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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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�die gl�cklichsten Augenblicke jeder Unternehmung und die t�chtigsten Feldherren zu w�hlen".^ So hatte denn auch
Mustapha feinem Gesandten befohlen, den K�nig um drei fetner Astrologen zu bitten.^ Als Achmet seines Auftrages
sich entledigt hatte, berief ihn Friedrich, wahrscheinlich w�hrend seines VesncheZ in Potsdam, zu sich, und mit ihm
ans Fenster tretend, unter den, die Wachtpamde aufzog, sagte er ihm: �Ich habe drei Mittel gefunden, ineine (ander
von innen wohl zu regieren und von au�en gegen jeden Feind zu verteidigen. Erstlich habe ich mir aus Geschichte
und Erfahrung gewisse Aenntnisse zu erwerben gesucht, welche zur guten Regierung der k�uder und zum Ariegf�hreu
unentbehrlich sind. Weil es aber mit den eigenen Keuntmffen nicht ausgemacht ist, wenn mau nicht zugleich die
erforderliche Gewalt in H�nden hat, um jeden Widerstand von innen und au�en zu bek�mpfen: so unterhalte ich
zweitens best�ndig eine wohl unterwiesene Armee in hinreichender Anzahl und R�stung, welche selbst zu Friedenszeiten
t�glich ge�bt wird, gleich als ob sie im Ariege begriffen w�re, wovon Ihr" � bei diesen Worten wies der K�nig
auf die wachlparade
�
�die probe hier vor Euch sehet. Und da solche Armee weder furchtbar bleiben noch lange
zu ihren Zwecken w�rde gebraucht werden k�nnen, wenn es an Mitteln fehlte, fie immer im streitbaren Stande zu
erhalten und zu jeder Stunde in Bewegung zu setzen: so sorge ich drittens daf�r, da� mein Schatz immer mit Gelde
angef�llt sei, um stets die Kriegsfoften in Vereilschaft zu haben und von keines Menschen guten, willen abh�ngig
zu fein. Diese drei Dinge," so schlo� der K�nig, mit dem Vcfehl, es dein Sultan zu melden, �sind meine Astrologen,
andere habe ich nicht."'
III
Die Allianzverhandlungen und ihr Ausgang
Als Achmet im November in Verlin angelangt war, hatte abermals die Weltlage eine Ver�nderung
erfahren. Das gro�e Ereignis, auf das man seit dem Fr�hjahr sich ger�stet hatte/ war eingetreten: am 5. Gktober
war A�nig August von Polen einem Schlaganfall erlegen.
Noch an demselben Tage, da diese Nachricht in Petersburg eintraf, am Oktober hielt die Aaiserin Katharina
mit ihren Ratgebern eine Konferenz ab und schrieb nach Wien und Verlin. Auf ihren Meinungsaustausch im
Februar des Jahres Vezug nehmend, bezeichnete sie dem preu�ischen K�nige den Stolnik (Truchse�) von titauen
Stanislaus f)oniatowski als den von ihr auserlesenen Kandidaten. In Wien schlug sie, sich allgemeiner fassend, nur
die Wahl eines Plasten vor.^ Als ernster Gegenbewerber erschien sofort Augusts III. Sohn, Kurf�rst Friedriche
Christian von Sachsen, auf dem Plan. Von der Haltung, die Frankreich und Gesterrcich einnahmen, hing der Aus-
bruch neuer allgemeiner kriegerischer Verwickelungen ab."
Noch immer befand sich K�nig Friedrich in politischer Isolierung. Wohl hatte er eine russisch-preu�ische
Defensivallianz angeregt und zu Anfang August auf Wunsch Katharinas II. den Entwurf eingesandt. Aber seitdem
stockte die Verhandlung. Auf die Aunde von Augusts III. Ableben erkl�rte Friedrich, ohne Z�gern und ohne die
Aufforderung der Zarin abzuwarten, sich zur Unterst�tzung ihres Thronkandidaten bereit. Tie nahm dieses Anerbieten
sofort an und erwiderte, da� sie die Allianz als vollendet betrachte, tat aber zun�chst keinen Schritt, der die Vertrags-
verhandlungen f�rderte, wollte sie doch, ohne ein formelles V�ndnis mit Preu�en einzugehen, ihr Ziel in Polen
1 vgl. I�ie3, 5. (5. So schrieb auch Achmet in feilten �wesentlichen Verachtungen" (ebenda, 2. ?8f.) den ungl�cklichen Aus-
gang des russisch-t�rkischen Krieges u. a. dem Umst�nde 311, �da� der Aufmarsch juin Kriege im Anfange der Konjunction &es Saturnus
und Mars mit dem Krebse geschah". � a Im Jahre l?V2 �suchte Sultan Mustapha durch seinen teibarzt den �sterreichischen Gesch�fts'
tr�ger vonIenisch inKonstantinopel, ihm aus Friedrichs Werken die Abhandlung �ber die Kriegskunst �bersetzen zu lassen (vgl. von Hammer,
Vd. 8, S. Hn<). ?s handelte sich jedenfalls um bas Lehrgedicht �L'art de la guerre" (?uvres, 2Zd. (0, S. 225 (f.), bas bereits ;?60 in
den �Po�sies diverses" ver�ffentlicht war. � s DieZ, wie er angibt (S. \6.)m, nach der Erz�hlung des Volmetfchers ,frangopulo.
�
* Vgl.oben S. 32. � 5 D�I. Askenazy, S. 30f. 11. H5ss. � 6 Diese Vef�rchtung war ungegr�ndet, da beide M�chte sich Zur�ckhaltung
auferlegten und Kurf�rst Friedrich �Christian bereits am 1". Dezember ;?65 starb, mit Hinterlassung eines unm�ndigen Nachfolgers, der
von vornherein aus der Zahl der Bewerber ausschied.
        
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