr er fort, da� das preu�ischrussische �bereinkommen ihm vollst�ndig den
05manischen Interessen zu entsprechen scheine.
Endlich brachte der A�nig, so erz�hlt Achmet, �den bisher in seinem Innersten geheim gehaltenen Punkt
der Allianz aufs Tapet und fuchte uns, mit der Hand auf der Karte, die daraus entspringenden namhaften Vorteile
zu zeigen". Friedrich begr�ndete seinen Vorschlag mit dem Hinweis auf das gemeinsame Interesse und die geo-
graphische tage beider k�nder, die es beiden Teilen erm�gliche, durch eine Diversion sich gegenseitig zu unterst�tzen,
kr betonte den moralischen Eindruck des Vimdnisses auf die Nachbarn, die in der Folge desto peinlicher die bestehenden
Vertr�ge beobachten w�rden. Nach seinem Antrage sollte die Allianz auf f�nfzig Jahre oder besser noch auf ewige Zeit
geschlossen werden, einzig und allein sich gegen Gesterreich richten, und die Russen sollten �berhaupt nicht genannt
werden, sei er doch, so motivierte er diese Einschr�nkung, gar nicht ihr unmittelbarer Nachbar und, da er eine gro�e
1 Vgl. �ls!ciia3v, S. $7f.; Aiintzel, Forschungen, B�>. *3, S. u>9f., und Roser, �K�nig Friedrich der Gro�e", S?�. II,
5. H2ttss. u. 683f. � 2 Per K�nig au Prinz Heinrich, 2,. November und 4. Dezember \i(>7> ((Kuvres, Vd. 26, 5.296 u. 2?8),
�
s vgl. Askenazy, 5. 45. 58. � 4 Der K�nig an Rezin und Katharina IL,UNovember U63: p, C. 23, ,65 u. i>?. �
�
2(. November 5765
(tKuvres, Vd. 26, S. 29*>), � � Vericht Rohds vom �2. und Erla� des K�nigs an Finckenstem vom 22. November U*i3 (p.C. 25, l�9f.
u. ,
    
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